Feigenbaum

Auch Echte Feige (Ficus carica), kurz Feige (von gleichbedeutend mhd. vīge) genannt, findet sich in vielen antiken Mythen als „Heiliger Baum“. So wurde er auch als Weltachse gedacht, als zentrale Verbindung von Himmel, Erde und Unterwelt. Von seiner Lebenskraft sei die gesamte Schöpfung abhängig.
Im Buddhismus wurde der Bodhibaum, unter dem Buddha seine „Erleuchtung“ empfing, zum Symbol Buddhas und zugleich zum Sinnbild der Erleuchtung. In Indien gilt der F. (aśvattha) als einer der schönsten und höchsten Bäume, weshalb er von vielen täglich in einem ihrer morgendlichen Rituale verehrt wird. Im antiken Griechenland war er mit aphrodisischen Eigenschaften besetzt und dem Gott Dionysos geweiht.
Für Rom hatte die Ficus Ruminalis, die noch unter Augustus am Westfuß des Palatin gezeigt wurde, eine besondere Bedeutung. Unter diesem Baum sollen der Sage nach die in einer Wanne im Hochwasser führenden Tiber ausgesetzten Zwillinge Romulus und Remus angeschwemmt und von der Wölfin gefunden und gesäugt worden sein.
In der Bibel ist die Feige die erste namentlich erwähnte Pflanze und die einzige namentlich erwähnte des Gartens Eden. In Gen 3,7 wird berichtet, dass Adam und Eva, nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten, sich ihrer Nacktheit bewusst wurden, Feigenblätter zusammenhefteten und daraus einen Schurz fertigten. Von daher stammt die Metapher des Feigenblatts für schamhafte Verhüllung. Im Allgemeinen steht die Feige im Alten Testament jedoch für Frieden und Wohlstand.

Lit.: Goetz, Oswald: Der Feigenbaum in der religiösen Kunst des Abendlandes. Berlin: Mann,1965; Bolay, E.: Feigen und Würgefeigen. Pharmazie in unserer Zeit 8 (1979) 4, 97-112; Becker, Udo: Lexikon der Symbole. Freiburg/Basel/Wien: Herder, 1998.
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