Ähnlichkeit

Übereinstimmung in mehreren wesentlichen Merkmalen, ohne einander gleich zu sein. Ähnlichkeit ist daher ein relativer Begriff, dessen Unschärfe empirisch nicht zu beheben ist, weil die Beurteilung der Ähnlichkeit die subjektive Komponente nicht völlig ausschließen kann. Der Gedanke der Ä. ist von grundlegender Bedeutung und findet sich daher bei allen Kulturen. Er ist die Grundvoraussetzung der Möglichkeit von Einheit in der Vielheit, von Individualität und Gemeinschaft. In der > Magie wird die Ähnlichkeit zur Grundlage des Analogiedenkens: Wie oben, so unten, wie im Himmel, so auf Erden. Es wird eine Entsprechung von > Mikrokosmos und > Makrokosmos zum Ausdruck gebracht, also von Universum und Mensch, wie auch von Gott und Mensch, wobei der Mensch Ebenbild Gottes (imago dei, Gen 1,27) ist. Diese Analogie von oben nach unten mit der Möglichkeit verschiedener Zwischenebenen ist Grundlage zahlreicher astrologischer sowie esoterischer Deutungen und wird auch als „senkrechte Ähnlichkeit“ bezeichnet, die man als esoterisches Prinzip der Wissenschaft entgegensetzt, welche nur die waagrechte Ähnlichkeit und damit nur eine Ebene kenne. In diesem Zusammenhang spielt Ä. auch in > Alchemie, > Gnosis, > Volksmedizin, > Signaturenlehre, > Homöopathie, beim > Analogiezauber und im > Simile (Tischner) eine besondere Rolle.
In der Psychologie spricht man sogar von > Ähnlichkeitsgesetz (Assoziationsgesetz, > Gestaltgesetz), da Ä. nicht nur phänomenal in Erscheinung tritt, sondern auch funktional wirksam wird. Zwischen ähnlichen Elementen treten nämlich Kräfte auf, die Einzelnes zu höheren Einheiten zusammenführen. Dieses Gesetz gilt für alle Bereiche der Wahrnehmung und wird in der Psychotherapie bei der Frage nach der Ä. von Wunsch und Selbstbild bedeutsam. Ä. kann aber auch zu Lernhemmung führen, wenn zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Inhalte gleich oder sehr ähnlich sind (Ranschburgsches Phänomen).

Lit.: Ritter, Joachim (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 1. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1971; Gebhardt, Karl-Heinz (Hg.): Beweisbare Homöopathie. Heidelberg: Karl F. Haug, 21986; Schlegel, Emil (Hg.): Religion der Arznei: Das ist Herr Gotts Apotheke – Erfindungsreiche Heilkunst – Signaturenlehre als Wissenschaft. Regensburg: Johannes Sonntag, 61987; Bohnke, Ben-Alexander: Esoterik: die Welt des Geheimen. Düsseldorf: Econ Verlag, 1991.
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