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Besessenheit

Andreas Resch: Gabiele Amorth

 

ANDREAS RESCH

GABRIELE AMORTH

(1925 –2016)

Am 16. September 2016 starb in Rom im Alter von 93 Jahren der weltbekannte Exorzist P. Gabriele Amorth. Er gehörte mit dem Passionistenpater Candido Amantini, seinem Lehrer, zu den Pionieren des Exorzismus der letzten Jahrzehnte. Dabei hat vor allem Amorth seine persönlichen Vorstellungen und Erfahrungen zum Exorzismus in zahlreichen Veröffentlichungen  festgehalten, weshalb hier ausführlicher darauf eingegangen werden soll.


I. LEBEN UND AUSBILLDUNG

Um den internationalen Ruf von P. Gabriele Amorth richtig einordnen zu können, ist es notwendig, sein Leben, seine Ausbildung und seine Berufung kurz zu beleuchten, um dann auf seine Ausführungen zum Exorzismus und seine Erfahrungen als Exorzist näher einzugehen.

1. Leben

Gabriele Amorth wurde am 1. Mai 1925 in Modena, Italien, in einer sehr gläubigen Familie mit starker Bindung an die Katholische Aktion, geboren. Er hatte fünf Brüder. Als Kind wurde er der Großmutter väterlicherseits anvertraut. Mit fünf

Giacomo Alberione
Abb.1: Don Giacamo Alberione

Jahren empfing er die Erstkommunion und diente von da an als Ministrant in der Pfarrkirche. Von der Familie und der Katholischen Aktion der Pfarrgemeinde erhielt er seine religiöse Bildung. Bereits mit 14 Jahren begann er über den Priesterberuf nachzudenken. Dabei verschaffte ihm ein glücklicher Zufall  die Gelegenheit, mit Don Giacomo Alberione (Abb. 1), dem Gründer der Gesellschaft vom Heiligen Paulus, zusammenzutreffen, der ihm gleich den Eintritt in die Gesellschaft empfahl, was jedoch noch etwas dauern sollte.
Es kam der Krieg und Gabriele wurde mit seinen vier Brüdern zum Heer einberufen. Dort wurde er Hauptmann, kämpfte als Partisan in der Widerstandsbewegung und erhielt für seine soldatische Leistung die Tapferkeitsmedaille. Nach dem Krieg wollte er seine Eltern nicht im Stich lassen und entschied sich für das Studium der Jurisprudenz, nachdem zwei Brüder darin schon promoviert hatten.

2. Politik

Mit 22 Jahren erhielt Amorth das Doktorat, trat in die christliche Partei Democrazia Cristiana ein und gründete in seinem Umfeld mehrere Sektionen. Er stand dabei in Verbindung mit der politischen Gruppe von Giorgio La Pira, Giuseppe Dossetti, Amintore Fanfani und Giuseppe Lazzati. Sehr bald wurde er Vizedelegierter der Christlich-Demokratischen Jugend und kam als solcher nach Rom, wo er mit Giulio Andreotti zusammenarbeitete. Da sich dieser ganz De Gasperi widmete, musste Amorth die ganze Arbeit des Sekretariats verrichten, sodass er die Jugendgruppen vernachlässigte. Als Andreotti als Untersekretär des Präsidentenamtes in die Regierung eintrat und er als sein Nachfolger nationaler Delegierter werden sollte, trat er von seinem Amt zurück und verließ die Politik.

3. Paulist

Da die Verbindung mit Don Alberione nie unterbrochen wurde, griff Amorth dessen Einladung wieder auf und trat der Gesellschaft vom Heiligen Paulus bei. Nach Absolvierung der vorgeschriebenen Studien wurde er 1954 zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe arbeite Amorth als Journalist und wurde Herausgeber der marianischen Monatsschrift Madre di Dio.

4. Berufung zum Exorzisten

P. Amantini Candido
Abb.2: P. Amantini Cndido CP

1986 wurde Pater Amorth zum Exorzisten von Rom ernannt. Diese Ernennung kam für ihn völlig überraschend. Es begann bei einer Zusammenkunft mit dem damaligen Vikar des Papstes für die Stadt Rom, Kardinal Ugo Poletti. Der Kardinal kam dabei auch auf einen gemeinsamen Bekannten, den Passionistenpater  zu sprechen. P.

 

Candido  (Abb. 2) war damals der berühmteste Exorzist in Rom und hatte eine 36-jährige Erfahrung. Kardinal Poletti packte die Gelegenheit gleich beim Schopf und sagte zu P. Amorth: ,,Sie sind ein Freund von P. Candido und wissen gewiss, dass er alt ist und einer Hilfe bedarf. Ich verleihe Ihnen daher das Recht zu exorzieren.“


II. EXORZIST

So wurde Pater Amorth nach einer Ausbildung bei dem langjährigen Exorzisten der Heiligen Stiege in Rom, P. Candido Amantini, zum ständigen Exorzisten von Rom.

1. Eine schwierige Aufgabe

Amorth war sich nämlich wohl bewusst, dass für das moderne Denken die biblischen Aussagen vom Teufel und der Teufelsaustreibung (= Exorzismus, von griech. orkos = Eid, Schwur) kaum mehr gelten. Zudem stellten Berichte über selbsternannte Exorzisten die katholische Kirche in ein schiefes Licht, hatte doch die okkulte Welle reichen Zulauf. So wenden  sich ca. 12 Millionen Italiener an Kartenleser, Zauberer, Hexer, satanische Sekten usw., zahlen bis zu 100 Euro für eine Beratung und über 1000 Euro für eine Behexung. Das ist ein Riesengeschäft, das nach Amorth damit zusammenhängt, dass wenn der echte Glaube abnimmt, der Aberglaube auch unter gebildeten Leuten zunimmt. Heute existieren in Rom über 100 satanische Sekten.
Auf kirchlicher Seite wurden die Exorzismen in den letzten 200 Jahren auf ein absolutes Minimum reduziert. So gibt es nach Amorth Bischöfe und Priester, welche die Traktate über die Dämonologie nicht studiert haben und sich folglich in der Materie auch nicht auskennen. Viele von ihnen sind nie mit Besessenen oder mit Exorzismen in Kontakt gekommen. Außerdem sind sie von Theorien gewisser Exegeten und Theologen beeinflusst, die sogar die im Evangelium berichteten Teufelsaustreibungen Christi bezweifeln. Sie glauben zwar theoretisch an den Teufel, verneinen aber seine praktische Wirksamkeit.
Amorth schätzte, dass 99% der Bischöfe nicht mehr an das außerordentliche Wirken des Teufels glauben. Ihm zufolge verbietet das neue Rituale den Exorzismus im Fall von Verfluchung. Diese Fälle betreffen jedoch mehr als 90% aller Fälle teuflischer Verseuchung. Nach dem neuen Rituale also dürfte man bei solchen Fällen nie einen Exorzismus durchführen! Diese liturgischen Neuregelungen gehen laut Amorth von der Auffassung aus, dass die Kirche sich für viele Jahrhunderte getäuscht hat. Satan ist nach Amorth jedoch überall und er kann ungehindert arbeiten, denn die ihn am wenigsten daran hindern, seien gerade die Priester.

2. Das Wirkungsfeld Satans

Die vorrangige Aktivität Satans besteht nach Amorth darin, den Menschen zum Bösen zu verführen, mit der Absicht, ihn von Gott zu entfernen. Deshalb genügt es nicht, nur „an Gott zu glauben“ – wie es in der Tat 90% der Italiener tun – , sondern es ist notwendig, den Willen Gottes zu erfüllen. Im Einzelnen führt Amorth folgende Hauptaktivitäten Satans an:
Besitzergreifung:
Der Teufel kommt in den menschlichen Körper und äußert sich durch Gesten und Worte. Er kann aber nicht die Seele in Besitz nehmen.
Schikanen:
Der Teufel fügt einer Person Leiden und Flüche zu, wirkt auf deren Gesundheit, Zärtlichkeit und Arbeit ein. Solche Fälle sind nicht leicht zu erkennen, da solche Übel auf indirekte Weise von Satan kommen, nicht offensichtlich, so dass man glaubt, sie haben natürlichen Ursprung. Deswegen wenden sich betroffene Personen, die von Priestern und Bischöfen oft nicht verstanden werden, an Zauberer.
Besessenheit:
Bei der Besessenheit handelt es sich um Störungen, die dem Menschen zugefügt werden, seine innere Ausgeglichenheit, sein emotionales Gleichgewicht beeinträchtigen. Satan greift an und verursacht Verwirrung, Kummer und innere Qualen.
Verseuchung:
Unter Verseuchung versteht Amorth jene Bösartigkeiten, die Sachen und Tiere treffen. Der Katechismus der katholischen Kirche erklärt, dass man auch Exorzismen über Dinge (Nr. 1673) ausführen kann. In der Tat kommt es vor, dass man Häuser und Orte exorzieren muss. All diese besonderen Bösartigkeiten, die jedoch keine Macht über die Seele besitzen, empfängt man laut Amorth aus vier Gründen:
a) Aus freier Initiative des Teufels. Infolge der den Geschöpfen geschenkten Freiheit, lässt Gott zu, dass Satan das Böse wirkt, auch wenn das Böse nicht der Wille Gottes ist. Viele Heilige waren von Besitzergreifung, Schikanen und Besessenheit betroffen, und haben sich durch diese Prüfungen hindurch geheiligt, wie Pater Pio, der Pfarrer von Ars, die hl. Gemma Galgani.
b) Besuche gefährlicher Orte: Zauberer, Kartenleser, satanische Gruppen, spiritistische Sitzungen.
c) Verharren in schwerer Sünde. Mit der Zeit „verhärtet“ man sich in der Sünde und das Böse schlägt in uns tiefe Wurzeln.
d) Verfluchungen: Diese betreffen 90% der Fälle und hängen nicht von dem ab, den die Flüche treffen. „Verfluchung“ bedeutet Unheilbehaftung mit Hilfe des Teufels.

3. Vollmacht zur Teufelsaustreibung

Jesus hat die Macht der Teufelsaustreibung den Zwölf, dann 72 Jüngern verliehen; schließlich hat er diese auf alle Gläubigen ausgedehnt: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben“ (vgl. Mk 16,17).
Heute kann der sog. feierliche Exorzismus nur von einem durch seinen Bischof autorisierten Priester und nach Genehmigung des Ortsbischofs ausgeführt werden. Befreiungsgebete kann hingegen jeder Gläubige sprechen, für sich und für andere, ohne Erlaubnis des Bischofs, der nur die öffentliche Form verbieten kann oder den Ort, wo diese Gebete gesprochen werden.
Der Zweck der Befreiungsgebete kommt jenem des Exorzismus gleich, d.h., Satan zu vertreiben. Während jedoch der Exorzismus das offizielle und öffentliche Gebet im Namen der Kirche ist – und deshalb an sich wirksamer – , bleibt das Befreiungsgebet immer ein privates Gebet, das jedenfalls in einigen Fällen große Wirksamkeit hat. So ist es zurzeit der hl. Katharina von Siena vorgekommen, dass ihr die schwierigsten Fälle von Besessenheit überlassen wurden. Katharina, die kein Priester war, sondern eine Heilige, hat die Befreiung erwirkt.
1990 stellte der Vatikan allen Bischofskonferenzen ein Dokument zu, worin die künftige Handhabung des Exorzismus beschrieben ist. Von einem Exorzisten wird vor allem verlangt, dass er zwischen Krankheit, Umsessenheit und Besessenheit unterscheiden kann.

4. Fragen an Amorth

Aufgrund seiner weltweiten Bekanntheit und seines sicheren Auftretens wurde Amorth vor allem in seinen letzten Jahren mit zahlreichen Fragen zu seiner Arbeit als Exorzist befragt. So wurde auch  die Frage an ihn gestellt, warum in Italien über 300 Exorzisten operieren und sich z.B. in der Schweiz niemand darüber zu sprechen getraut. Darauf antwortete Amorth, dass nach den Hexenverfolgungen drei Jahrhunderte lang niemand mehr gewagt habe, einen Exorzismus zu praktizieren. Deutschsprachige Theologen hätten sogar angefangen, die von Jesus Christus berichteten Exorzismen zu leugnen, was Bischöfe und Priester zusätzlich entmutigt habe. In Italien habe dann 1972 die Rede von Papst Paul VI. zur Frage des Teufels das Eis gebrochen. Außerdem hätten seine, also Amorths, Bücher, Interviews und Fernsehauftritte viel bewegt. Die Hauptschwierigkeit bestehe darin, ein dämonisches von einem psychischen Leiden zu unterscheiden. Hier müsste man weit ausholen. In einigen Fällen könne beides im Spiel sein. Das bedeute, dass die Person sowohl den Exorzisten als auch den Psychiater brauche.

5. Der Exorzist Amorth

Das Leben als Exorzist hat Gabriele Amorth (Abb. 3), den ich persönlich als energischen und aufgeschlossenen, vielseitig begabten und tiefgläubigen Ordensmann auf Tagungen und im Briefkontakt kennenlernte, in stets großer Verantwortung gestaltet.

Gabriele Amorth
Abb.3:P. Gabriele Amorth (1925-2016)

Bei den konkreten Behandlungen befasste er sich zunächst mit der Person selbst, suchte dann nach verdächtigen Anzeichen von Besessenheit und fragte nach der Ursache der Beschwerden. Erzählte jemand, die Symptome seien nach einer spiritistischen Sitzung, nach dem Besuch bei einer satanischen Sekte, bei einem Magier oder Kartenleser aufgetreten, wurde er hellhörig. Auf Besessenheit deutet nach ihm auch, wenn jemand auf heilige Symbole allergisch reagiert, nicht mehr zur Messe gehen kann oder wenn er sich wütend auf dem Boden wälzt, sobald er gesegnet wird.
Ob jemand tatsächlich besessen ist, kann erst im Verlauf des Exorzismus herausgefunden werden. Vereinfachend können wir nach Amorth sagen, dass das offensichtlichste Symptom der Besessenheit die Abneigung gegen das Heilige ist. Wenn eine Person, obwohl sie es möchte, nicht zur HI. Messe gehen kann, wenn jemand auf heilige Bilder aggressiv reagiert, sind das erste Hinweise. Man kann eine Person laut Amorth auch testen, indem man ihr, ohne dass sie es weiß, einen Kaffee oder eine Suppe mit exorziertem Wasser zubereitet. Wenn die Person aufspringt oder die Speise ablehnt, besteht Verdacht auf Besessenheit. Oder man bereitet den Salat mit exorziertem Salz oder exorziertem Öl und prüft, ob die Person ausfällig wird und das Essen ablehnt. Ein anderer Hinweis kann eine medizinisch nicht diagnostizierbare Krankheit sein. Es kommt vor, dass bei einer Person nicht einmal der unmittelbare Effekt eines Medikaments eintritt. Man versucht z.B. einen Kranken mit hohen Dosen von Schlaftabletten zu beruhigen, ohne dass sich bei ihm eine Wirkung zeigt.
Ein Besessener hat nach Amorth nämlich eine doppelte Persönlichkeit. Die Normalpersönlichkeit schläft während des Exorzismus, weshalb sich ein Patient im Nachhinein an nichts erinnern kann. Den Dämon selbst lockte er mit Gebeten aus dem Patienten, der sich dessen Stimme und Körper bediente, und sprach mit ihm. Er fragte nach seinem Namen, wann und wie er in den Menschen geschlüpft sei und wann er wieder gehen wolle. Hat er das Opfer etwa auf Grund einer Verfluchung heimgesucht? All diese Fragen nützen der Befreiung. Er stellte sie jedoch nicht aus Neugier. Das war verboten.
Nach dem 1999 vom Vatikan herausgegebenen neuen Ritual für Teufelsaustreibungen sollen auch Psychiater hinzugezogen werden. Amorth befürwortete, wie gesagt, das Hinzuziehen eines Psychiaters, stand dem neuen Rituale aus den oben genannten Gründen jedoch ablehnend gegenüber und verwendete das alte Rituale aus dem Jahr 1614, was mit Erlaubnis des Bischofs gestattet ist.
Dennoch ist festzuhalten, dass der Exorzismus als Instrument zur Befreiung eines Menschen erst an siebter Stelle steht. Folgende Maßnahmen gehen ihm im Kampf gegen den Teufel voraus: Beichte, hl. Messe, Kommunion, eucharistische Anbetung, Psalmen und Rosenkranz.
Bei den Gebeten bediente sich Amorth, wie erwähnt, der lateinischen Gebete aus dem römischen Rituale von 1614, die alle darauf abzielen, Satan im Namen Christi zu vertreiben. Dabei reagierte der Leidende manchmal überhaupt nicht auf diese Gebete. In schwierigeren Fällen fiel er in Trance, sobald Amorth ihm die Hände auflegte. Danach erinnerte er sich nicht mehr an das, was sich zugetragen hatte. In anderen Fällen begann der Klient zu heulen und zu schreien, wehrte sich und schäumte. Dann brauchte es Gehilfen, die ihn festhielten. Oft traten seltsame Symptome, wie merkwürdige Formen von Epilepsie, auf, weil sich der Teufel zu verstecken suchte.
Letztlich kann aber nur der Exorzismus eine eindeutige Diagnose liefern. Deshalb ist es wichtig, die Reaktion einer Person während und nach dem Exorzismus zu beobachten. Der Exorzismus kann nach einigen Tagen gewalttätige Reaktionen, Augenrollen oder Trancezustände auslösen. Oder es kann einer Person für einen Tag schlecht gehen und anschließend wieder gut, bis das Übel nach einigen Tagen erneut eintritt. Um eine mögliche Einbildung auszuschalten, ist es wichtig, die Verhaltensweisen des Bedrängten während einer Reihe von Exorzismen aufzuzeichnen. Erst dann kann festgestellt werden, ob tatsächlich eine Besessenheit vorliegt oder nicht.
Was die Wirkung des Exorzismus betrifft, so geht es selten schnell. Im Allgemeinen braucht es 5 – 6 Monate (manchmal bis zu 12 oder 14 Jahren).
Als äußere Mittel verwendete Amorth Kruzifix, Weihwasser und Katechumenen-Öl. Zudem legte er dem Leidenden die Hände auf das Haupt und ließ die Enden seiner langen violetten Stola über seine Schultern fallen.
In den neuen Kodex sind auch Vorstellungen von deutschen und Schweizer Bischöfen eingeflossen, sodass es jetzt im Falle einer Verfluchung verboten ist, zu exorzieren. Das sind nach Amorth aber die häufigsten Fälle. Ferner sind Austreibungen nur erlaubt, wenn die Präsenz des Dämons sicher ist. Gewissheit darüber zu erlangen, ist laut Amorth aber erst im Verlauf des Exorzismus möglich. So werde die Arbeit der Exorzisten durch das neue Rituale fast verhindert.  
Auf die Frage, ob er vor dem Teufel, der Geist und ein gefallener Engel ist, Angst habe, antwortete Amorth hingegen: „Niemals. Er hat Angst vor uns.“

6. Mitarbeit von Ärzten

Was die Mitarbeit von Ärzten betrifft, so ist folgender Bericht eines Psychiaters aufschlussreich:
„Ich hielt Exorzismus für Hokuspokus“, berichtet der Psychiater Dr. Vincenzo M., der in einem Fall 1993 mit Amorth zusammenarbeitete. „Ich glaubte weder an den Satan noch an Gott, aber ich akzeptierte die Mitarbeit. Die Patientin war eine junge Frau, sie kam in mein Behandlungszimmer, und ich schwöre, die nächste halbe Stunde war die schlimmste meines Lebens. Ich spürte sofort, dass etwas ganz Seltsames geschah, denn ich hatte vor einer Patientin panische Angst. Ich wollte nur, dass sie wieder geht, ich wollte, dass sie so schnell wie möglich mein Zimmer verlässt. Ich schrieb das Rezept auf und hoffte, dass sie gehen würde.“
Was dann geschah, erzählte der Arzt vor einer Untersuchungskommission unter Eid: „Ihre Arme verlängerten sich, von ihrem Stuhl aus wuchs ein Arm blitzschnell um etwa zwei Meter, ihre Hand war eine Kralle, sie zerfetzte meinen Rezeptblock, und die junge, attraktive Frau sagte mit der tiefen Stimme eines alten Mannes: ,Solchen Unsinn brauche ich nicht.‘ Dann schrumpfte der Arm wieder, ich rannte in Panik aus dem Raum.“1
Amorth bekam aber nicht nur Unterstützung von Gläubigen und Ärzten, sondern auch von Atheisten. Das Sprachwissenschaftliche Institut der Universität Rom bestätigte Amorth 1998 einen wissenschaftlich nicht erklärbaren Fall. Eine junge Bäuerin, die schlecht Italienisch sprach, fluchte während eines Exorzismus stundenlang grammatikalisch korrekt in acht Sprachen, darunter in der nahezu ausgestorbenen Sprache der Zeit Jesu Christi, die nur ein paar Dutzend Menschen auf dem Globus beherrschen: Alt-Aramäisch. In dem Gutachten heißt es: „Es ist unerklärlich, wie die Frau diese Sprachen erlernen konnte.“2

 

III. TEXTE AUS DEN MEMOIREN AMORTHS

In diesem Abschnitt sollen aus den Memoiren eines Exorzisten von Gabriele Amorth3 ausgewählte Beschreibungen zu folgenden Themen und Fällen mit genauer Quellenangabe wiedergegeben werden: Die Streitkräfte des Feindes – Ein seit der Kindheit Besessener – Eine befreite Magierin – Satanische Riten auf dem Friedhof. Diese Originaltexte vermitteln einen anschaulichen Einblick in die Arbeit des Exorzisten Amorth und bezeugen seine Kompetenz und seinen unerschrockenen Einsatz.

1. Die Streitkräfte des Feindes

„Sehen Sie, die Macht des Feindes ist immer die gleiche geblieben, denn der Teufel hat immer dieselbe Macht. Was aber enorm zugenommen hat, ist etwas anderes, nämlich die Zahl der Türen, die sich seinem Eindringen geöffnet haben. Früher gab man sich viel weniger okkultistischen Praktiken hin als heute. Unter Okkultismus verstehe ich Magie, spiri­tistische Sitzungen, satanische Sekten usw. Früher, als man noch zur Kirche ging, betete und die Familien noch einträch­tig und intakt waren, war die Situation anders ... Sie sehen doch, wie heutzutage die Gesellschaft aussieht. Die jungen Leute leben ohne Trauschein zusammen, sie pfeifen auf die standesamtliche Trauung ... und die Schwulen, die die Anerkennung ihrer gleichgeschlechtlichen ,Ehe‘ fordern und dazu noch, dass sie Kinder adoptieren können. Wo sind wir denn eigentlich gelandet! Bei Absurditäten, die zur Zeit meiner Jugend völlig undenkbar gewesen wären.
All dies – Magie, Okkultismus, Spiritismus – trägt dazu bei, die Eingangstüren zu öffnen. Sind die Türen einmal geöffnet, hat Satan freie Hand. Nicht dass er machtvoller wäre als früher, sondern dass er von seiner Macht frei Gebrauch machen kann. Denken Sie etwa an all die vielen Fälle von Personen, die sich dem Satan weihen!
Sie sind sehr zahlreich. Wie viele jener Zettel habe ich doch schon verbrannt, auf denen Sätze geschrieben standen wie etwa diese: ,Satan, du bist mein Gott, ich will Satan, ich will immer mit dir sein, ich verehre dich, ich bete dich an.‘ Und dann: ,Gib mir, gib mir, gib mir.‘ Gib mir Reichtum, gib mir Vergnügen, gib mir Erfolg. Und der Teufel gibt es ihm und raubt ihm dafür die Seele. Es handelt sich hier nicht um eine Besessenheit, denn in diesen Fällen besitzt der Teufel bereits die Seele, da diese Personen bereits beschlossen haben, sie ihm auszuliefern. Man muss bedenken, dass der Teufel von sich aus nicht zur Seele gelangt. Er kann körperliche Beschwerden hervorrufen, aber die Seele erreicht er nicht. Er dringt bis zur Seele vor, wenn der Mensch sie ihm ausliefert und ihm erlaubt, von ihr Besitz zu ergreifen, sich ihrer zu bemächtigen.
Die Zettel, die ich eben erwähnte, sind mir von Personen zugetragen worden, die sich dem Satan geweiht hatten, dann aber von Furcht ergriffen wurden, weil es sehr schwierig ist, aus einer Sekte auszutreten. Es gibt Zeugnisse, laut denen es in Amerika vorkommt, dass wer aus einer satanischen Sekte austritt, getötet werden darf. Daher haben auch die Mitglieder selbst viel Angst.“4

2. Ein seit der Kindheit Besessener

„Der folgende Fall betrifft einen Knaben, der in der frühen Kindheit in die Obhut seiner Großmutter väterlicherseits gegeben wurde. Diese, so scheint es, habe das Kind den bösen Geistern anvertraut. Mit fünf Jahren machte der Knabe die Erstkommunion und von da an ging er regelmäßig als Messdiener und als junger Sakristan und Vertrauensperson des Pfarrers in die Kirche. So ging es weiter bis ungefähr zu seinem vierzehnten Lebensjahr.
Am Ostermontag hat der Knabe die Vision von einem leuchtenden Kreuz und vernimmt eine Stimme, die ihm sagt: ,Du wirst viel leiden.‘ Von da an erlebt er an seinem Körper seltsame Phänomene: Geißelungen, Schrammen in der Rippengegend, ikonographische Zeichen an Händen und Füßen. Dann erfolgen Erscheinungen Jesu und der Madonna.
Der Tränenfluss auf einem Herz Jesu-Gemälde erregt die Aufmerksamkeit vieler Menschen, die sich um das Bild und den jungen Sakristan scharen. Das Phänomen wird allgemein bekannt, die Lokalzeitungen schreiben darüber. Schließlich interveniert die bischöfliche Kurie. Ein reguläres Untersu­chungsverfahren über dieses außergewöhnliche Ereignis wird eingeleitet. Doch bald wird das Ganze zu den Akten gelegt, weil anscheinend Anzeichen von Unglaubwürdigkeit auftauchen. Doch die Phänomene von tropfenden blutroten Tränen ereignen sich weiterhin und der Jüngling bleibt im Brennpunkt der Aufmerksamkeit eines Freundeskreises.
Im darauf folgenden Jahr nimmt das Szenario der Ereignisse eine weitere Wendung. Der Jüngling trifft sich mit einem Pseudocharismatiker, der über ihn Gebete spricht.
Am Jüngling geschehen Levitationen und die Leute, die ihn aufsuchen, fallen während des Gebetes manchmal in eine Art von Einschlafen im Geiste. Der Jüngling wendet sich ab vom regelmäßigen Empfang der Sakramente und bricht auch jeden Kontakt mit dem Pseudocharismatiker ab.
Eines Tages – ich erinnere mich nicht mehr an das genaue Datum – bringen ihn einige seiner Freunde zu mir. Sie wollten sich über den Ursprung der außergewöhnlichen Phänomene Klarheit verschaffen sowie auch meinen Rat hinsichtlich des weiteren Verhaltens einholen. Der Junge sieht arglos aus, er lächelt, er ist reinlich, ruhig und heiter. Er erzählt das Geschehen um den Tränenfluss auf den Gemälden. Er zeigt mir das Herz Jesu-Bild, wobei er mir erklärt, dass er es jeweils aus dem Kasten herausholt und es den Leuten zur Schau stellt, während er seine Andacht verrichtet. Das Gemälde zeigt auffällige Spuren von blutigen Tränen, das auf dem Glas geronnen war. Ich frage seine Freunde nach der Meinung der bischöflichen Kurie. Sie sagen mir, dass diese Vorbehalte gegen den übernatürlichen Ursprung der Phäno­mene habe. Ich bitte den Jüngling, diesen Ereignissen keine große Bedeutung beizumessen, das Gemälde nicht mehr aus­zustellen, nicht in der Öffentlichkeit zu beten und große Vorsicht walten zu lassen in Erwartung, dass der Herr dies­bezüglich seinen Willen offenbart.
Im folgenden Jahr betreten der Pfarrer und der Pfarrvikar die Szene. An diese hatte sich nämlich der Vater des Jungen gewandt und sie um Hilfe ersucht, da es seinem Sohn schlecht ging und sein Pfarrer sich nicht mehr um ihn küm­merte. Die beiden Priester nahmen sich nun des Jünglings an. Sie nahmen an ihm Befreiungsgebete vor, denn er schien vom Teufel belästigt zu sein. Das ging so weiter, bis sie eines Tages den Jungen zu mir brachten. Sie waren überzeugt, dass dieser mit Exorzismen behandelt werden müsse.
Seit dem Dezember jenes Jahres habe ich fünf Exorzismen vollzogen.
Erster Exorzismus: Anwesend sind die zwei Priester, die den Jüngling begleiten, zusammen mit anderen Personen, die mit diesen hierher gekommen sind. Auch eine kleine Gruppe Charismatiker ist zugegen. Zu Beginn des Gesprächs ist das Gesicht des Jungen fröhlich und unbeschwert. Einige Minuten später ein paar Rülpser und Anzeichen von Unbe­hagen. Er sagt mir, die seltsamen Phänomene hätten bei ihm seit der frühen Kindheit begonnen, wenige Jahre vor der Erstkommunion, die er mit kaum fünf Jahre Jahren empfing. Die Hostie habe fast immer den Geschmack von ,faulem Fleisch‘ gehabt. Während der Wandlung kamen stets Gotteslästerungen in ihm hoch und während der Wandlung bedrängten unzüchtige Phantasien seinen Geist.
Die seltsamen Phänomene nahmen ihren Anfang im Alter von dreizehn Jahren: Levitationen (freies Schweben), Stig­mata (Wundmale), ikonographische Zeichen auf dem Körper, ferner Statuen, die zerbrachen und aus denen Blut tröpfelte, Zerrungen in den Gliedern, Lähmungen, Visionen, Blüten­blätter und Knospen von Rosen, die aus seinem Munde tra­ten.
Ich beginne vorsichtig mit einem sondierenden (,diagnos­tischen‘) Exorzismus. Der Junge fällt zu Boden, er wälzt sich hin und her, schlägt heftig aus, knirscht mit den Zähnen, spuckt mich an und versucht, mich anzugreifen. Seine Stimme klingt rau, seine Augen sind rot und hasserfüllt. Nach diesem Sondierungs-Exorzismus fahre ich fort mit dem imperativen Exorzismus, wobei dem Teufel bestimmte Befehle gegeben werden. Das Weihwasser, mit dem der Patient besprengt wird, brennt ihn. Nur mit Mühe wird er von vier Personen auf dem Boden festgehalten. Die Reaktionen wurden noch heftiger, als ich beim Exorzismusgebet die Jungfrau Maria eines einheimischen Marienheiligtums erwähnte. Nach einer Viertelstunde tritt Ruhe ein. In dieser Phase der Erholung unternimmt der Jüngling plötzlich einen neuen Angriff und schlägt überraschend zu. Er wird aber mit Leichtigkeit gebändigt. Und er schafft es sogar, mit dem Exorzisten zu beten. Er ist aber sehr müde. Als ich ihm auf Wiedersehen sage, zeigt er sich zufrieden, aber rülpst einige Male.
Zweiter Exorzismus: Anwesend sind die gleichen Personen wie beim ersten Mal. Es wiederholten sich die gleichen Phä­nomene. Ein unerwarteter Fußtritt trifft mein Bein.
Dritter Exorzismus im Februar des folgenden Jahres: Der ihn begleitende Pfarrer bringt mir sechs oder sieben Gemälde in verschiedener Größe, die das Herz Jesu oder die Madonna darstellen. Sie sind entsetzlich verunstaltet und mit geronne­nem Blut verschmiert. Ich empfehle ihm, sie wieder in ihre Behälter einzuschließen und außer Sichtweite der Neugierigen zu verwahren. Während des Exorzismus sind die Reaktionen des Jünglings weniger heftig als bei den vorangehenden. Doch der Patient bleibt sehr gefährlich und es braucht starke Männer, um den Rasenden festzuhalten. Etwas ist neu: Er spricht in verschiedenen Sprachen.
Vierter Exorzismus im März desselben Jahres, in Anwe­senheit von ungefähr fünfzehn Priestern, die zu einem Pasto­ralkurs über Dämonologie zusammengekommen sind: Der Teufel offenbart sich mit den Worten: ,Er gehört mir, seit langem schon gehört er mir, jeder Exorzismus ist erfolglos. Er ist an mich gebunden.‘ Die Reaktionen sind weniger hef­tig. Er erholt sich schneller. Der Junge erinnert sich nicht an all das, was vorgefallen ist. Er hat nur den Eindruck, als ob er mit einem Ring am Fußknöchel angebunden sei.
Fünfter Exorzismus am folgenden Monat Mai: Anwesend sind fast alle Priester und einige Laien, die am Kurs über Dämonologie teilnehmen. Die Reaktionen des Knaben sind noch weniger heftig. Ich führe ein Zwiegespräch mit dem Dämon, der geltend macht, dass der Knabe seit dessen Kindheit ihm gehöre und dass er ihn nicht loslassen werde.
Ich habe den Pfarrer, der den Jungen begleitet, gebeten, einen kurzen Bericht abzufassen. Hier ist er:
,Der Unterzeichner ist Augenzeuge vieler selt­samen Phänomene. Ich bin zu seinem Krankenbett gerufen worden, um ihm die Kommunion zu bringen. Von Schmerzen gepeinigt wälzte er sich im Bett hin und her, auf dem Rücken hatte er Kratzwunden. Er kommunizierte. Später wurde ich wegen nächtlicher Geräusche zum Hause eines seiner Freunde gerufen. Ich sah, wie eine Tür in Stücke zerfiel. Das Zimmer war in völliger Unordnung. Der Junge duldete nie­manden in seinem Zimmer. Wenn alles zu Ende ist, liegt er unter dem Bett völlig erschöpft und am Ende seiner Kräfte. In diesem Haus gab es sechs solch furchtbarer Nächte. Ende Juli weitere solche Nächte in einem anderen Haus, wo eine Frau wohnt, die an Besessenheitsqualen leidet.
Die Phänomene während dieser Zeit sind: fliegende Gegenstände, Zerstörung von Möbeln, Kratzspuren an den Wänden, scharfer Geruch von Schwefel. Der Junge leidet unter einer Anziehungskraft, wie wenn sein Körper von einer unsichtbaren Macht bewegt und getrieben würde. Seine Freunde müssen ihn mit viel Kraftaufwendung auf dem Bett festhalten. Es kommt zu einem konfliktgeladenen Dialog zwischen ihm und einem unsichtbaren, jedoch präsenten Wesen. Er sagt: < Nein, ich will es nicht, ich werde es nie tun; geh weg, Satan. > Ich wohnte blumigen Huldigungen bei: Blütenblätter und Knospen von Rosen kamen aus seinem Munde heraus. Auf seinem Körper lassen sich ikonographi­sche Zeichen erkennen wie zum Beispiel das Monogramm der Hostie (IHS) und das skizzierte Gesicht eines Menschen … Sein christliches Leben ist sporadisch, kommt nur noch gelegentlich zum Vorschein. Sein Betragen überzeugt mich nicht ... Nun, nach dem ersten Treffen mit dem Exorzisten und dank der Befreiungsgebete scheinen die Reaktionen schwächer geworden zu sein. Es dauern weiterhin fort: die nächtlichen Störungen, Schüttelfrost, das Gefühl, von etwas Schleimigen umhüllt zu sein, das zu ihm sagt: < Du gehörst uns >‘.“5

3. Eine befreite Magierin

„Ich befand mich im Pfarramt, als zwei Frauen mein Büro betraten. Die erste kannte ich gut, die zweite hatte ich noch nie gesehen. Jene, die ich gut kannte, sagte zu mir: ‚Herr Pater, diese Frau braucht Ihre Hilfe.‘ Ich wandte mich an die mir unbekannte Frau und fragte sie, aus welchem Grund sie sich an mich wende. Ich schaute ihr fest ins Gesicht. Mit ihren Augen und mit den Händen machte sie merkwürdige Zeichen. Und schon war mir klar, mit wem ich es zu tun hatte, und sagte zu ihr: ‚Signora, vor wem haben Sie Angst? Hier gibt es keinen Teufel, hier ist Christus der Herr.‘ Und ich zeigte ihr das Kruzifix, das ich immer auf dem Schreibtisch habe.
In diesem Moment geriet die Frau in noch stärkere Aufregung. Ich war auf das Schlimmste gefasst und schrie sie an: ‚Du bist eine Hexe! Was willst du von Gott?‘ Zunächst war sie ganz verblüfft, dann sagte sie: ‚Ich will vom Dämon befreit werden, denn mein Mann liegt im Sterben.‘ Ich antwortete ihr in einem entschiedenen Ton: ‚An was stirbt dein Mann? Hast du ihn etwa behext oder verwünscht?‘ Mit Tränen in den Augen gestand sie mir, dass sie ihn voll Bosheit angeschrien habe: ‚Ein Krebsgeschwür soll dich packen!‘ Die Verwünschung hatte ihr Ziel erreicht. Ihr Mann befand sich im Spital auf der Intensivstation und lag im Sterben.
Mit ernster Stimme sagte ich ihr: ‚Ich bin kein Heiliger und mache keine Wunder. Ich bin Exorzist, der mit der Hilfe und im Namen Gottes die Dämonen austreibt. Deinem Mann kann ich das Leben nicht zurückgeben.‘ Da sprang die Frau mit einem Satz, die Knie voran, auf meinen Schreibtisch, streckte die Arme aus und wollte mich am Hals packen. Ich war auf eine solche Reaktion des Teufels gefasst. Rechtzeitig schaffte ich es, sie anzuschreien: ‚Satan, im Namen Gottes, hör auf!‘ Mit aufgerissenen Augen und aufgesperrtem Mund rührte sie sich nicht von der Stelle, ihre Arme immer noch gegen meinen Hals gestreckt. Gott hat mich beschützt. Dann wies ich mit lauter Stimme den Dämon zurecht: ‚Satan, im Namen Gottes befehle ich dir, dich nicht von dieser Stellung wegzubewegen.‘
Dann ging ich in die Kirche, legte eine geweihte Hostie in das Ziborium und dieses auf meine Brust. Als ich ins Pfarramt zurückkehrte, war die Frau immer noch in dersel­ben Stellung, in der ich sie verlassen hatte. Ich befahl ihr, vom Schreibtisch herunterzusteigen, Platz zu nehmen und ja nicht zu versuchen, den Sitzplatz zu verlassen, um mir näher zu kommen.
Mit der geweihten Hostie war ich ruhiger geworden. Mit resoluter Stimme sagte ich ihr: ,Statt wegen deines Mannes zu weinen, solltest du wegen der vielen Menschen weinen, denen du während zwanzig Jahren Böses zugefügt hast.‘ Da schrie sie mich an: ‚Wenn mein Mann stirbt, werde ich der ganzen Stadt Böses zufügen.‘ Mit einem Ruck erhob ich mich, packte sie an den Schultern und stieß sie aus dem Arbeitszimmer und aus der Kirche, wobei ich ihr nachrief: ‚Mit dem Hass, den du im Herzen hast, bist du nicht würdig, hierzubleiben.‘
Da sagte mir die Frau, die sie begleitete: ‚Herr Pater, Sie behandeln doch alle mit großer Freundlichkeit und schicken jene, die vom Dämon besessen sind, nicht weg. Warum haben Sie diese da auf unhöfliche Weise fortgejagt?‘ Ich gab ihr zur Antwort: ‚Wir Exorzisten können nur jenen helfen, sich von der dämonischen Besessenheit zu befreien, die dies wünschen. Wer aber Hass im Herzen hat, wünscht nicht, befreit zu werden. Übrigens können sie sicher sein, dass die Hexe noch vor Ablauf einer Stunde wieder hier sein wird.‘
In der Tat ist sie kurz darauf zurückgekehrt. Ich sagte ihr, wenn sie wirklich wünsche, dass ich an ihr den Exorzismus vollziehe, dann müsse sie mir zuerst beweisen, dass sie befreit werden wolle, indem sie mir alles, was sie an magi­schen Zaubermitteln besitze, hierher bringe.
Um drei Uhr öffnete ich die Kirche und ich sah, dass die beiden Frauen dort standen und mich erwarteten. Sie trugen zwei große vollgestopfte Plastiktaschen. Der Anblick der Dinge, die sich darin befanden, ließ mich vor Entsetzen erschauern. Außer kleinen Instrumenten wie Tabletten zum Verbrennen von Weihrauch waren da rote und schwarze Kerzen, Nägel, Nadeln, Zitronen, Fotografien, aus welchen jeweils das Portrait einer Person herausgerissen war. Sehen wir einmal ab von den Dutzenden bereits vollzogener Verwünschungen, so gab es hier viele Bücher über Magie, Zauberei, Verwünschungen, ferner Bücher über schwarze Messen, satanische Orgien und über viele andere Dinge. Nachdem ich das Ganze mit Weihwasser besprengt und Gott angerufen hatte mit der Bitte, jegliche Verwünschung zu annullieren, schloss ich das ganze Zeug in einen Schrank ein, so dass es niemand finden konnte.
Dann habe ich die Magierin aufgefordert, am Abend, wenn die Kirche abgeschlossen wird, mit vier Männern hier­her zurückzukommen. Es war mir klar geworden, dass es nicht nötig war, einen Psychiater beizuziehen, so eindeutig war hier die Präsenz des Dämonischen wahrzunehmen. Ich zog die liturgischen Gewänder an und begann mit dem Exorzismus. Ich befahl sogleich dem Dämon, keinem der hier Anwesenden ein Leid anzutun, sich keinem zu nähern und mindestens einen Abstand von einem halben Meter zu wahren. Dann begann ich mit dem Ritus. Mehrmals sprang die Magierin auf, schrie und lästerte. Ich tat so, als ob ich sie nicht hörte. Sie streckte die Hände nach allen Seiten aus, berührte aber niemanden, so dass der Teufel schrie: ‚Was habt ihr da hingestellt, da vor mir? Ich komme ja hier nicht durch!‘
Oft unterbrach der Dämon das Gebet. Er sagte, sie seien zu dreizehn gekommen, ich aber ganz allein sei, und dass es mir nie gelingen werde, sie auszutreiben. Im Namen Gottes befahl ich ihm zu schweigen. Bei diesem Befehl geriet er in Wut und schrie mich auf einmal an: ‚Was hast du denn da in die Mitte zwischen dir und mir gestellt? Eine kristallene Platte?‘ Schließlich schrie er: ‚Hör auf damit! Sie will nicht befreit werden, sonst hätte sie dir alles hierher gebracht. Im Schrank ihres Zimmers hat sie nämlich noch zwei Taschen von vorbereiteten und <versandfertigen> Behexungen.‘ Da erklärte die Frau, sie sei müde und dass sie es nicht mehr aushalte. Ich nutzte die Gelegenheit, um den Exorzismus zu unterbrechen, und sagte: ‚Mit müden Dämonen kämpfe ich nicht. Wir werden morgen weitermachen, aber nur unter der Bedingung, dass du mir morgen die beiden Taschen mit den Behexungen, die du, wie mir der Dämon verraten hat, im Schrank versteckt hast, bringst. Ich erwarte dich morgen um sieben Uhr.‘
Am darauf folgenden Tag stand sie um sieben Uhr mit den zwei Taschen vor der Kirchentür. Weinend sagte sie zu mir: ‚Mein Mann liegt im Sterben. Man hat ihn in die eiserne Lunge gelegt.‘ Ich antwortete: ‚Geh jetzt gleich ins Spital. Besuche deinen Mann. Gott wird an ihn denken. Komm heute abends um acht Uhr zurück, und zwar zusammen mit den Männern, die dich gestern begleitet haben.‘ Bereits um sieben Uhr waren alle in der Kirche. Ich schloss die Türen, zog das liturgische Gewand an und bereitete mich innerlich auf den Kampf vor. Die Magierin wiederholte ständig, ich solle schnell machen, denn die Ärzte hätten ihrem Mann nur noch eine Stunde zu leben gegeben.
Ich sprach einige wenige Gebete und begann dann sogleich mit dem Befehls-Exorzismus. Auf einmal begann die Frau unter lautem Schreien zu erbrechen. Aus ihrem Mund trat ein mit Speichel vermischter Klumpen kastanien­brauner Erde heraus. Während ich diesen mit Weihwasser besprengte, zählte ich: Dies ist der erste Dämon. Ich fuhr fort zu beten und Befehle zu geben. Zwölf weitere Dämonen sind einer nach dem anderen herausgekommen. Darauf schrie mich eine dunkle, raue Stimme an: ,Ich bin Satan, es wird dir nicht gelingen, mich auszutreiben.‘ Ich schaute auf die Uhr und sah, dass Mitternacht seit einigen Minuten schon vorbei war. Ich sagte: ,Wir sind am Festtag der Unbefleckten Empfängnis. Satan, im Namen der Allerhei­ligsten Jungfrau Maria befehle ich dir, aus dieser Frau aus­zuziehen und dorthin zu gehen, wohin dir Gott zu gehen befohlen hat.‘ Diesen Befehl habe ich ungefähr zehn Mal wiederholt, bis sich schließlich die raue Stimme wieder bemerkbar machte: ‚Schluss mit diesem Namen, ich will ihn nicht mehr hören!‘
Ich antwortete ihm: ‚Teufel, ich werde dir diesen Namen die ganze Nacht über wiederholen, Wenn du den Namen der Unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria nicht hören willst, dann verlasse diese Frau und verschwinde.‘ Dann begann die Magierin wieder zu erbrechen und nach einem lauten Schrei fiel sie ohnmächtig zu Boden. Sie war endlich von allen ihren Dämonen befreit. Während die Magierin schlief, begannen wir, das Zimmer aufzuräumen und zu rei­nigen. Ich benutzte dazu gesegnetes Wasser und schüttete viel Alkohol in den Eimer. Dann zündete ich ein Blatt Papier an und warf es auf das beim Auszug der dreizehn Dämonen Erbrochene. Erst nachdem alles gereinigt war, befahl ich der Magierin aufzustehen. Sie erhob sich sehr langsam, wie wenn der Teufel sie in Stücke zerrissen hätte. Ich teilte ihr mit, dass ich sie an diesem Morgen in der Kirche erwarte, sie müsse beichten und kommunizieren.
So geschah es denn auch. Wenige Tage später, als ich mich anlässlich eines Befreiungsgebetes in einem Haus befand, läutete das Telefon. Die Hausfrau ging ans Telefon und kam dann eilends zu mir, um mir zu berichten: ‚Jene Frau (die eine Zauberin war) hat mir eben gesagt, ich solle Ihnen mit­teilen, dass es ihrem Gemahl gut gehe. Am Tag der Unbefleckten Empfängnis seien die Ärzte erstaunt gewesen; sie glaubten, sie würden einen toten Patienten vorfinden, stattdessen sahen sie einen, dem es besser ging und der zu essen wünschte. Man habe ihn dann in den Krankensaal gebracht; es gehe ihm zusehends besser und er esse regelmä­ßig. Vor Weihnachten noch könne er geheilt nach Hause gehen.‘
Am Weihnachtstag waren Gatte und Gattin in der Kirche. Nachher kamen sie ins Pfarreibüro, um mir zu danken. Sie haben gebeichtet und kommuniziert. Wie groß ist doch Gott!“6

4. Satanische Riten auf dem Friedhof

„Die Person, um die es sich im folgenden Bericht handelt, ist ein zwanzigjähriger Jüngling.
Er kam zu mir in Begleitung seiner Eltern. Er klagte über qualvolle Schmerzen an den Hoden und am ganzen Körper. Er schreit wirklich wie ein Besessener. Er durfte das Spital, in das er eingeliefert worden war, für ganz kurze Zeit verlas­sen, um an einem Befreiungsgebet teilzunehmen. Die Ärzte konnten die Ursache von so viel Leiden nicht eruieren. Es war der Jüngling selbst, der unser Eingreifen wünschte.
Er erzählt mir seine Geschichte mit großer Mühe zwischen furchtbaren Krämpfen, wobei er sich den Unterleib hielt.
‚Vor ungefähr drei Jahren hatte ich die Gelegenheit, an satanischen Riten teilzunehmen. Ich wurde dazu von Freun­den in meinem Alter eingeladen. Ich glaubte nicht an solche Dinge, doch aus Neugier machte ich mit. Die Riten wurden auf einem Friedhof vollzogen. Wir waren etwa zehn Jugend­liche und einer von uns war der Chef. Für den Opferritus und die schwarze Messe setzten wir uns alle eine Kapuze auf. Die Opferriten wurden in einem unterirdischen Gang des Friedhofgebäudes auf der Steinplatte eines offenen Grabes durchgeführt. Sie fanden unregelmäßig nach jeweils einigen Monaten Unterbrechung statt. Das Tieropfer bestand in der Tötung einer Katze, eines Vogels, einer Schlange. Das Fleisch dieser Tiere wurde vermischt mit den aus dem Beinhaus entwendeten zerriebenen Knochen von Toten. Wir aßen das Fleisch des Vogels oder Katze, nachdem man es über ein Feuer gehalten und dann mit dem Blut der Schlange und den zerriebenen Knochen vermischt hatte. Man muss vermerken, dass die Schlange das Symbol der Sekte ist. Hernach bestand das Ritual in einem Geschlechtsverkehr mit einem jungfräulichen Mädchen, das wir verführt hatten. Im Ganzen dauerte das rituelle Geschehen im Durchschnitt etwa drei Stunden. Das Opfer wurde dem Gott Abu Katabu, des­sen Präsenz wir spürten, sowie auch dem indischen Gott Zei dargebracht. Das letzte Mal fand das Ritual am vergangenen Sonntag statt. Ich bin allein dorthin gegangen, ohne dass ein Freund mich abholen kam. Ich fühlte, dass sie mich riefen. Ich habe jedoch erfahren, dass ich zum Opfer ausersehen war. Ich habe Angst.‘
Ich stellte dem jungen Mann folgende Frage: ‚Wie hast du es angestellt, um in das unterirdische Geschoss einzudringen, das Beinhaus zu öffnen und die Rituale zu vollziehen, ohne dass die Wächter es bemerkten?‘ Er antwortete mir, er selber habe den Schlüssel gestohlen, da er den Ort gut kannte und wusste, wie man das Gitter des Ganges, der zum unterirdi­schen Geschoss führt, öffnet. Nach Beendigung des Rituals, das nachts vollzogen wurde, habe er alles wieder an seinen Platz gestellt.
Ich fragte ihn auch, wie sie es machten, um die Mädchen zu ködern, die sie entjungfern wollten. Meistens, so erklärte er mir, gewinnen sie diese unter dem Vorwand, sie zu einem Gebet in der Kirche oder auf dem Friedhof am Grabe eines Bekannten einzuladen. Jedes Mal bringen sie eines oder zwei mit, lassen sie am Ritual teilnehmen und hernach paaren sie sich mit ihnen. Sie geben ihnen Geld als Entschädigung und um ihnen Stillschweigen aufzuerlegen. Es komme vor, dass die Mädchen wiederkommen; doch diese Jugendlichen wol­len für das Ritual immer unberührte Mädchen, die anderen nehmen sie nur, wenn sie keine jungfräulichen finden.
Ich stellte ihm noch Fragen über den Namen der Sekte, wie man in sie hineinkomme und ob zwischen den Mitgliedern ein Pakt bestehe. Es sei die Sekte der Schwarzen Schlange, antwortet er mir. Der Gott, den sie anbeten, heiße Abu Kata­bu. Er sagt mir auch, dass wenn man einmal in die Sekte eingetreten ist, es schwierig sei, aus ihr auszutreten. Zwei Jugendliche seien ausgetreten, daraufhin seien sie von den anderen während eines Ritus verflucht worden. Nach kaum zwei Tagen sei einer der beiden bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, der andere erlitt einen Schädelbruch. Der Chef der Sekte sei vierundzwanzig Jahre alt.
Ich wollte wissen, wie sie die schwarzen Messen zelebrie­ren. Er sagte mir, dass sie gestohlene Hostien benutzen. Er selber habe solche in seiner Kirche, wo er Messdiener gewe­sen war, gestohlen. Er wusste daher, wo sich die Schlüssel befanden. Er habe die Hostien direkt dem Tabernakel ent­nommen. In letzter Zeit sei das aber komplizierter geworden. Da habe er sich jeweils bei einer heiligen Messe der Reihe der Kommunizierenden angeschlossen und habe die Hostie in die Tasche gesteckt.
Die schwarze Messe werde von einem ehemaligen Mönch zelebriert, wobei er für diesen Anlass ein rotes Gewand trägt. Sie spucken alle auf die Hostie und verbrennen sie. Sie benutzen auch Gebeine von Toten und rufen dann Ver­wünschungen über ihre Feinde herab. Er selber habe solche gegen seine eigenen Angehörigen ausgestoßen. Nach seiner Aussage haben solche Verfluchungen stets die gewünschte Wirkung erzielt.
Nach diesem Vorgespräch beginne ich mit dem Exorzismus. Beim Anhören der Allerheiligenlitanei bäumt sich der Jüng­ling auf, schlägt aus, brüllt und wird gefährlich. Er ruft Abu Katabu an. Ich nehme die Präsenz von Dämonen wahr und besprenge den Patienten mit Weihwasser. Er schreit auf und ruft wiederum seine Götter an: Abu Katabu, Zei und andere. Wegen der Schmerzen an den Hoden fängt er zu heulen an. Er ergeht sich in Beschimpfungen gegen seine Großmutter und seine Mutter, die beim Exorzismus anwesend ist. Sie sagt zu ihrem Sohn, dass die Großmutter und die Tante ihn immer geliebt haben. Darauf erwidert er, dass er Liebe nicht von der Großmutter noch von der Tante wollte, sondern von der Mutter.
Nun sehe ich ein, dass im Verhalten des Patienten eine starke psychologische Komponente zu berücksichtigen ist, die dazu geführt hat, dass er aus Liebesentzug auf diese Weise reagierte. Infolge der Verwünschungen musste sich die Großmutter wegen eines Tumors an der Brust einer Operation unterziehen, die Mutter wurde am Blinddarm operiert und der Vater hatte eine lebensbedrohende Verbrennung durch elektrischen Strom erlitten. Diese unheilvollen Ereignisse hat der Sohn selber seinen Verfluchungen zugeschrieben.
Dann auf einmal wird er blind, spricht in verschiedenen Sprachen und verspottet mich, indem er die Zeigefinger über den Kopf hält. Dann erbricht er, ein Zeichen, dass seine Befreiung beginnt. Er fühlt sich leichter, weint, bittet um Hilfe und macht sogar ein Kreuzzeichen.
Einer meiner Assistenten, ein Freund des Friedhofwächters, begab sich zum Friedhof und besichtigte dort den Ort, wo die Sekte ihren Kult durchführte, und machte fotografische Aufnahmen. Die vom jungen Mann erzählten Einzelheiten entsprechen der Wahrheit.
Wir kommen zum zweiten Exorzismus. Markerschütternde Schreie und unerträgliche Schmerzen im Unterleib. Der Jüngling ruft wieder seine Götter um Hilfe an. Während des ganzen Exorzismus fühlt er sich von Flammen umzingelt, die ihn brennen. Er schreit aus voller Kehle und bittet, dass man ihm Wasser über Brust und Schultern schüttet. Doch das Weihwasser verstärkt die Schmerzen. Dann beginnt er auszu­packen, um all dem, was ihn belastet, Luft zu machen. Er ist voller Schuldgefühle und hat Gewissensbisse. Einmal mehr stelle ich fest, dass all seinen Qualen eine starke psychologi­sche Komponente zugrunde liegt. Er sagt auch, dass es seine Freundin gewesen war, die ihm bei der sexuellen Verge­waltigung einen Fußtritt in den Unterleib versetzt hat. Dieses Mädchen, das nach dem satanischen Ritual ins Spital einge­liefert werden musste, befindet sich immer noch im Koma.
Wiederum erbricht der Jüngling. Damit er noch mehr erbricht, gebe ich ihm Weihwasser zu trinken. Er beruhigt sich, kommt wieder zu vollem Bewusstsein. Er bittet, dass man ihn rette. Er will den Vater, die Mutter, die Großmutter und seinen Bruder sehen. Die Szene ist ergreifend. Er bittet alle um Verzeihung; mit Tränen in den Augen umarmt er sie. Auch mich umarmt er. Und er ruft den Namen des Herrn an und betet mit uns.
Er fürchtet immer noch, von der Sekte getötet zu werden, da er von dieser zum Opfer ausersehen war. Der junge Mann braucht nun eine besondere Pflege und ganz besondere Schutzmaßnahmen.“7

IV. FORMEN UND METHODEN DES BÖSEN

Die Frage,  in welcher Form und mit welchen Mitteln das Böse den Menschen befallen kann, beantwortete Amorth mit einer von verschiedenen Autoren und seinen eigenen Überlegungen angeregten schematischen Darstellung der Behexung, die auch als Leitfaden seiner Tätigkeit verstanden werden kann.

1. Formen der Behexung

„Die ‚Behexung‘ ist ein Übel, das durch die Tätigkeit des Teufels herbeigeführt wird.
In Bezug auf das Ziel und den Zweck gibt es verschiedene Modalitäten, die folgendermaßen näher bezeichnet werden:
– ,Liebes‘-Behexung, die darauf abzielt, eine Liebes­beziehung zu einer Person zu fördern oder zu zerstören.
– Vergiftende Behexung, die darauf abzielt, ein körperli­ches, psychisches, wirtschaftliches oder familiäres Übel herbeizuführen.
– Bindungs-Behexung, die zum Ziel hat, Unternehmungen, Bewegungen oder Beziehungen zu behindern oder zu verei­teln.
–  Übertragungs-Behexung, die darauf abzielt, auf jeman­den die Qualen, die man einer Puppe oder dem Foto der zutreffenden Person symbolhaft bereitet hat, zu übertragen.
– ,Verwesungs‘-Behexung, die zum Ziele hat, eine tödli­che Krankheit hervorzurufen, indem man einen verweslichen Stoff verfaulen lässt.
– ,Besessenheits‘-Behexung, die darauf abzielt, eine teuf­lische Präsenz in das Opfer einzuführen und dieses in den Zustand einer eigentlichen Besessenheit zu stürzen.“8

2. Art und Weise der Behexung

„In Bezug auf die Art und Weise kann die Behexung bezeichnet werden als
– ,Direkte‘, wenn es einen Kontakt gibt zwischen dem Opfer und dem Gegenstand als dem Träger des Bösen, z.B. wenn man dem Opfer etwas Verhextes zu essen oder zu trinken gibt.
– ,Indirekte‘, wenn sie durch die Behexung eines Gegenstandes, der das Opfer repräsentiert, vorgenommen wird.“9

3. Vorgangsweise bei der Behexung

„– Durch Einschlagen und Quälen mit Nadeln, Nägeln, Hammer, Stichen, Feuer, Eis.
– Durch Fesselung oder Bindung mit Schnüren, Knoten, Riemen, Bändern, Gürteln, Reifen.
– Durch Verwesung, wenn man den Gegenstand oder das Tier-Symbol, nachdem man es zerbrochen hat, begräbt.
– Durch Verfluchung, direkt ausgesprochen über die Per­son, über eine Fotografie der Person oder ein Symbol von ihr.
– Durch ein satanisches Ritual wie zum Beispiel der Satanskult oder eine schwarze Messe, die mit der Absicht, jemanden zu schädigen, zelebriert wird.“10

4. Verwendete Mittel

„– Bei Verwünschungen: Puppen oder mit Nadeln, Gebeinen von Toten und Blut vermischtes Fleisch, Kröten, Hühnchen.
– Mit behexten Objekten, z.B. Geschenke, Pflanzen, Kopfkissen, Puppen, Bänder, Talismane.
– Mit dem Blick (,böser Blick‘), Kontakt mit der Hand, Umarmung.
– Per Telefon: sei es ohne Worte, sei es durch den Atem oder auf andere Weise.“11

5. Die für die Befreiung erforderliche Zeit

Die Zeit, die für die Befreiung durch Exorzismen erforderlich ist, dauert heute länger als in der Vergangenheit.
„Meiner Meinung nach trifft dies zu, weil der Glaube weni­ger stark ist, auch auf Seiten der Exorzisten. Er ist auch weniger stark bei den Personen, die sich exorzieren lassen, und auch bei deren Angehörigen.
Denken Sie an jene Stelle im Evangelium (Mt 17,14-21), wo berichtet wird, dass es den neun Aposteln nicht gelang, einen „fallsüchtigen“ Knaben zu befreien, obwohl sie – wie sie zu ihrer Verteidigung sagten – im Namen Christi handel­ten. Da fragten sie Jesus: ‚Warum konnten wir den Dämon nicht austreiben?‘ Und Jesus gab ihnen zur Antwort: ‚Wegen eures Kleinglaubens‘...
Die Dauer der Befreiung hängt auch ab von der kurzen oder längeren Zeit der Verwurzelung des Dämonischen…12

6. Das Amt des Exorzisten

Was das Amt des Exorzisten betrifft, so ist dieses nach Amorth schwierig und wird verkannt, selbst in der eigenen Gemeinschaft und bei vielen Vertretern der Kirche.
„Was mich betrifft, so liebt man mich so sehr, dass man mich schon dreiundzwanzig Mal vom Ort, wo ich Exorzismen vornehme, vertrieben hat ... Man vertreibt mich, man hat mich immer wieder von meiner Arbeitsstätte vertrieben! Denn die Leute wollen das Geschrei nicht hören. Man hat mich hier in Rom von allen Orten, wo ich arbeitete, weggejagt…
Man gewöhnt sich daran...“13
„Ich habe viele Exorzismen vollzogen und mache immer noch viele. Sie haben meinen Terminkalender gese­hen ... Jetzt sind es etwas weniger, weil ich alt werde. Aber nicht allzu sehr. Tatsächlich verbringe ich meine Tage mit der Durchführung von Exorzismen, morgens und nachmittags, und zwar jeden Tag, sogar an Weihnachten und Ostern. Immer. Mit Ausnahme der Zeit, die den Predigten oder mei­nen Fernsehsendungen gewidmet ist – Tätigkeiten also, die mit meinem Amt in Zusammenhang stehen.
Ich habe, grob berechnet, mehr als siebzigtausend Exorzismen durchgeführt. Selbstverständlich habe ich nicht siebzigtausend Personen exorziert. Die Zahl der exorzierten Personen kann ich nicht berechnen. Ich kann nur die Sitzungen zählen. Es sind heute ungefähr achtzehn täglich, früher waren es mehr. Der Vormittag ist für die schwereren Fälle bestimmt; ich behandle also nicht mehr als fünf Personen; wer sich ohne Verabredung vorstellt, hat keine Chance, empfangen zu werden. Ich würde sonst verrückt.“14

V. DIE INTERNATIONALE VEREINIGUNG DER EXORZISTEN (Aie)

Bei seiner Arbeit als Exorzist von Rom machte sich Gabriele Amorth auch daran, die Exorzisten Italiens in einen Verein einzubinden, um so die Begegnung zu fördern, die verschiedenen Erfahrungen und Vorstellungen abzustimmen, Richtlinien einer einheitlichen Leitung zu erarbeiten, Übereinstimmung in der Ausführung des Berufes zu erreichen und schließlich eine konkretere und wirksamere Hilfestellung für all jene zu gewährleisten, die bei ihrer Tätigkeit einer solchen bedürfen.
So gründete er am 4. September 1991 die Italienische Vereinigung der Exorzisten, um den Priestern die Möglichkeit zu bieten, den Gläubigen, die sich in Besessenheitsfragen an sie wenden, konkreter helfen zu können.
1993 nahm er  mit  anderen italienischen Exorzisten an einer internationalen Tagung über Exorzismus teil, die von dem französischen Exorzisten René Chenessau und dem Theologen René Lauréntin organisiert wurde. Vom 27. Juni bis 1. Juli 1994 fand dann im Haus „Divino Amore“ in Ariccia bei Rom eine weitere Tagung statt, an der 81 Exorzisten aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Amorth wurde einstimmig zum Präsidenten der Internationalen Vereinigung der Exorzisten (AIE) gewählt. In dieser Funktion entfaltete er weitreichende Aktivitäten, berief Tagungen ein, verfasste Rundschreiben und förderte die Ausbildung und die Verbindungen unter den Mitgliedern. Er führte den Vorsitz bis zum Jahre 2000 und war dann Ehrenvorsitzender bis zu seinem Tod.
Am 23. Juni 2014 anerkannte schließlich der Heilige Stuhl durch die Kongregation für den Klerus mit Zustimmung von Papst Franziskus die Internationale Vereinigung der Exorzisten als Rechtspersönlichkeit.15


VI. SCHLUSSBEMERKUNG

Der hier vorgelegte Nachruf auf den weltbekannten Exorzisten Gabriele Amorth bot gleichzeitig die Gelegenheit, anhand seiner Aussagen und seiner Veröffentlichungen einen Einblick in die Arbeit eines Exorzisten schlechthin und in die Vielfalt der zu betreuenden Fälle zu geben. Daraus wird deutlich, dass der Exorzismus bei der Behandlung von Ratsuchenden in Sonderfällen nur durch einen bewährten Exorzisten die notwendige Hilfe leisten kann.

1 Artikel vom 16. September 2004 im Hamburger Abendblatt

2 Ebenda

3 Amorth, Gabriele:  Memoiren eines Exorzisten. - Kisslegg-Immenried : Christiana-Verl. im Fe-Medienverl., 2016, 4. Aufl

4 Derselbe, ebd. S. 76-77

5 Derselbe, ebd. S. 79-84

6 Derselbe, ebd. S. 85-90

7 Derselbe, ebd. S. 97-101

8 Derselbe, ebd. S. 112

9 Derselbe, ebd. S. 113

10 Derselbe, ebd.

11 Derselbe, ebd.

12 Derselbe, ebd. S. 117

13 Derselbe, ebd. S. 168

14 Derselbe, ebd. S. 169

15 RESCH, ANDREAS: Die Exorzisten. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 64 (2015) 1, 67 – 79

 

Andreas Resch: Außergewöhnliche Erfahrungen

Andreas Resch

AUSSERGEWÖHNLICHE ERFAHRUNGEN

Inhalt

Begriffe und Suftreten
Aussersinnlliche. Wahrnehmung
Besessnheit
Wunder
Mystik

Außergewöhnliche Erfahrungen spielen seit Beginn der Menschheitsgeschichte eine besondere Rolle im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben. Gehörten sie einst zum allgemeinenGedankengut des Menschen, so wurden sie mit dem Einsetzen der wissenschaftlichen Beurteilung des Lebens zusehends als subjektive Einbildung klassifiziert und von der wissenschaftlichen Betrachtung ausgeschlossen, weil sie dem wiederholbaren Experiment nicht zugänglich sind. Umso mehr  wurden sie im Bereich der Gnosis, des Okkultismus, des Spiritismus, der Esoterik und später auch der Parapsychologie mit Interesse verfolgt und erfahren ihr umfassendste Sicht in der Paranormologie.


I. BEGRIFFE UND AUFTRETEN

Außergewöhnliche Erfahrungen, die auch als übersinnliche, paranormale, spirituelle, transzendente, magische usw. Erfahrungen bezeichnet werden gehören seit Anbeginn zum menschlichen Leben und werden heute in ihren vielfältigen Formen mit verschiedenen Begriffen belegt.

1. Begriffe

Die Vielzahl dieser unterschiedlichen Formen außergewöhnlicher Erfahrung sollen hier zunächst als Hauptgruppen in Außersinnliche Wahrnehmung, Spuk, Beeinflussungserlebnisse, Mediumismus, Wunderheilungen, Besessenheit, Mystik gegliedert, definiert und ihr Auftreten beschrieben werden.

Außersinnliche Wahrnehmung
Als Außersinnliche Wahrnehmungen (Abk.: ASW; engl.: extrasensory perception, ESP) werden Erfahrungen bezeichnet, bei denen Personen ohne Beteiligung der normalen Sinnesfunktionen Kenntnis über ihnen unbekannte Sachverhalte (Hellsehen), Gedanken und Gefühle anderer Menschen (Telepathie) oder zukunftsweisende Informationen (Präkognition) erhalten. Treten diese im Schlaf auf, spricht man von Wahrträumen.

Spuk
Als Spuk werden unerklärliche physikalische Phänomene wie Bewegung, Auftauchen und Verschwinden von Gegenständen, akustische Phänomene wie Schritte, Klopfen im Umfeld der Betroffenen, Erscheinungen in Form von Licht, Schemen und Gestalten wie auch diffuses Spüren unsichtbarer Kräfte oder Wesen bezeichnet.

Beeinflussungserlebnisse
Beeinflussungserlebnisse sind mit dem Empfinden verbunden, körperlich oder akustisch von fremden Kräften oder Wesen beeinflusst zu werden, was sich in somatischen Reaktionen oder im Hören innerer Stimmen niederschlägt. Diese Phänomene werden von den Betroffenen häufig auf schwarze Magie oder Verfluchung zurückgeführt.

Mediumismus
Unter Mediumismus werden jene Erfahrungen zusammengefasst, die im Umgang mit Praktiken wie Automatischem Schreiben, Gläserrücken oder „Channeling“ auftreten und von den Beteiligten zumeist als Kontakt mit Geistern und Verstorbenen gedeutet werden.

Wunder
Als Wunder werden jene unerklärlichen Ereignisse bezeichnet, die bei Anrufung der Fürbitte einer heiligmäßig verstorbenen Person, von Seligen und Heiligen, der Mutter Gottes oder der Hilfe von Christus oder Gott selbst eintreten. Dazu gehören insbesondere plötzliche, dauerhafte und medizinisch nicht erklärbare Heilungen, wie auch andere kontrollierbare Ereignisse, die sich jedweder wissenschaftlichen Erklärung nach dem heutigen Stand des Wissens entziehen und in einem religiösen Kontext stattfinden.

Besessenenheit
Mit Besessenheit bezeichnet man die Besetzung von Körper und / oder Geist einer Person durch überwältigende geistige Kräfte und Mächte bis zur Ausschaltung des eigenen Ichbewusstseins und der persönlichen Verhaltenskontrolle.

Mystik
Als Mystik werden Erfahrungen bezeichnet, die im Zusammenhang mit der persönlichen Verbindung mit Gott als innere Führung und Erleuchtung erlebt werden. Im Gegensatz zur Außersinnlichen Erfahrung geht es hier um ein Einheitserlebnis mit Gott, bei dem Gott zum Inhalt des Erlebens wird.

2. Auftreten              

Die genannten außergewöhnlichen Erfahrungen treten normalerweise völlig unerwartet und ohne erkennbare Ursache auf. Sie können aber auch durch Techniken wie Gläserrücken, Automatisches Schreiben oder meditative Praktiken bis zu einem gewissen Grad selbst beziehungsweise nach Kontakten mit Heilern, Hellsehern bzw. durch Teilnahme an Veranstaltungen der Esoterik- oder Unterhaltungsszene gleichermaßen fremdinduziert werden.
Dabei erleben viele Menschen ihre außergewöhnliche Erfahrung positiv und können sie gut integrieren. In bestimmten Fällen, wie bei Besessenheitserlebnissen, können solche Erfahrungen aber auch Verunsicherung und Ängste auslösen, die nicht so ohne weiteres zu bewältigen sind. Solcherart betroffene Menschen suchen häufig vergeblich nach Erklärungen und konkreter Hilfe im psychosozialen Versorgungsnetz.
Die einzelnen Erfahrungsformen lassen sich nach Auftreten ihrer Häufigkeit folgendermaßen auflisten:
Beeinflussungserleben, Kinetische Phänomene, Somatische Phänomene, externe visuelle Phänomene, Ahnungen / Präkognition, akustische Phänomene (extern), Hellsehen / Telepathie, Wahrträume, Stimmenhören (intern), verändertes Bewusstsein, Spüren einer Anwesenheit, Automatismen, innere visuelle Erlebnisse, bedeutungsvolle Zufälle, mystische Erfahrungen, Wundererlebnisse.


II.  AUSSERSINNLICHE WAHRNEHMUNG

Betrachtet man nun die oben angeführten Bergriffe der außergewöhnlichen Erfahrungen nach Inhalt und Eigenart, so unterscheidet die Parapsychologie drei Modalitäten der Außersinnlichen Wahrnehmung, nämlich Telepathie, Hellsehen und Präkognition.

1. Telepathie

Telepathie, das Übertragen von Informationen zwischen Lebewesen ohne Beteiligung der bekannten Sinneswege, ist die am meisten untersuchte außergewöhnliche Erfahrung. Man denke hier nur an die Pearce-Pratt-Versuche 1933 –19341, die Experimente des Mathematikers Dr. S. G. Soal2 in den 1950er Jahren, die Experimente von Dr. Mylan Ryzl3 mit Pavel Stepanek in den 1960er Jahren, die Maimonides-Experimente von 1966 –19724, die Ganzfeld-Experimente 5 in den 1980er und 1990er Jahren. In den Maimonides-Experimenten wurde versucht, träumenden Versuchspersonen Trauminhalte zu vermitteln. Bei den Ganzfeldexperimenten legt man der Versuchsperson Tischtennisbälle auf die Augen und bestrahlt diese mit rotem Licht. Die Versuchsperson hört dabei über einen Kopfhörer ein uniformes Rauschen. Dadurch soll durch Reduzierung externaler Information die Aufmerksamkeit von außen nach innen gelenkt werden, um telepathische Informationen leichter wahrzunehmen. Dieser Vorkehrung liegt nämlich die Ansicht zugrunde, dass der Mensch ständig oder zumindest häufig außersinnliche Informationen empfange, diese jedoch aufgrund der weitaus zahlreicheren lebensnotwendigen Informationen, die ständig verarbeitet werden müssen, unterdrücke.
Bemerkenswert ist auch, dass einige Autoren von einer Zunahme außergewöhnlicher Erfahrungen sprechen. Je mehr die öffentliche Verneinung der außergewöhnlichen Erfahrungen zurückgeht, umso öfter wird davon berichtet. In diesem Zusammenhang ist auch die Gallup-Umfrage von 20016 zu erwähnen, die für die US-amerikanische Bevölkerung einen signifikanten Anstieg der Einstellungen zu paranormalen Erfahrungen feststellt. Über die Hälfte sind heute von außersinnlicher Erfahrung und Geistheilung überzeugt.

2. Hellsehen

Hellsehen, Außersinnliche Wahrnehmung von Gegenständen oder Sachverhalten in Gegenwart oder Vergangenheit. Im experimentellen Bereich fasst man neuerdings eine Gruppe von Experimenten zum Hellsehen zusammen, die anfangs der 1970er Jahre wieder aufgegriffen wurden. Es geht dabei um die Prüfung, ob Versuchspersonen zu Informationen von fernen Orten (remote viewing) gelangen können. Diese Untersuchungen wurden auch von der US-Regierung aufgegriffen. Als diese 1995 die Remote Viewing-Akten von der Geheimhaltung entband, veranlasste sie eine Auswertung der Forschungsergebnisse an der u.a. die Statistikerin Jessica Utts beteiligt war, die zu folgenden Aussagen kommt: Die Untersuchungen haben gezeigt, dass 1% aller freiwilligen Versuchspersonen konsistent erfolgreich in Remote Viewing-Experimenten war. Das besagt, dass diese Fähigkeit in unterschiedlichem Ausmaß in der Bevölkerung verteilt zu sein scheint. Dabei hatten weder irgendwelche Übungen noch Trainingstechnik einen Einfluss auf die Fähigkeit. Auch Entfernung und elektromagnetische Abschirmung scheinen keine Rolle zu spielen.7
Es liegt alles an der betreffenden Person und ihrer Beurteilung der Fragestellung, wie ich dies auf dem vom 27. Juni bis 2. Juli 1977 in Tokyo, Japan, als Übersetzer des bekannten Hellsehers Gerard Croiset (1910 –1980, Abb.) mitgeteilt bekam. Croiset wurde im Japanischen Fernsehen u.a. nach einem verschollenen Jungen gefragt. Er nannte einen Kanal, in dem er einen Jungen mit gelber Jacke sah. Da dieser Kanal in einer völlig anderen Richtung lag als die Gegend, in der der Bub vermisst wurde, hielt die Polizei die Aussage für falsch. Das Fernsehen wollte die Sache trotzdem prüfen. Man ging am nächsten Tag mit Croiset zu dem genannten Kanal. Als der Kameramann auf seine Weisung hin die Kamera an einer bestimmten Stelle in den Kanal schwenkte, erblickte er eine gelbe Jacke, wie sie die Schüler in Japan zu tragen pflegten. Bei der Bergung fand man einen Jungen, der in den Kanal gestürzt sein musste. Es war aber nicht der Junge, den man gesucht hatte. Croiset kannte weder den einen noch den anderen Jungen, sondern sah nur die gelbe Jacke mit den Konturen eines Jungen, der im genannten Kanal lag. Dies zeigt, dass beim Hellsehen der optische Eindruck bestimmend ist und nicht so sehr die konkrete Information. Dafür spricht auch, dass Hellsehen nicht erlernt werden kann, sondern einfach eine Begabung ist.

3. Präkognition

Präkognition (lat. praecognoscere, Vorauswissen), das Erfahren eines zukünftigen Sachverhaltes oder Ereignisses, das nicht erschlossen und nicht erwartet werden kann. Da solche Voraussagen immer erst im Nachhinein verifiziert werden können, ist es notwendig, sie im Moment der Aussage unter Kontrolle zu protokollieren, wie dies z.B. im Fall Gotenhafen durch Christine Mylius 8 (Abb. 2) geschehen ist.
Was die diesbezüglichen experimentellen Untersuchungen betrifft, so spricht Jessica Utts in ihrem Bericht von zwingenden Befunden, dass auch präkognitive Remote Viewing-Experimente erfolgreich seien. Bei diesen Experimenten wird das Ziel erst nach Abschluss der Beschreibung ermittelt.9
Von den vielen Berichten über Prophezeiungen bis tief in die Menschheitsgeschichte sei hier nur ein Bericht von Plinius dem Jüngeren (61/62–113/15, Abb. 3) angeführt.
„Was mich besonders bestimmt, an sie zu glauben, ist die Geschichte, welche dem Curtius Rufus begegnet sein soll. Dieser hatte noch als mittellos und unbekannt sich in dem Gefolge des Statthalters in Afrika befunden: und ging, als der Tag sich neigte, in einer Säulenhalle spazieren: als eine weibliche Gestalt von übermenschlicher Größe und Schönheit ihm entgegentrat und ihm, der darüber betroffen war, sagte: Sie sehe Afrika, und weissage ihm die Zukunft: ,er werde nach Rom gehen, Ehrenstellen bekleiden, dann als Oberbefehlshaber in diese Provinz zurückkehren, und hier sterben.‘ Alles ist eingetroffen.“10
Sosehr auch Experimente zur Außersinnlichen Wahrnehmung vor allem mit einzelnen Personen statistisch signifikant sind, ist es bis jetzt doch nicht gelungen, das entscheidende wissenschaftliche Kriterium einer unabhängigen Replikation zu erbringen. Das besagt aber nicht, dass solche Erfahrungen, wie schon angeführt, nicht stattfinden. Weltweite Personenbefragungen dazu zeigen hier nämlich ein anderes Bild (Tab. 1).11
Damit hängt auch die Tatsache zusammen, dass man sich beim Thema Außersinnliche Wahrnehmung immer mehr auf Befragungen denn auf Laborexperimente konzentriert.

Tab1

4. Psychokinese

Psychokinese (griech. kinein, bewegen; psyche, Seele; Abk. PK), Einwirkungen der Psyche auf materielle Systeme. Der Begriff Psychokinese ist allerdings bereits eine Interpretation, indem man die Psyche als Verursachung nennt, ohne zu definieren, was Psyche ist. Daher ist der neutrale Begriff Telekinese vorzuziehen.
Pierre GerardSolch unerklärliche Einwirkungen auf  materielle Systeme sind vielfach bezeugt. Ich habe selbst mit eigenen Augen unter vielfältiger Kontrolle derartige Einwirkungen auf materielle Gegenstände mit dem Sensitiven Pierre Gerard (Abb. 4) erlebt. Es war beim schon genannten Kongress in Japan. Gerard bewegte vor unseren Augen unter verschiedenen Gegenständen, die vor ihn auf den Tisch gelegt wurden, einen Glaszylinder etwa 50 cm weit über den Tisch durch die anderen Gegenstände hindurch. Er berührte dabei weder den Tisch noch den Glaszylinder von ca. 3 x 6 cm. Vielmehr sank er bewusstlos zusammen und der Puls stieg auf 132 Schläge, wie der anwesende Arzt Dr. Heinrich Huber konstatierte. Als Gerard wieder zu sich kam, sagte er, das Empfinden gehabt zu haben, als ob er zerplatze.
Bei einem weiteren Experiment bog er durch leichtes Streichen eine Eisenstange von etwa 30 cm Länge und einem Durchmesser von 1 cm um etwa 15 Grad. Ob hierbei auch von einem Einfluss der Psyche gesprochen werden kann oder ob andere Kräfte wirksam waren, lasse ich dahingestellt. An der Tatsache der beiden Beeinflussungen ohne sichtbare Ursache ist nicht zu zweifeln, waren wir doch ein Dutzend Paranormologen, die alles genau im Blick hatten, wenngleich sich die Phänomene völlig spontan ereigneten.

5. Außerkörperliche Erfahrung

Nachdem ich schon im Beitrag „Anima Mundi“ in GW 62 (2013) 3, 213–214 von meinem todesnahen Erlebnis berichtet habe, möchte ich hier doch noch einmal auf die im Mai 2013 erlebte außerkörperliche Erfahrung eingehen, weil ich sie dort nur kurz streifte.
Im Mai 2013 befand ich mich aufgrund einer bis dahin völlig unbekannten Infektion mit extrem hohem Fieber, das erst nach 12 Tagen durch den Hinweis eines Infektiologen der Universitätsklinik Innsbruck gesenkt werden konnte, gesundheitlich in einer äußerst prekären Lage. Der genannte Infektiologe, Dr. Ivan Tancevski, tippte auf eine durch Hunde oder Katzen übertragene Spulwurminfektion, ließ diesen Befund aber noch vom Tropenmedizinischen Institut in Wien abklären bzw. bestätigen, sodass schließlich die Diagnose „Infektion durch Toxocara“ gestellt und die entsprechende Medikation verabreicht werden konnte. Dies nur zur Klärung der Situation, in der meine Nahtoderfahrung stattfand.
Am 20. Mai 2013 also lag ich infektionsbedingt völlig unbeweglich und bis an die Grenzen geschwächt, jedoch bei vollem Bewusstsein und bei Tag auf der Kardiologie der Universitätsklinik Innsbruck und sinnierte vor mich hin. Plötzlich zog sich bei vollem Wachbewusstsein eine Fläche in der Breite meines Bettes in den Raum, die schließlich meinen ganzen Horizont füllte. Gleichzeitig sah ich mich in kleiner Gestalt über die Ebene dahinwandern, die sich in einer bräunlichen Umgebung, welche bis zum Firmament reichte, ausbreitete. Im gleichen Augenblick erfasste mich ein unendliches Gefühl der Freiheit und Weite, ohne jede Begrenzung durch den Körper und das Krankenzimmer. Ich war einfach auf dem Weg mit einem völlig unbekannten Wonnegefühl, das alles umhüllte. Obwohl ich mich auf der Ebene wandern sah, war das Glücksgefühl so mächtig und umfassend, dass meine Gestalt zur selbstverständlichen Nebensache wurde, die mich nur als Individuum symbolisierte, während mein Glückserlebnis den ganzen konturlosen Horizont umfasste. Ich war unbeschreiblich glücklich im Glück.
Im Gegensatz zu anderen Berichten über außerkörperliche Erfahrungen nahm ich keine hellen Farben, Gegenstände oder Personen wahr, sondern nur ein offenes, konturloses Panorama, wo ich mich dahingehen sah, selbst aber als Beobachtender in wunschlosem Glück den gesamten Horizont ausfüllte. Das Glücksempfinden war so mächtig, dass es kein Denken, Wollen und Sehnen, sondern nur Erfülltsein gab. Es war eine völlig neue Qualität von Glücksempfinden, das mit keiner anderen Bewusstseinserfahrung in der Körperlichkeit verglichen werden kann. Sämtliche Formen veränderter Bewusstseinszustände, wie Traum, Hypnose, Luzidität, Ekstase, Psychostase oder Biokömese und Biostase, können damit nicht verglichen werden. Es war eine völlig andere Welt. Wie lange ich in diesem Zustand verweilte, kann ich nicht beurteilen, da mein Zeit- und Raumempfinden ausgeschaltet war.
Langsam wurden die Ebene, auf der ich wanderte, und der Horizont immer kleiner, bis sich alles in mein Bett hinein zurückzog und ich urplötzlich meinen Körper und meine Seele wie in einem Gitterbett eingeklemmt empfand. Es war ein bodenloser Schock, der totale Zusammenbruch von Freiheit und Glückseligkeit, der mir zunächst jede Orientierung raubte. Das Empfinden der Begrenztheit und der körperlichen Beschwerden war so mächtig, dass ich mich damit nicht abfinden wollte. Ich setzte alles daran, wieder in die erlebte Raum- und Zeitlosigkeit zurückzukehren und das Glücksempfinden mit aller Kraft zurückzuholen. Doch vergebens, ich musste, raum-zeitlich begrenzt, die Last und die durch die Infektion bedingte Unbeweglichkeit des Körpers in der Enge des Bettes zur Kenntnis nehmen. Diese Enge von Bett und Krankenzimmer empfand ich zunächst wie eine andere Welt. Erst langsam wurde mir meine Realsituation wieder bewusst. Zumindest blieb die Erinnerung an das Erlebte, das Erlebnis selbst war hingegen nicht mehr wachzurufen. Nach und nach konnte ich das Erlebte in mein Denken als Nahtoderfahrung einordnen, wo ich mich doch seit Jahren mit dem Thema befasst hatte. Dabei fand ich volle Entsprechungen mit verschiedenen Berichten in Bezug auf außerkörperliche Erfahrung, Raumzeitlosigkeit und Glücksempfinden, dies alles jedoch ohne Tunnelerlebnis, Begegnung mit anderen Wesenheiten, Vernehmen von Stimmen, Gesang oder Lichtwelten. Beim Erlebnis selbst dachte ich an all diese Möglichkeiten nicht, sondern ging voll im Glückserlebnis auf.
Erst als alle Versuche der Rückholung des Erlebten bzw. eines neuerlichen Einstiegs in dasselbe gescheitert waren, musste ich auch für mich zur Kenntnis nehmen, dass es sich hier um ein Spontanereignis handelte, wie z.B. bei einer Ekstase. Der erlebte Zustand der Außerkörperlichkeit und der Nahtoderfahrung kann nicht aufgerufen werden, er ruft sich selbst auf.
Bei aller Kritik solchen Erlebnissen gegenüber kann das eine nicht verneint werden, nämlich dass es eine Erlebnisdimension frei von der Körperlichkeit gibt, die mit keiner Bewusstseinsform wie Traum, Hypnose, ozeanischem Gefühl o.Ä. vergleichbar ist. Vielleicht ist es eine Begegnung mit dem Seelengrund, der Anima Mundi, oder gar mit der Transzendenz? Eines jedenfalls kann mir nach dem Erlebten niemand nehmen: dass es ein Erlebnis außerhalb von Raum und Zeit war, mit einem Glücksempfinden, das man als himmlisch bezeichnen muss.
Damit hat für mich auch der Tod nicht nur jeden Stachel verloren, sondern ist vielmehr zum Hoffnungsträger einer Rückkehr in das Erlebte geworden.

6. Spuk

Ein besonderes Phänomen in diesem Zusammenhang sind die sich wiederholenden und unter Umständen variierenden Erscheinungen von vielfältigen unerklärlichen Geräuschen, Bewegungen von Gegenständen, Zerstörungen, vornehmlich durch Feuer, Wasserphänomene, „Kalter Hauch“, Geruchsphänomene, hinter denen eine intelligente Steuerung zu stehen scheint. Diese Phänomene werden unter der Bezeichnung Spuk zusammengefasst. Dabei unterscheidet man, grob gesprochen, zwischen ortsgebundenem Spuk, wie Spukhäusern, und persongebundenem Spuk.
Das beste Beispiel eines persongebundenen Spuks ist sicherlich der berühmte Fall Rosenheim (1967–1968)12, der mit einer Büroangestellten in Zusammenhang stand. Dies kann ich insofern bestätigen, zumal ich im Gespräch mit ihr folgendes Phänomen erlebte:
Es war 1968, als ich bei einem Besuch in Rosenheim in der Kanzlei von Rechtsanwalt Sigmund Adam mit der oben genannten Angestellten ein ausführliches Gespräch führte. Ganz plötzlich erstarrte sie, schlug die Hände über dem Kopf zusammen, starrte ins Leere und reagierte weder auf Worte noch Berührungen. Im selben Moment flogen in ihrem Bürozimmer nebenan sämtliche Schubladen aus den Tischen. Da die Tür vom Büroraum zum Vorraum, wo wir saßen, offen war, konnte ich durch die offene Tür die herausgefallenen Schubladen im spontanen Blick auf den erfolgten Krach hin sehen. Mit einem Sprung innerhalb von Sekunden war ich auch schon im Büroraum, wo ich alle herausgefallenen Schubladen und die völlig verstörte Hilfskraft sah. Das Herausfallen der Schubladen selbst konnte ich nicht beobachten. Die Hilfskraft saß völlig benommen in der Ecke des Raumes und verneinte auf meine Frage hin jede Mittäterschaft. Es wäre auch rein zeitlich nicht möglich gewesen, die Schubladen innerhalb einer Sekunde per Hand herauszuziehen. Als ich zu der Büroangestellten in den Vorraum zurückkam, erholte sich diese langsam und wurde wieder ansprechbar. Sie bemerkte das Geschehen selbst nicht, sondern hatte nur das Empfinden zu zerplatzen, so wie seinerzeit Pierre Gerard beim Bewegen des Glaszylinders.
Berichte von derartigen Vorkommnissen, insbesondere im Form von Spuk, sind weltweit bekannt und zeigen in der Vielschichtigkeit der Phänomene über die Jahrhunderte hinweg auffallende Entsprechungen, wie folgender exemplarischer ortsgebundener Spuk veranschaulicht, von dem ebenfalls Plinius der Jüngere berichtet:

„Zu Athen war ein großes und geräumiges, aber verrufenes und Unheil bringendes Haus. In der Stille der Nacht hörte man Eisen klirren, und wenn man genauer horchte, Ketten rasseln, zuerst in der Ferne, dann in der Nähe: bald erschien eine abgehärmte und hässlich abgezehrte Greisengestalt, mit langem Barte, struppigen Haaren; welche an Händen und Füßen Fesseln und Ketten trug und schüttelte. Die Bewohner durchwachten daher traurige und schreckliche Nächte: auf das Wachen folgte Krankheit, und bei zunehmender Angst der Tod. Denn auch bei Tage, wenn das Gespenst verschwunden war, schwebte die Gestalt in der Einbildungskraft vor den Augen, und die Furcht dauerte länger als die Ursache derselben. Das Haus blieb endlich leer und verödet, und ganz jenem Ungethüm überlassen. Doch wurde es ausgerufen, ob es Jemand kaufen oder miethen wollte, der von diesem großen Uebelstand nichts wusste.
Der Philosoph Athenodorus kommt nach Athen, liest den Anschlag: und da er von dem Preise hört, der ihm durch seine Wohlfeilheit verdächtig wird, erkundigt er sich, erfährt Alles, und miethet sich nichts desto weniger, ja um so lieber ein. Als es anfängt Abend zu werden, lässt er sich in dem vordersten Zimmer des Hauses sein Lager bereiten, fordert Schreibtafel, Griffel, Licht, entlässt alle seine Leute in die inneren Gemächer; er selbst richtet Geist, Augen und Hand auf’s Schreiben, damit nicht die Seele unbeschäftigt sich die bekannte Gestalt und ein leeres Schattenbild schaffe. Anfangs herrscht, wie überall, Stille der Nacht: bald aber klingt es wie Eisen, Ketten rasseln: Jener schlägt die Augen nicht auf, legt den Griffel nicht nieder, sondern ermutigt seinen Geist, und verwahrt sich gegen die Eindrücke des Gehörs: jetzt wird das Getöse stärker, es nähert sich, jetzt scheint es auf der Schwelle, jetzt im Zimmer zu seyn: er blickt auf, sieht und erkennt die beschriebene Gestalt. Sie steht und winkt mit dem Finger, als wollte sie rufen; auch er gibt ein Zeichen mit der Hand, ein wenig zu warten, und fährt fort zu schreiben: da schüttelt sie die Ketten über seinem Haupt, während er schreibt: er blickt auf, und sie winkt wieder, wie vorher: jetzt zögert er nicht länger, nimmt die Lampe und folgt. Jene schreitet langsam, wie von den Fesseln belastet: nachdem sie in den Vorhof des Hauses abgelenkt, verschwindet sie plötzlich, und lässt den Begleiter zurück: Dieser, allein gelassen, bricht Gras und Blätter ab, und bezeichnet damit die Stelle. Den folgenden Tag geht er zu den Behörden, und verlangt, sie sollen den Ort aufgraben lassen. Man findet Gebeine, welche in Ketten geschlagen und umschlungen, und von dem durch die Zeit und in der Erde verwesten Körper nackt und kahl in den Fesseln geblieben waren: sie werden gesammelt und öffentlich begraben. Von der Zeit an war das Haus von diesen gebührend zur Erde bestatteten Manen befreit.“13

In diesem Bericht sind die vielfältigsten Themen angesprochen, die bei Spuk auftreten wie: Bewegung leichter Gegenstände, Objekte, die gleichsam aus der Luft kommen wie etwa Steine, das Verschwinden von Gegenständen, Apporte, Penetrationen, Auftreten von Flüssigkeiten, Feuer und Graffiti, Geräusche, Schränke, Türen, Fenster, die sich von selbst öffnen. Dabei macht alles den Eindruck, als ob eine Intelligenz dahinterstünde.14
In diesem Zusammenhang finden sich auch Beeinflussungserlebnisse und  mediumistische Phänomene wie Kontakt mit Verstorbenen, worauf hier aus Platzgründen nicht näher eingegangen werden kann.


III. BESESSENHEIT

Was konkret die Besessenheit anbelangt, so müssen im Rahmen der Zusammenarbeit von Krankenkassen und Nervenärz­ten in Deutschland – Ähnliches gilt für andere Länder – alle Diagnosen nach dem Internationalen Dia­gnosen-Schlüssel ICD-10 klassifiziert werden. In diesem Schlüssel findet sich unter der Nummer F 44.3 die Beschreibung von „Trance- und Besessen­heitszuständen“. Dies sind
„Störungen, bei denen ein zeitweiliger Verlust der persönlichen Identität und der vollständigen Wahrnehmung der Umgebung auftritt; in einigen Fällen verhält sich ein Mensch so, als ob er von einer anderen Per­sönlichkeit, einem Geist, einer Gottheit oder einer Kraft beherrscht wird. Aufmerksamkeit und Bewusstsein können nur auf ein oder zwei Aspekte der unmittelbaren Umgebung begrenzt und konzentriert sein und häufig findet sich eine eingeschränkte, aber wiederholte Folge von Bewegungen, Stellungen und Äußerungen“15.
Nach dem diagnostischen Manual DSM IV psychischer Störungen wird die Beses­senheit unter die „dissoziativen Störungen (oder hysterischen Neurosen)“ eingeordnet:

„Die Überzeugung der Besessenheit von einer anderen Person, einem Geist oder einem anderen Wesen kann als Symptom einer Multiplen Persönlich­keitsstörung auftreten. In solchen Fällen ist das Symptom, besessen zu sein, in Wirklichkeit Ausdruck der Erfahrung des Einflusses der anderen Persönlichkeit auf das Verhalten und die Stimmung des Individuums. Das Gefühl der ‚Besessenheit‘ kann jedoch nicht nur als Symptom der disso­ziativen Störung auftreten, sondern auch als Wahn in einer psychotischen Störung, z.B. der Schizophrenie.“16

Nur zu oft  wird solchen Erscheinungsformen, die man heute als modifizierte oder „veränderte“ Bewusstseinszustände (im eigentlichen Sinne von Verän­derung) bezeichnet, ohne Zögern der Stempel der Geisteskrankheit aufgedrückt.

1. Formen der Trance

Was unser Thema betrifft, so ist vielmehr zwischen den verschiedenen Formen der Trance, insbesondere der Besessenheitstrance, sowie dem neurotischen und psychotischen Besessenheitsverhalten zu unterscheiden.

a) Allgemeine Trance
Mit Trance (transitus = Übergang) wird ganz allgemein der Zustand des Übergangs vom Protobewusstsein zur Hypnose bzw. die Bewusstseinseinengung durch Konzentration auf einen Erfahrungsbereich mit Abschwächung von Denken, Wollen, Wahrnehmen und Kontrolle der Körperhaltung bezeichnet. Es geht dabei um jene Augenblicke, in denen sich der völlig normale Mensch Illusionen, Augenblickshalluzinationen und Vorstellungen akustischer wie visueller Natur hingibt, was vor allem der Ausspruch „Ich war einen Augenblick weg“ so treffend bezeichnet.

b) Besessenheitstrance
Zu diesen Merkmalen der Allgemeinen Trance kommt bei der Besessenheitstrance noch der Aspekt der Besetzung durch ein anderes Wesen hinzu. In manchen Kulturen sind Form, Praxis, Erfahrung und Bedeutung der Besessenheitstrance der beobachtenden Gemeinde bekannt. Diese wird daher als eine allgemeine soziale Erfahrung und nicht als eigentliche Besessenheit verstanden. Es handelt sich dabei um ein innerpersönliches Ereignis, das selbst induziert, von einem Heiler oder durch eine religiöse Handlung als Teil der Durchführung eines Exorzismus hervorgerufen, aber auch als Manifestation einer vermeintlichen Besessenheit erfahren werden kann. In all diesen Fällen wird die Besessenheitstrance im Kontext spezieller Riten und Aktivitäten einer Gemeinde als völlig normale Ausdrucksform betrachtet.
Dazu gehört auch das  neurotische Besessenheitsverhalten, das im Gegensatz zur Besessenheitstrance keine spezifischen Bewusstseinsinhalte aufweist, sondern nur Verhaltensmuster zeigt, die von manchen Kulturgruppen als Form der Konfliktaustragung verstanden werden.

c) Psychotisches Besessenheitsverhalten
Wenngleich es zwischen neurotischen und psychotischen Syndro­men Überlappungen gibt, zählt man zum psychotischen Besessenheits­verhalten eine Reihe kulturgebundener reaktiver Syndrome, wie Amok­laufen, Latah (das zwangsmäßige Nachahmen von Handlungen bei Malayen, Afrikanern und Lappländern), Koro (die vor allem in Asien epi­demisch auftretende Angst, der Penis könnte sich in den Körper zu­rückziehen, was zum Tod führen würde), Pibloko (auch „arktische Hy­sterie“ genannt – ein- bis zweistündige Anfälle vor allem bei Frauen, mit tierischem Schreien und Zerreißen der eigenen Kleider – nach dem Anfall sind die Personen völlig normal), Witiko (die Angst, in ein Mon­ster verwandelt zu werden) oder gewisse Verhaltensmuster des Voo­doo-Rituals. Die Symptome sind charakterisiert durch ein stereotypes Verhalten meist psychotischen Ausmaßes, das kulturell eindeutig als pathologisch bezeichnet wird.
Untersuchungen von 488 Volksgruppen weltweit durch E. Bourguignon (1973)17 haben gezeigt, dass 90% dieser Gruppen den einen oder anderen der angeführten Zustände institutionalisiert haben. Da­bei verdient die Feststellung besondere Beachtung, dass die ein­facheren Volksgruppen Tranceverhalten pflegen, während die komple­xeren Gesellschaften, d.h. solche, die ihre Informationen nicht von Angesicht zu Angesicht austauschen, sondern durch eine Symbol­sprache, mit Besessenheitstrance befasst sind.
Während der Glaube an dämonische Besessenheit und Exorzismus sehr weit gestreut ist, sind das aktuelle Auftreten von Fällen dämoni­scher Besessenheit und die Praxis des Exorzismus begrenzter. So ist z.B. das Auftreten von Dämonologie meist mit folgenden sozialen Ge­gebenheiten verbunden:
– bedrückende soziale Struktur, aktuell vor allem Mangel an Sinngebung,
– Verlust des Vertrauens in die Effizienz der Institutionen,
– scheinbare Unfähigkeit der betreffenden Institutionen, mit den Übeln der
gegebenen Situation fertigzuwerden.
Wenn diese Faktoren gegeben sind, gibt es für den Einzelnen zunächst nur zwei Möglichkeiten, nämlich den Kampf entweder nach außen oder nach innen zu verlagern, sofern eine Lösung auf der Bewusstseinsebene erfolglos bleibt oder gar nicht angestrebt wird. Die Wende nach außen führt zur Per­sonifizierung des Umfeldes in böse Dämonen. Die Verschiebung des so­zialen Protestes nach innen in Form von Selbstanklage kann zur Erfahrung persönlicher Besessenheit werden. Das Erleben von sozialem Übel wird personifiziert, wobei der Angeklagte, der Kläger und der Exorzist die Symbolisierung des sozialen Konflikts in einer Ersatzform zu lösen suchen, weil aktiver Protest und Reform unmöglich scheinen.

2. Der Besessene

Die Zentralgestalt dieser Konflikte  ist der „Besessene“, bei dem der Teufel als Personifizierung des Bösen angeblich das Sagen hat. Es kann sich dabei aber auch um einen Geistesgestörten, einen körperlich oder geistig Behinderten, eine multiple Persönlichkeit oder schlicht und einfach um einen ganz alltäg­lichen Sündenbock handeln, der nun für seine oder andere Unzulänglich­keiten bezahlen muss und darauf entsprechend reagiert. Der Ausbruch der Reaktionen des „Besessenen“ ist allerdings nicht vorherzusehen:

„Zuweilen geschieht es ganz plötzlich, dann wiederum gehen deutliche Anzei­chen voraus: der Betroffene schließt sich ab, beginnt zu schweigen, sein Blick geht ins Leere, die Pupillen verengen sich zu einem Punkt, er beginnt tief zu atmen, zeigt Ekel und neigt zu Brechreiz; alsdann setzen teils ruckarti­ge Bewegungen ein, die sehr oft auf den Hals- und Schulterbereich be­schränkt sind, Zittern am ganzen Leib macht sich bemerkbar. Mehr oder minder verständliche Schreie und Röcheln machen sich breit, unflätige Reden prasseln hernieder, die Schreie werden immer dröhnender, hefte Be­wegungen durchzucken den ganzen Körper und verlaufen immer unkoordi­nierter, bis schließlich die motorische Krise in höchst bizarre und unnatür­liche Haltungen ausartet. In der Folge flaut die Krise ab, das Opfer ist sehr geschwächt, manchmal schläft es ein, um ein paar Minuten später mit dersel­ben Abfolge der Verhaltensformen zu beginnen; oder es kommt zu kei­ner Krise mehr. Fast immer jedoch kommt es zu einer verstärkten Urinab­sonderung. Nach einiger Zeit ist sein Verhalten entspannt, die Haltung ist aufrecht und auch die Ausdrucksweise ist bestimmt. Der Betroffene macht ganz den Eindruck, als könne er sich an nichts mehr erinnern.“18

3. Der Exorzist

Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Person des Exorzisten, bei dem es sich beim Exorzismus in der katholischen Kirche um einen geweihten und zur Ausübung ermächtigten Priester handelt, der mit seiner ganzen persönlichen Überzeugungskraft und der vom Ordinarius des Ortes Fall für Fall eingeholten Erlaubnis den Ritus durchführt.
Beim sogenannten Laienexorzismus gibt der „Exorzist“ entweder vor, im Namen Gottes zu handeln oder aber in der Überzeugung, eine perso­nalisierte Schlacht zu schlagen, in der er seine Bildung, seinen Scharfsinn, seine Erkenntnisfähigkeit und seine persönliche Berufung vor einem Publikum zur Schau stellt, das nichts Alltägliches erwartet, sondern nach Sensationen heischt. In diesem Fall wird der Exorzismus zu einem Ritual, das sich bis ins Unendliche wiederholt. Die Leute stellen sich oft in Reihen an, um vor allem von angeblichen Verfluchungen befreit zu werden, insbesondere, wenn eine geliebte Person durch ein Zeichen das Ende der Beziehung angezeigt hat. So habe ich bei einem solchen Laienexorzisten eine lange Reihe von jungen Damen, aber auch Männern angetroffen, die Befreiung von der angeblichen Verfluchung durch den Partner suchten, um einen neuen Partner finden zu können, zumal in gewissen Gebieten eine verfluchte Person von allen gemieden wird. Andererseits begegnete ich sogenannten „Besessenen“, die von einem Exorzisten zum anderen wandern und das Ritual des Exorzismus zur Belustigung wie auch zur Beklemmung der Zuschauer mitgestalten. Dabei kommt es bei den Teilnehmern zuweilen zu veränderten Bewusstseinszuständen wie Trance und Konvulsionen.

Dr. Giorgio Gagliardi (Abb. 5) und Dr. Marco Margnelli (Abb. 6), die sich bei ihrem Studium der veränderten Bewusstseinszustände eingehend mit den psychophysiologischen und verhaltensspezifischen Veränderungen befassten, welche bei solchen Exorzismen von Besessenen oder Umsessenen auftraten, fügten die dabei gewonnen Daten zusammen. Dabei werden die untersuchten Parameter auch denen anderer Bewusstseinszustände gegenübergestellt, um eine Vergleichsmöglichkeit zu bieten. Zu bedenken ist, dass vor allem die mediumistische Trance noch wenig untersucht wurde (vgl. Tab. 2–3).19

ie gewonnen psychophysiologischen Daten zur Besessenheitstrance machen auf alle Fälle deutlich, dass der Exorzist mit einem gediegenen psychophysiologischen Wissen ausgestattet sein muss, um die Hilfe suchende Person durch den Ritus des Exorzismus nicht in ihrer Überzeugung des Besessenseins zu stärken, wo sie in Wirklichkeit nur an psychophysiologischen Störungen leidet. Aus diesem Grund wird heute der feierliche Exorzismus, d.h. im Auftrag des Bischofs, nur selten vorgenommen.

4. Terminologie

Neben der Kenntnis möglicher psychophysiologischer Störungen muss der Exorzist in der katholischen Kirche auch über die Formen eventueller dämonischer Implikationen informiert sein. Um hier mit einheitlichen Begriffen zu arbeiten, haben sich die Exorzisten Italiens auf die Verwendung folgender Begriffe geeinigt:
Äußere Störungen: Der Teufel bzw. sein Exponent befindet sich vollkommen außerhalb der Person, die durch tätliche Angriffe, Behin­derungen, Geräusche usw. beeinträchtigt werden kann. So geschah es auch bei einigen Heiligen.
Dämonische Infestationen: Diese betreffen vor allem Häuser, Büros, Geschäfte, Werk- und Lagerstätten, Gegenstände, Tiere. Schon Origenes spricht davon unter Erwähnung vorgenommener Exorzis­men.

Dämonische Obsessionen: Sie beeinträchtigen vor allem Körper, Ge­sundheit, Beziehungen, Familie und manifestieren sich durch seltsa­me Nöte, die keine andere Erklärung zulassen.
Dämonische Umsessenheit: Wie schon der Begriff zum Ausdruck bringt, wird die Person von Gedanken, Wünschen, aufwühlenden und angsteinflößenden Mitteilungen, von Verzweiflung, Mord- und Selbst­mordgedanken, Flüchen und Wollust gequält.

Dämonische Besessenheit: Es sind dies die klassischen Besessen­heitsformen, bei denen die Person gespalten ist. Sie spürt auf vielerlei Weise die Präsenz einer anderen Wesenheit, die in ihr lebt und sie konditioniert, dominiert und attackiert; ein Etwas, das (auch mit Ge­walt) auf jedwede Provokation reagiert, vor allem auf alles Heilige, das Gebet, das Schriftwort, die Sakramente, den Priester, insbesonde­re den Exorzisten; eine Wesenheit, welche die Person in Trance ver­setzen, in unbekannten Sprachen sprechen, hellseherische Erfahrun­gen und Vorahnungen haben, übermenschliche Kräfte annehmen las­sen kann usw.

Dämonische Unterwerfung: Eine solche liegt vor, wenn die Person freiwillig in einem expliziten oder impliziten Pakt die Abhängigkeit vom Teufel oder von Geistern akzeptiert hat.20
Mit dieser terminologischen Festlegung sollen die Aufgaben des Exorzi­sten in der katholischen Kirche besser umschrieben werden.

5. Auftrag und Praxis

Als 1986 Kar­dinal Anastasio Ballestrero von Turin die Diözese, Italien und möglicherweise die ganze Welt schockierte, indem er 6 Exorzisten bestellte, befand sich auch der 2013 Giuseppe Capraverstorbene Salesianerpater Giuseppe Capra (Abb. 7) unter ihnen, und zwar nicht aufgrund von Neigung und Ausbildung, sondern einfach, weil er die pastorale Sorge seines Bi­schofs teilte, der so vielen verzweifelten Menschen Gehör und Ant­wort verschaffen wollte, die sich von einer verlogenen Gesellschaft und Kultur verraten und enttäuscht fühlten. Diese Gesellschaft hat nach Capra Op­fer und Kreuz abgeschafft und stattdessen einem Materialismus, Kon­sumismus und Hedonismus das Wort geredet, eine Freiheit ohne Grenzen und sofortiges Glück auf  raschestem, bequemstem und brei­testem Weg versprochen, an dessen Ende Enttäuschung und Trostlo­sigkeit stehen.
Für die 6 Exorzisten wurden 6 marianische Wallfahrtsorte als Zentren der Anhörung bestimmt, damit die betroffenen Menschen eine Antwort auf ihre Probleme in nächster Nähe finden können. Die Menschen verspüren laut Capra in solchen Situationen nämlich eine große Neigung, sich der Magie zuzuwenden, einen Magier oder Sensitiven aufzusuchen, der Fotografien deutet, einem in die Augen schaut, bei Berührung ein Frösteln oder Wärme verspürt bzw. verspüren lässt, die Frage stellt, ob man unter ei­nem unheilvollen Einfluss steht und diesen dann ohne viel Aufhebens durch ein intensives und wirksames (magisches) Gebet aus der Welt schafft. Die größte Schwierigkeit bei der Arbeit mit den Betroffenen besteht darin, ihnen klarzumachen, dass die Lösung ihres Übels viel komplexer und begründeter ist, als sie denken.21
Um dies sagen zu können, muss ein Exorzist in voller Offenheit und persönlichem Einsatz schrittweise in die Aufgaben hineinwachsen. So versuchte Capra, sich in den ersten drei Jahren vor allem der Anhörung Hilfesuchender  zu widmen, bis ihn am 24. Mai 1989 ein eindrucksvoller Fall von Befrei­ung dazu veranlasste, künftig seine gesamte Arbeit als Exorzist zu gestalten. Den Fall beschreibt er so:

„Betroffen war ein elfjähriges Mädchen, das seit drei Mo­naten auf mysteriöse Weise von einem unsichtbaren Aggressor gequält wurde, der sie terrorisierte, schlug, aus dem Auto zerrte, dessen Tü­ren sich während der Fahrt öffneten, der sie in der Schule des Öfteren ganz plötzlich am Körper verletzt hatte, ihr vor allem an den Armen Wunden zufügte, die große Narben hinterließen nach Art der Stigmen, …; das Mädchen hatte die Schule verlassen, jedwede Fröhlichkeit und Aktivität waren von ihm gewichen und es lebte in tiefer Verdros­senheit; es schloss sich ein und fiel des Öfteren in einen seltsamen Schlaf. Nach mehreren Versuchen da und dort brachte man es schließlich nach Mariahilf und wir vereinbarten uns wie folgt: ich nahm der ganzen Familie (Mutter, Vater, Großeltern, Tante) die Beich­te ab, wir gaben uns verstärkt dem Gebet hin, vor allem der Vater be­tete auch während der Arbeit den ganzen Tag über den Rosenkranz; am Abend versammelten wir uns zur Anbetung des ausgesetzten Aller­heiligsten, wobei wir Gleichnisse Jesu oder Begeben­heiten aus seinem Leben lasen und Glaubensbezeugungen und Lob­preisungen machten. Am Abend des 20. Tages, dem 24. Mai, wurde das Mädchen wie von unsichtbarer Hand zu Boden geschleudert, wo es lange Zeit wie tot oder ohnmächtig liegen blieb. Plötzlich erwachte die Kleine und sprang schreiend auf: ,Papa ich bin frei! Das haben mir Jesus und der Engel gesagt; sie haben die drei [es war schon früher die Rede von drei Dämonen gewesen] wie Feuerflammen ge­nommen und in einen eisernen Schrank gesperrt mit den Worten: Schluss mit den Gemeinheiten!‘ Es kam zu keinerlei nennenswerten Ereignissen mehr, das Mädchen hatte noch mit einigen gesundheitli­chen Problemen zu kämpfen, die aber innerhalb eines Jahres ver­schwanden. “22

Was den Ursprung der Torturen anbelangt, so gibt es hier, wie Capra weiter berichtet, keine ge­sicherten Erkenntnisse: nur, dass die Kleine beim Gebet manchmal ei­ne Tante sah, mit der sie einmal die Ferien verbracht hatte; diese war die Freundin und Schülerin einer Magierin und machte das Mädchen ein Omelett essen, in dem sich Haare des Mädchens befanden.

a) Erster Kontakt
Personen, die mit mir Kontakt aufnehmen wollten, fuhr Capra fort,

„bekommen ein For­mular ausgehändigt, aus dem hervorgeht, dass ich in dieser Funktion zusammen mit dem Arzt Dr. Giorgio Gagliardi für die Diözese Tu­rin arbeite und dass ich – um über das spezifische Problem hinaus ei­nen allgemeinen Einblick in die Lebenshaltung der Betroffenen zu ge­winnen – eine Zulassungsprüfung durch den zuständigen Pfarrer oder einen anderen Priester verlange; es ist dies eine Methode, die viele Priester davon abhält, vorschnell mit den Floskeln: ,Gehen Sie zum Arzt, zum Psychologen, zum Psychiater...‘ zu urteilen. Sehr oft findet sich nämlich schon bei solchem Anhören vor Ort  eine Lösung…; oder es bemerken in solchen Gesprächen über das spirituelle Leben bzw. beim Versuch eines gemeinsamen Gebets auch Priester, die keine Exorzisten sind, dass hier etwas Merkwürdiges vorliegt, das die Person in ihrer Freiheit einschränkt, sie vor allem daran hindert, zu beten und positive Gefühle zu empfinden“23

Nur in solchen Fällen, können sie die betreffenden Personen zum Exorzisten schicken. Capra gewährte dabei den Neulingen, durchschnittlich 5 bis 6 Perso­nen aus einem Kreis von 30 bis 40,

„eine erste Anhörung; wenn möglich, ersuche ich sie um Ablegung der Beichte, auch mit Blick auf die Familie, die Vorfahren, jene Personen, die auf sie den größten Einfluss hatten, wobei ich insbesondere die Verfehlungen des Hasses, der Rache, der Verfluchung, der Gewalttätigkeit, der Verzweiflung, des Mordes und der Abtreibung, der Grausamkeit und der Lüge, des Aber­glaubens, des Kontaktes mit okkulten Mächten und der Anwendung okkulter Kräfte, der schweren sexuellen Ausschweifungen und fami­liären Disharmonie sowie der Drogen- und Alkoholabhängigkeit her­vorhebe. In der Regel hören sie zum ersten Mal, dass auch die Wunden, die der Familie, dem Stammbaum und der Gemeinschaft zugefügt wurden, miteinbezogen werden und wir für alle Vergebung und Heil erbitten müssen; fast nie wurden die abgetriebenen Föten als Perso­nen betrachtet, mit denen es sich zu versöhnen galt, die man anneh­men, denen man einen Namen geben und eine Wunschtaufe gewäh­ren, von denen man sich eine kleine Erinnerung bewahren und über deren Existenz man sich freuen solle, um sich auf diese Weise von na­genden Schuldgefühlen zu befreien“24.

b) Befreiungsgebet
Wenn die für den Rosenkranz vorgesehene Stunde zu Ende war, be­gann Capra mit dem eigentlichen Gebet der Erkenntnis, Befreiung und Heilung. Unter „Heilung“ verstand er die Heilung von emotional-affek­tiv-existentiellen Wunden, aber auch von anderen Unzulänglichkeiten.
Dabei kann der Exorzist genauso vorgehen wie bei der Taufe: er wie­derholt den Namen, macht das Kreuzzeichen auf die Stirn, spricht ein kurzes Bibelwort,  ruft die Jungfrau Maria und die Heiligen an, erinnert an die Salbung mit dem Katechumenenöl, segnet das Wasser und ermuntert vor allem zur Erneuerung des Taufversprechens und zum radikalen Widersagen an alles, was sich dem erlösenden Glaubensakt in den Weg stellt.
Diese Arbeit, die sehr viel Geduld erfordert, wird durch die Erfahrung des spiri­tuellen Weges in einer geeigneten Gebetsgruppe, die besonders ent­schlossen und ausgeglichen ist, erleichtert und bildet den Hintergrund der unmittelbaren Konfrontation, die sich in der dramatischen Form äußert, welche den Exorzismen und Befreiungsgebeten eigen ist.
Vom feierlichen Exorzismus wird nur in den schwersten Fällen Gebrauch gemacht, weil man den jeweiligen Bewusstseins- und Freiheitsgrad des Leidenden genau beobachtet. Wirkt der Hilfesuchende wie gelähmt, versagt seine Stimme, ist er des Gehörs beraubt oder wird er von seinem Feind gequält und terrorisiert, hilft man ihm, Akte der Entsagung, der Wahl und des Glaubens auch in einfachster Form zu setzen. Bei schwersten Fällen werden hingegen, nach Capra, an mindestens zwei Tagen in der Woche in Anwesen­heit von Ärzten Exorzismen durchgeführt. Dabei ist die Hilfe von Ärzten, Psychologen und Fachleuten, die sich mit veränderten Bewusstseinszuständen befassen, unerlässlich. Die Bischöfe sollten solche Teams von Helfern und Experten rund um den Exorzisten und die Gebetsgruppe fördern, um das Feld nicht den Laienexorzisten zu überlassen oder die Betroffenen einfach der Psychiatrie zu übergeben. Auf der anderen Seite muss der Exorzist darauf bedacht sein, den vermeintlich Besessenen durch den Exorzismus in seiner Überzeugung, besessen zu sein, nicht zu bestärken oder gar zu fixieren, wo dieser eventuell nur an psychischen Störungen leidet. Daher muss jeder Exorzismus mit „solltest Du“ vom Teufel besessen sein eingeleitet werden. Der „Besessene“ muss – sofern er dazu in der Lage ist – darüber aufgeklärt werden, dass niemand eine absolute Sicherheit für sein Besessensein abgeben kann. Es gibt kein Messgerät und keinen sicheren Test für Besessenheit. Der Exorzist muss sich nach allem Abwägen zumindest sagen können: Wenn es nicht hilft, schadet es nicht. Die Formel selbst muss entschieden gesprochen werden:

Weiche Satan, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes;
weiche durch den Glauben und das Gebet der Kirche;
weiche durch das Kreuzeichen Jesu Christi unseres Herrn, der lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
25

Man könnte dies alles als magischen Formalismus der Vergangenheit abtun, hätte man nicht selbst, abgesehen von zahlreichen Heilungsberichten in diesem Zusammenhang, die Wirkung eines solchen Gebetes erfahren.

c) Die Macht des Gebets
Vor einiger Zeit rief mich ein Arzt an und bat mich um ein Gespräch mit einer besonderen Patientin. Es handelte sich um eine etwa 30-jährige Frau, Mutter von mehreren Kindern. Während sie bei Tag der Arbeit nachgehen konnte,  musste sie abends seit fünf Jahren in ein Gitterbett gelegt werden. In letzter Zeit, sagte der Arzt, hätte er zur Morphiumspritze greifen müssen, was er nicht weiter verantworten könne. Eine Einweisung in die Klinik lehne die Frau ab. Sie sei jedoch bereit, mit mir zu sprechen. Ich antwortete ihm, dass der Fall auch meine Kompetenz übersteige. Trotzdem sollte ich mit ihr sprechen. Nur sprechen könne man ja immer, sagte ich. So brachte man die Frau in meine Sprechstunde. Ich ließ sie auf der Couch Platz nehmen und setzte mich, wie sonst bei Kurzgesprächen üblich, neben sie hin, um die Qualität ihrer Ausstrahlung und Reaktionen zu prüfen. Im selben Moment verspürte ich einen Schlag wie mit einer Eisenstange gegen meine Brust, sodass ich alle Mühe hatte, die Haltung zu wahren. Der verursachte Schmerz dauerte in aller Heftigkeit an. In einer völlig unbedachten Reaktion sagte ich zu ihr, dass ich ihr als Psychologe nicht helfen könne, da sie psychisch gesund sei. Ich könne ihr aber als Priester helfen, und ich sprach ganz leise das oben genannte Exorzismusgebet. Da verschwand ganz plötzlich der Schmerz in meiner Brust, die Frau fühlte sich frei und ich verabschiedete sie nach einem kurzen Gespräch. Es verlief alles in einer in sich geschlossenen Empfindungseinheit, die von selbst den Abschluss setzte.
Erst als die Frau den Raum verlassen hatte wurde mir mein Verhalten bewusst. Dabei hatte ich das ungute Gefühl, sie nur getröstet, ihr aber nicht geholfen zu haben, zumal ich die psychologische Hilfe stets vom priesterlichen Dienst trennte. Psychologisch hatte ich ihr tatsächlich nichts geboten. Ich handelte vielmehr unbewusst und völlig spontan.
Am nächsten Tag rief der Arzt an und teilte mir mit, dass die Frau vollkommen gesund sei. Zehn Jahre später kontaktierte mich die Frau nach einem Vortrag in einer Stadt ihrer Gegend, um sich bei mir zu bedanken und mir mitzuteilen, dass sie nach jener Begegnung schon zehn Jahre gesund sei.
Was damals ihre Heilung bewirkt hat, kann ich nicht sagen. Jedenfalls war es die Macht des Gebets.

IV. WUNDER

Zu den am besten dokumentierten außergewöhnlichen Erfahrungen gehören jene paranormalen Phänomene, die als Wunder bezeichnet werden. Damit treten wir in die Erfahrung des Außergewöhnlichen im religiösen Kontext ein, denn von Wundern ist nur dort zu sprechen, wo ein unerklärliches Ereignis letztlich auf das Einwirken Gottes zurückgeführt wird. Die dabei eingesetzten Untersuchungsmethoden habe ich in den Bänden Wunder der Seligen 26,  Die Wunder von Lourdes 27 und Die Wahren Weltwunder 28 beschrieben.
Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die von Benedikt xiv. erstellten Kriterien zur Beurteilung von Wunderheilungen:
1. Die Krankheit muss schwer und ihre Heilung nach dem Urteil von Fachärzten extrem schwierig bis unmöglich sein.29
2. Die Krankheit darf sich nicht schon kurz vor dem Abklingen befinden.30 Es spricht jedoch keineswegs gegen ein Wunder, wenn die Krankheit auf die übliche Weise mit Medikamenten oder anderen ärztlichen Mitteln behandelt werden könnte, diese Mittel dort aber fehlen, wo sich das Wunder ereignet.31
3. Es dürfen keine Medikamente verabreicht worden sein, die eine solche Krankheit heilen könnten. Es muss ferner sicher sein, dass sich die eventuell verwendeten Medikamente als unwirksam erwiesen.32
4. Die Heilung muss plötzlich erfolgen.33
5. Die Heilung muss vollständig sein.34 Es dürfen lediglich harmlose Folgeerscheinungen zurückbleiben, etwa eine Narbe.35
6. Der Heilung darf keine Krise vorausgegangen sein.36 Nach Galenus könne die Natur eine Heilung nämlich auf dreifache Weise bewirken: durch Dekubitus, durch Krise und durch einfache Remission.37 Die Heilung muss sich als stabil und dauerhaft erweisen.38
Diese Kriterien sind grundsätzlicher Natur, insbesondere jene, denen zufolge sich die Heilung von einer schweren Krankheit als plötzlich, vollständig und dauerhaft erweisen muss. Sie gelten daher für die Heilungen in Lourdes ebenso wie für die Heilungen bei den Kanonisationsverfahren.39
In Lourdes hat es sich in diesem Zusammenhang als Regel eingespielt, dass der Internationalen Ärzte-Vereinigung erst dann eine Heilung zur weitergehenden Prüfung unterbreitet wird, wenn vorher im Ärztebüro von Lourdes mit Zweidrittel-Mehrheit der anwesenden Ärzte das Prädikat der medizinischen Unerklärbarkeit ausgesprochen wurde.40

1. Wunderheilung von Pieter de Rudder

Dieses Faktum der Unerklärbarkeit gilt insbesondere für die Heilung von Pieter de Rudder Pieter de Rudder(Abb. 8). Dieser wurde am 2. Juli 1822 in Jabbeke in Westflandern (Belgien) geboren und am 7. April 1875 im 53. Lebensjahr in Oostacker (Belgien) geheilt. Es ist dies die erste Heilung außerhalb von Lourdes, die ohne Anwendung von Lourdes-Wasser eintrat und als Wunder anerkannt wurde.
1867 wurde Pieters linkes Bein durch einen umstürzenden Baum zerschmettert. Die Folge: offener Bruch beider Knochen, Schien- und Wadenbein, im oberen Drittel des linken Unterschenkels. Eine Wundbrandentzündung, die stark eiterte, sodass die Enden der Bruchstücke im Eiter schwammen, ließen jede Hoffnung auf eine Konsolidierung schwinden. Dies noch dazu in einer Zeit, in der die antiseptische Behandlung noch unbekannt war.

Der behandelnde Arzt, Dr. Affenaer, vermochte den Eiterungsprozess der Wunde nicht zu stoppen und als er sah, dass seine Behandlung ohne Erfolg blieb, gab er jede Hoffnung auf Heilung auf. Dieselbe Ansicht vertrat auch ein aus Brüssel herbeigerufener Arzt. Eine mehrmals von den Ärzten empfohlene Amputation lehnte de Rudder ab und so überließ man ihn nach einigen Jahren erfolgloser Behandlung endgültig seinem Schicksal.
De Rudder musste die Wunden nun selbst zweimal täglich reinigen und verbinden. Da die beiden Bruchenden vollkommen frei waren, konnte er den linken Fuß mit Leichtigkeit so drehen, dass die Ferse nach vorn und die Zehen nach hinten standen. Ein ganzes Jahr lang musste er das Bett hüten. Schließlich konnte er sich auf zwei Krücken voranschleppen; in diesem Zustand verblieb er acht Jahre und zwei Monate. Der untere Teil des Beines hielt nicht mehr am oberen fest und war nach allen Seiten hin beweglich. Die beiden 3 cm voneinander abstehenden Bruchstücke der Knochen waren auf dem Grund einer großen, permanent eiternden Wunde sichtbar. (Abb. 9)

Als de Rudder von den Heilungen in der kürzlich nachgebildeten Lourdesgrotte im flämischen Oostacker hörte, beschloss er eine Wallfahrt dorthin zu unternehmen. Am Morgen des 7. April 1875 machte er sich auf den Weg und erreichte, gestützt von seiner Frau, die ersehnte Grotte. Völlig erschöpft ließ er sich auf eine Bank nieder, stillte den Durst mit dem Wasser der Grotte und fühlte sich daraufhin ein wenig wohler. Während er sich dann in tiefem Vertrauen in das Gebet versenkte, erfasste ihn eine eigentümliche Unruhe. Nahezu außer sich stand er auf, ging ohne Krücken umher und warf sich vor dem Bild seiner himmlischen Mutter auf die Knie. Nach einigen Minuten innigen Gebets kam er wieder zu sich und merkte zu seinem Erstaunen, dass er seine Krücken nicht hatte. Er wandte den Blick zur Jungfrau empor und betete: „O Maria, hier kniee ich vor deinem Bilde.... Ich danke, danke dir.“ 41
Als er seine Krücken sah, stand er auf und stellte sie an den Felsen der Grotte. Seine Frau wurde fast ohnmächtig und die Umstehenden brachen in Tränen aus.
Die Konsolidierung des Knochens ereignete sich innerhalb weniger Minuten. In den folgenden Tagen untersuchte Dr. Affenaer sein geheiltes Bein und bemerkte: „Sie sind gründlich geheilt.“42

Medizinisches Gutachten:
Diagnose: Offener Bruch beider Knochen im oberen Drittel des linken Unterschenkels mit Ausbleiben der knöchernen Überbrückung (Pseudarth-
rose).
Prognose: Keine Aussicht auf Heilung (infaust quoad valetudinem).
Therapie: Ausgesetzt, weil unwirksam.
Art der Heilung: Plötzlich, vollständig und dauerhaft, medizinisch nicht erklärbar.

Kirchliche Approbation:
Am 25. Juli 1908 wurde die Heilung von Pieter de Rudder durch Bischof Gustave Waffelaert aus Brügge (Belgien) als Wunder anerkannt.43


2. Wunderheilung von Floribeth Mora Díaz

Als Wunder zur Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. wurde die Heilung von Floribeth Mora Díaz von einem Aneurysma anerkannt.
Floribeth Mora Díaz wurde am 19. Juni 1963 in San José in Costa Rica geboren. Sie ist verheiratet mit dem Polizisten Edwin Arce Abarca und Mutter von vier Kindern sowie Großmutter (Abb. 10).

Floribeth Mora DiazAls Floribeth am 8. April 2011, wie gewohnt, frühmorgens aufstand, verspürte sie heftige Kopfschmerzen auf der rechten Seite, die auch zum Erbrechen führten. Ihr besorgter Ehemann brachte sie sofort zur Ersten Hilfe des „Max Peralta“ Spitals in Cartago, 25 km östlich von San José, der Hauptstadt Costa Ricas. Die Ärzte verabreichten ihr zur Schmerzlinderung intramuskulär das Schmerzmittel „Voltaren“ und verordneten ihr Ruhe. Der Mann beschloss daraufhin, mit Frau und Kindern Ferien zu machen. Die Kopfschmerzen dauerten jedoch an und steigerten sich dermaßen, dass Floribeth bei jeder Bewegung heftige Schmerzen verspürte. Sie ersuchte daher von Neuem, zum Arzt gebracht zu werden.
Am 13. April wurde Floribeth in das „Calderon Guardia“-Spital in Costa Rica eingeliefert, das auch über eine neurochirurgische Abteilung verfügt. Am 14. April wurde eine Angiographie (Katheteruntersuchung) durchgeführt, die ein Aneurysma fusiforme (spindelförmige Gefäßerweiterung) der mittleren Gehirnschlagader (Arteria cerebri media) von 2 cm Länge und 0,60 cm Breite zutage förderte.  
Die Arteria cerebri media ist eines der drei arteriellen Hauptgefäße des Gehirns. Sie ist der seitwärts gerichtete Endast der Arteria carotis interna und daher Bestandteil des arteriellen Gefäßrings an der Gehirnbasis (Circulus arteriosus cerebri). In ihrem Verlauf gibt sie mehrere kleine Äste ab, mit denen Teile des Großhirns mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgt werden.
Aufgrund des ernsten Befundes beriet sich der behandelnde Arzt, Dr. Alejandro Vargas Romàn, mit anderen Fachkollegen, die sich hinsichtlich der Schwere des klinischen Bildes und des Ausschlusses eines chirurgischen Eingriffes einig waren. Ein derartiger Eingriff hätte zu fatalen Folgen führen können, da in Costa Rica die Spitalsvoraussetzungen zur Durchführung eines intrakraniellen Gefäß-Bypasses fehlten. Als einzige Lösung wurde eine Daueraufzeichnung des arteriellen Druckes angewendet. Die Diagnose war also sehr beunruhigend und die Prognose reserviert: Bruch des Aneurysma fusiforme der mittleren Gehirnschlagader mit einer Subarachnoidalblutung, also einer Blutung, die sich zwischen der dem Gehirn anliegenden weichen Hirnhaut und der Spinngewebshaut (Arachnoidea) ausbreitete.
Floribeth konnte nicht geholfen werden. Es wurde ihr nur noch ein Monat Lebenszeit gegeben. So kehrte sie am 18. April 2011 nach Hause zurück und blieb unbeweglich im Bett. Sie durfte sich nicht anstrengen, sondern musste sich dem Verlauf ergeben, zumal es keine Möglichkeit der Heilung gab.
Am 1. Mai 2011 feierte man auf dem Petersplatz in Rom die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II., die Floribeth um 2 Uhr Ortszeit im Fernsehen mitverfolgte. Mit einem Bildchen Johannes Pauls II. in Händen vertraute sie sich ganz seiner Fürbitte zur Heilung an. Dann schlief sie ein. Als sie am darauffolgenden Morgen um 8 Uhr erwachte, fühlte sie sich besser. Sie hörte eine Stimme, die ihr gebot: „Steh auf!“ Sie vernahm zwar die Stimme, sah aber niemanden im Zimmer, sie war allein. Da hörte sie neuerlich: „Steh auf, hab keine Angst!“ Floribeth stand auf und ging in die Küche. Ihr Mann fragte erschrocken: „Meine Teure, was machst du hier?“ Sie antwortete: „Ich fühle mich wohl.“
Es folgten eingehende medizinische Kontrollen. Am 11. November 2011 wurde Floribeth im Spital einer Magnetresonanz-Tomographie unterzogen. Der Neurochirurg Alejandro Vargas Romàn bestätigte anhand der gewonnenen Daten, dass von einem Aneurysma keine Spur mehr zu sehen war und die Gefäßstruktur sich normalisiert hatte. Dafür gab es wissenschaftlich keine Erklärung. Eine zweite Magnetresonanz-Tomographie am 16. Mai 2012 erbrachte dann das gleiche Ergebnis.
Floribeth kehrte nach Hause zurück, erholte sich und ging der gewohnten Arbeit nach. Als sich der Gesundheitszustand als dauerhaft erwies, verfasste sie am 2. Februar 2012 eine Mitteilung über ihre Heilung und platzierte diese als Beitrag für den Heiligsprechungsprozess von Johannes Paul II. auf der Website KarolWojtyla.org.
 

Kirchliche Untersuchung
Zwei Monate später wurde Floribeth von der Kommission, die vom Erzbischof von San José / Costa Rica, Msgr. José Rafael, für das Diözesanverfahren einberufen wurde, zu Kontrolluntersuchungen eingeladen. Dabei äußerte der medizinische Experte der Kommission, Dr. Mariano Ramirez Cardobal, dass die medizinische Geschichte und die klinischen Dokumente und Bilder stimmten und dass er hier zum ersten Mal mit dem spontanen Verschwinden eines Aneurysmas konfrontiert sei.
Das Dossier der positiv verlaufenen Diözesanuntersuchung wurde sodann an den Postulator der Heiligsprechung Papst Joahnnes Pauls II., Msgr. Slawomir Oder, nach Rom geschickt und der Consulta Medica vorgelegt. Diese ersuchte ihrerseits Floribeth zur Überprüfung der zugesandten Unterlagen anhand eigener Untersuchungen nach Rom zu kommen. Dort wurde sie in einem Spital neuerlich allen Tests unterzogen, die das Fehlen jeglicher Spur eines Aneurysmas bestätigten.
Am 28. Februar 2013, dem letzten Tag der Amtszeit von Papst Benedikt XVI., wurde von der Consulta  Medica die Heilung von Floribeth Mora Díaz von einem Aneurysma einstimmig als wissenschaftlich nicht erklärbar bezeichnet.
Daraufhin approbierte Papst Franziskus bereits am 5. Juli 2013 die Heilung als Wunder, während die Kardinäle und Bischöfe erst am 30. September 2013 zur Ordentlichen Sitzung (Congregatio ordinaria) zusammentraten, nachdem die Theologenkommission die an den Diener Gottes Johannes Paul II. gerichtete Anrufung und die auf dessen Fürbitte bewirkte Heilung einstimmig bejaht hatte. In dieser Sitzung anerkannten auch die Kardinäle und Bischöfe die Heilung von Floribeth Mora Díaz als Wunder, insofern sie von Gott in einer wissenschaftlich nicht erklärbaren Form auf die Fürbitte von Papst Johannes Paul II. bewirkt wurde, nachdem dieser von der Geheilten selbst und von vielen anderen Gläubigen angerufen worden war.
Heiligsprechung Johannes Pauls II.
Die Heiligsprechung Johannes Pauls II. erfolgte am 27. April 2014, an der Floribeth Mora Díaz mit ihrem Mann und zwei Söhnen teilnahm und eine Blutreliquie Johannes Pauls II. zum Altar trug.44

V. MYSTIK

Am Schluss dieses Berichtes über außergewöhnliche Erfahrungen möchte ich nur noch auf die mystische Erfahrung verweisen, wenngleich diese den Rahmen der außergewöhnlichen Erfahrung bereits übersteigt. Bei der echten mystischen Erfahrung, wird die Raum-Zeit-Schranke überschritten, weshalb man nicht mehr von Erfahrung, sondern von Schauung spricht.
Die großen Mystiker wissen hier jedoch mehr zu berichten. So schreibt Theresa von Avila, dass die mystische Vermählung in innersten Seelengrund vor sich geht:

„Was Gott hier der Seele in einem Augenblick mitteilt, ist ein so großes Geheimnis, eine so hohe Gnade und erfüllt sie mit so unermesslicher Wonne, dass ich es mit nichts anderem vergleichen kann als mit der himmlischen Glorie, die der Herr für jenen Augenblick offenbaren will, und zwar auf so erhabene Weise, wie es bei keiner anderen Schauung oder geistigen Süßigkeit geschieht. Man kann darüber nicht vielmehr sagen, als dass nun die Seele oder vielmehr der Geist der Seele, soweit man es erkennen kann, eins mit Gott geworden ist.“45  


VI. SCHLUSSBEMERKUNG

Am Schluss dieser Darlegung einiger außergewöhnlicher Erfahrungsformen soll nur noch darauf verwiesen werden, dass der rein psychologische Ansatz zur Klärung des Außergewöhnlichen nicht ausreicht. Im religiösen Kontext stoßen wir nämlich auf Phänomene, die über den Begriffskodex der Psychologie hinausreichen und die Frage der Transzendenz aufwerfen, die nur erahnt, aber nicht bewiesen werden kann.

Anmerkung

1 J. G. Pratt: Der Durchbruch zur ASW (1966), S. 339 –346.

2 S. G. Soal / F. Bateman: Modern Experiments in Telepathy (1954).

3 M. Ryzl: Training the Psi Faculty by Hypnosis (1962); M. Ryzl / J. Freeman / B. K. Kanthamani: A Confirmatory ESP Test with Stepanek (1965); M. Ryzl: Versuch einer willkürlichen ASW-Kontrolle (1970); ders.:Theorien über die Natur von ASW (1970).

4 A. Vaughan / M. Ullman / S. Krippner: Dream Telepathy (1973).

5 J. Milton / R. Wiseman: Ganzfeld and the Crossroads (1997).

 6 F. Newport / M. Strausberg: Americans’ Belief in Psychic and Paranormal Phenomena is up over last Decade (2001).

7 Vgl. J. Utts: An Assessment of the Evidence for Psychic Functioning (1996), S. 44.

 8 Chr. Mylius: Traumjournal (1976).

 9 St. Schmidt: Außergewöhnliche Kommunikation (2002), S. 45.

 10 Cajus Plinius Secundus des Jüngeren Werke (1827), S. 312 – 313.

11 E. Haraldsson / J. M. Houtkooper: Psychic Experiences in the Multinational Human Values Study (1991).

 12 A. Resch: Der Fall Rosenheim (1968 / 69).

 13 Cajus Plinius Secundus des Jüngeren Werke, S. 313 – 315.

 14 M. Huesmann: Steckbrief des Spuks (1992).

 15 Internationale Klassifikation psychischer Störungen (92014).

 16 Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen (2003).

 17 E. Bourguignon: Religion, Altered States of Consciousness, and Social Change (1973); G. Gagliardi / M. Margnelli: Psychologische und psychophysiologische Betrachtungen zum Ritus des Exorzismus im christlich-katholischen Bereich (1991), S. 12.

 18 G. Gagliardi / M. Margnelli: Psychologische und psychophysiologische Betrachtungen, S. 12.

 19 Ebd., S. 13 – 19.

 20 G. Capra: Erfahrungen eines Diözesanexorzisten (1997).

 21 Ders., ebd., S. 484.

 22 Ebd., S. 480 – 481.

23 Ebd., S. 484.

24 Ebd., S. 485 – 486

25 De Exorcismis et Supplicationibus quibusdam. Typis Vaticanis MIM, S. 67.

 26 A. Resch: Wunder der Seligen 1983 – 1990 (1999); ders.: Wunder der Seligen 1991 – 1995 (2007).

 27 A. Resch: Die Wunder von Lourdes (2009). 

 28 A. Resch:  Die wahren Weltwunder (2013).

 29 Benedictus xiv.: De Lambertinus Opus De Servorum Dei, Tomus IV (MDCCCXLI), cap. VIII, 3 – 5, S. 88: “Dictum, morbum debere esse gravem, et vel impossibilem, vel curatu dificilem, ut sanatio miraculo sit adscribenda ...”

30 Ebd., cap. VIII, 6, S. 90: “Quod attinet ad secundum, ut videlicet morbus non sit in ultima parte status, ita ut non multa post delinare debeat, ...”

31 Ebd., cap. VIII, 6 – 7, S. 90.

32 Ebd., cap. VIII, 8, S. 90 – 91: “Posita applicatione medicamentorum, pro regula statui potest, in judicio ferendo, sanationem non miraculo, se viribus medicamentorum esse adscribendam; dummodo tamen medicamenta fuerint apta et potuierint proficere....”; vgl. cap. VIII, 9 – 11, S. 91 – 93.

33 Ebd., cap. VIII, 12, S. 93: “Succedit quartum requisitum, ut sanatio videlicet subita sit, et fiat in istanti...”, vgl. cap. VIII, 12 – 18, S. 93 – 97.

34 Ebd., cap. VIII, 19, S. 97: “videlicet ut sanatio miraculo adscribatur, debet etiam esse perfecta, non manca, aut concisa”.

35 Ebd., cap. VIII, 19 – 25, S. 97 – 102.

36 Ebd., cap. VIII, 26, S. 102: “Sextum itaque requisitum est, ut nulla notatu digna evacuatio, seu crisis praecedat cum causa”.

37 Ebd., cap. VIII, 27, S. 102: Juxta Galenum in 3. de crisibus, triplici modo potest natura santitatem inducere, per decubitum, per crisim, et per simplicem solutionem.” Mit decubitus wird die Absonderung schädlicher Säfte von vornehmen Teilen in die nicht vornehmen wie Knie, Füße bezeichnet (“Decubitus est depositio humoris peccantis a parte nobili ad ignobilem”); crisis besagt die plötzliche und rasche Änderung der Krankheit (Crisis ab eodem definitur 3. aphor. 13. Subita ac repertina in morbo mutatio).

38 Ebd., cap. VIII, 31, S. 103: “Quod attinet ad ultimum, ne scilicet morbus sublatus redeat... Sufficit ergo, quod sanitas fuerit verosimiliter duratura”; vgl. cap. viii, 29 – 36.

 39 F. Veraja: Heiligsprechung (1998).

 40 A. Resch: Die Wunder von Lourdes, S. 9 – 13.

 41 P. G. Boissarie: Die großen Heilungen von Lourdes (1902), S. 52.

42 Th. Mangiapan: Les Guérisons de Lourdes (1994), S. 73. 

 43 A. Resch: Die Wunder von Lourdes, S. 25.

 44 A. Resch: Heilung von Floribeth Mora Díaz (2014).

 45 Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu (21952), S. 208 – 209.

 

L i t e r a t u r

Benedictus xiv.: De Lambertinus Opus De Servorum Dei Beatificatione et Beatorum Canonizatione, in septem volumina distributum. Editio novissima ad postremam remondinianam exacta. Tomus IV. Prati MDCCCXLI, cap. VIII.
Boissarie, Prosper G.: Die großen Heilungen von Lourdes. Lingen a.d. Ems: R. van Acken, 1902.
Bourguignon, Erika: Religion, Altered States of Consciousness, and Social Change. Columbus: Ohio State Univ. Press, 1973.
Caius Plinius Secundus des Jüngeren Werke. Stuttgart: Verlag der J. B. Metzler’schen Buchhandlung, 1827.
De Exorcismis et Supplicationibus quibusdam. Typis Vaticanis MIM.
Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen: Textrevision – DSM-IV-TR. Göttingen: Hogrefe, 2003.
Die Seelenburg der heiligen Theresia von Jesu. Mit einem Anhang: Gedanken über die Liebe Gottes / Rufe der Seele zu Gott / Kleinere Schriften. Übers. u. bearb. v. P. Aloysius Alkofer. München / Kempten: Kösel, 21952.
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Mangiapan, Thédore: Les Guérisons de Lourdes. Étude historique et critique depuis l’origine à no jours. Éditions Oevre de la Grotte, Mai 1994.
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Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch, IGW, Maximilianstr. 8, A-6020 Innsbruck
info@igw-resch-verlag.at

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