Andreas Resch: Pina Suriano

PINA SURIANO

(1915 – 1950)

MITGLIED DER
KATHOLISCHEN AKTION

Selig: 5. September 2004
Fest: 19. Mai

PINA SURIANO wurde am 18. Februar 1915 in Partinico, einer ländlichen Gegend in der Provinz Palermo, Erzbistum Monreale, geboren. Sie war das erste Kind der jungen Eheleute Giuseppe Suriano und Graziella Costantino, die von den bescheidenen, aber sicheren Erträgen aus der Feldarbeit lebten. Bei der Taufe am 6. März 1915 erhielt die Kleine in der damals einzigen Pfarrkirche von Partinico, Maria SS. Annunziata, den Namen Giuseppina (Josefina). Sie wurde dann aber immer Pina gerufen und war auch unter diesem Kurznamen bekannt.

Behütet von den Eltern, lebte Pina damals zusammen mit ihrer Familie im großen Haus ihrer Großeltern, die sie als erstes Enkelkind mit Liebe überhäuften. Von ihnen bekam sie die ersten moralischen und religiösen Grundsätze mit auf den Weg, die dann vom vierten Lebensjahr an im Kindergarten der Schulschwestern von San Antonio noch vervollständigt wurden. 1921 wurde sie mit sechs Jahren in die Gemeindeschule von Partinico eingeschrieben, wo sie fünf Jahre lang Margherita Drago zur Lehrerin hatte, von der sie als Erste ihrer besonderen Tugenden wegen aufrichtig bewundert wurde. Pina liebte die Schule über alles: sämtliche Fächer fanden ihr Interesse und erfüllten sie mit Freude.

1922 empfing sie innerhalb weniger Tage die Sakramente der Beichte, der Erstkommunion und der Firmung. Im gleichen Jahr trat sie der Katholischen Aktion (K.A.) bei, zunächst als Nesthäkchen, dann als Aspirantin und junges Mädchen. Pina war noch keine 12 Jahre alt, als sie mit tiefem kirchlichen Empfinden begann, am Pfarr- und Diözesanleben teilzunehmen. Sie engagierte sich aktiv in allen Initiativen der K.A. und nahm sich der aus lokalen Bedürfnissen erwachsenden Probleme an. Die Pfarrei wurde zum zentralen Motor ihrer Tätigkeit, in voller Zusammenarbeit mit dem Pfarrer Don Antonio Cataldo, ihrem Beichtvater und Spiritual.

Als 1937 die neue Pfarrei der Muttergottes vom Rosenkranz errichtet wurde, zu der Pina territorial gehörte, setzte sie ihre Tätigkeit dort mit Begeisterung fort. Der erste Pfarrer, Don Andrea Soresi, war auch ihr erster Beichtvater und Spiritual und später dann ihr Biograf. 1938 wurde sie zur Delegierten der minderjährigen weiblichen Sektionen – Engelchen, Kleinste, Nesthäkchen, Aspiranten – ernannt. Mit prophetischer Intuition wusste sie, ihnen die evangelischen Ideale vorzulegen und ihnen zu helfen, diese zu leben, vor allem durch Beispiel und Zeugnis. Und alle profitierten davon, weil sie durch dieses ganz dem Herrn geweihte und der sozialen, moralischen und spirituellen Entwicklung verpflichtete Mädchen aus einem enormen Reichtum schöpfen konnten. In der Tat brachte ihre innere Ruhe Pina von Kindheit an dazu, sich für die einfachen Dinge des Lebens zu interessieren, für Dinge, die um einen Sinn des Religiösen kreisten, der selbst bei ihrer Arbeit in der K.A. nicht alltäglich war.

An Pina – die in der K.A. mit der Formation der Nesthäkchen und Aspirantinnen betraut war, die geistlichen Exerzitien für die Mitglieder der weiblichen Jugend organisierte, in der Pfarrei die Katechese für die Brautleute besorgte, die Liturgie durch ihr Orgelspiel belebte, Unterricht im Zuschneiden und Nähen erteilte, zur Bereicherung der Pfarrbibliothek aus der Kasse der K.A. Bücher und Schriften kaufte – schätzten ihre Freundinnen unbestreitbar die Loyalität und Ehrlichkeit, die Herzlichkeit und das menschliche Feingefühl, aber auch das christliche Beispiel, den apostolischen Enthusiasmus, die evangelische Klugheit und die Fähigkeit, angemessene und nützliche Ratschläge zu geben, manches unruhige Gewissen aufzuheitern, Streitigkeiten beizulegen, Ressentiments zu zerstreuen und Vertrauen aufzubauen.

Die Liebenswürdigkeit im Überzeugen ihrer Gesprächspartner in klaren und unmittelbaren Diskursen, das Lächeln und die Schlichtheit, von der in den gesammelten Zeugenaussagen der „Positio“ die Rede ist, ihre „grenzenlose Güte“ und ihre „unermüdliche und wohltuende Tätigkeit“ ließen sie – um die Worte eines Zeugen zu gebrauchen – zum Herz der Pfarrei werden. Sie wurde von allen ausnahmslos geschätzt.

Zum Beweis dafür, dass sich der religiöse Einsatz Pinas einer sehr präzisen und überzeugten Lebenswahl verdankte, bot sich das Gelübde der Keuschheit an, das sie privat am 29. April 1932 in der Kirche der Töchter der Barmherzigkeit und des Kreuzes ablegte. Die Worte, die sie dabei sprach und an jenem Tag in ihr Tagebuch schreiben wollte: „An diesem feierlichen Tag, mein Jesus, will ich mich enger an Dich binden und versprechen, mich immer rein und keusch zu halten, um eine würdige und makellose Lilie in Deinem Garten zu sein.“ Der Ernst des abgelegten Gelübdes geht auch daraus hervor, dass Pina dieses mit Erlaubnis des Spirituals jeden Monat erneuerte und als Konsequenz davon die verschiedenen Heiratsanträge, die ihr mehrere junge Männer machten, welche von ihrer Anmut und ihrem Äußeren angetan waren, freundlich, aber entschieden zurückwies.
Von 1939 bis 1948 war Pina Sekretärin der K.A. und für die Zeit von 1945 bis 1948 wurde sie, obwohl sie zur Sektion der Frauen gehörte, auf dringliche Bitte der Mädchen zu deren Präsidentin ernannt. Gleichzeitig arbeitete sie weiterhin in ihrer Funktion als Sekretärin. 1948 gründete sie den Verein der Töchter Mariens und war bis zu ihrem Tod die Vorsitzende dieser neuen Union.

Der Beitritt Pinas zur K.A. ist eine Realität, die man sich vor Augen halten muss, denn die Interessen, die sie seit damals pflegte, die Bestrebungen und ihrem Leben eigenen religiösen Handlungen waren vom Bewusstsein motiviert, Mitglied eben dieser Organisation zu sein. Das erklärt unter anderem auch, wie sie im Lauf der Jahre zu einer Expertin des Lebens und der Botschaft Jesu, der Mission der Kirche und der Berufung der Menschen zur Heiligkeit werden konnte. Sie legte ihrem Apostolat das Gebet, das Opfer, die hl. Messe, die tägliche Kommunion und Meditation zugrunde, wobei sie das Wort Gottes studierte und dem kirchlichen Lehramt folgte.
Besondere Erwähnung verdient das Verhältnis Pinas zu ihrer Familie, denn obwohl sie sich in diesem Bereich in allen Diensten, die man ihr auferlegte, und im Gehorsam den Eltern gegenüber als die perfekte Tochter erwies, wurde sie bezüglich ihrer religiösen Praktiken mit der totalen Ablehnung seitens ihrer Mutter konfrontiert. Diese wollte vor allem nicht, dass Pina so viel Zeit in der Kirche verbringe, weil das die Heiratsgedanken, die sie für ihre Tochter hegte, zunichte machte.

Pina unternahm die verschiedensten Versuche, um sich ihren Wunsch zu erfüllen, Ordensschwester zu werden, doch stand sie vor unüberbrückbaren Schwierigkeiten. Während sie betete, in der Hoffnung, den Segen der Eltern zu erhalten, um ins Kloster zu gehen, nahm sie in kirchlichem Geist am Leben der Pfarrei und der Diözese teil, sei es als Mitglied und Leiterin der K.A. oder als Präsidentin der Frommen Union der Töchter Mariens.

Als sie schließlich im Februar 1940 die Erlaubnis erhielt, in das Kloster einzutreten, machte ihr unerwartet ihre Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Sie hatte von den Ihren zu Hause und von den Schwestern der Gemeinschaft Abschied genommen in der Freude, nun endlich ihren Traum zu krönen. Am 15. Februar 1940 war sie in das Kloster der Töchter der hl. Anna in Palermo eingetreten, musste aber nach acht Tagen nach Hause zurückkehren, weil bei der medizinischen Visite ein Herzproblem festgestellt worden war. Aufgerichtet durch den Rat des hl. Pio da Pietrelcina, erlebte sie das schleichende Martyrium einer nicht verwirklichten Berufung. Als sie jeden Weg zum Ordensleben verschlossen sah, wollte Pina Jesus den letzten Beweis ihrer immensen Liebe geben und bot sich am 30. März 1948, zusammen mit drei weiteren Gefährtinnen, als Opferlamm für die Heiligung der Eltern und der Priester an – ein Vorsatz, den sie schon lange gehegt hatte, wie in ihrem Tagebuch vom 11. März 1935 zu lesen ist: „Und wenn mein Spiritual mir erlaubte, mich als Opferlamm für sie und die Priester anzubieten, oh! Meine Freude wäre vollkommen!“

Bevor im September 1948 Pinas schmerzlicher Leidensweg begann, hatte sie die überaus große Genugtuung, aus Anlass des 30. Jahrestages der weiblichen Jugend der K.A. an einer Wallfahrt nach Rom teilnehmen zu können. Es war dies ein wahrlich außergewöhnliches Zusammentreffen von ihrem Angebot als Opferlamm, das sie im März 1948 gemacht hatte, und dem Auftreten einer dermaßen heftigen Arthritis, die einen Herzfehler verursachte, der sie das Leben kosten sollte. Dennoch lieferte Pina weiterhin hervorragende Beispiele an Vollkommenheit – hocherfreut darüber, dass ihr Vorschlag, als Opferlamm zur Heilung der Priester zu dienen, erhört wurde.

Als ob sie den Tod vorausahnte, war es ihr sehnlichster Wunsch, am 24. Juni 1950, dem Tag der Heiligsprechung von Maria Goretti, als Pilgerin in Rom anzukommen und ihre Wallfahrt am Grab der hl. Agnes zu beenden. Dieser Traum ging jedoch nicht mehr in Erfüllung, da Pina am 19. Mai 1950 in Partinico plötzlich an Herzinfarkt starb.

Aus der großen Anteilnahme der Menschen im Aufbahrungsraum und bei der Trauerfeier wurde deutlich spürbar, dass die Verstorbene in der öffentlichen Meinung als Heilige galt. Am Tag nach dem Sterbegottesdienst in der Pfarrei der Muttergottes vom Rosenkranz wurde Pinas Leichnam im Familiengrab auf dem Gemeindefriedhof von Partinico beigesetzt. Am 18. Mai 1969 erfolgte die endgültige Überführung in die Pfarrkirche Sacro Cuore in Partinico, Provinz Palermo.

Am 5. September 2004 wurde Pina Suriano von Papst Johannes Paul II. in Loreto seliggesprochen.

Resch, Andreas: Die Seligen Johannes Pauls II. 2001 – 2004. Innsbruck: Resch, 2015 (Selige und Heilige Johannes Pauls II; 6). XIV, 482 S., 110 Farbtaf., ISBN 978-3-85382-099-5, Ln; EUR 48.60 [D], 49.90 [A]

Bestellmöglichkeit: info@igw-resch-verlag.at