
MARIA VON JESUS SANTOCANALE
(Karolina)
(1852-1923)
GRÜNDERIN DER
KAPUZINERINNEN DER
UNBEFL. EMPFÄNGNIS
VON LOURDES
Heilig: 15. Mai 2022
Fest: 27. Januar
Maria von Jesus Santocanale (bürgerlich: Karolina) wurde am 2. Oktober 1852 in Palermo als Tochter von Giuseppe Santocanale, Baron von Celsa Reale, und Caterina Andriolo Stagno geboren. Bei der Taufe am darauffolgenden 4. Oktober erhielt sie die Namen Karolina Concetta Angela. Die Mutter, eine sehr religiöse, tugendhafte und gute Frau, spielte bei der Formung des Charakters und der Spiritualität ihrer Tochter eine grundlegende Rolle.
Schon in jungen Jahren verspürte Karolina eine besondere Begeisterung für alles Religiöse. Ihre Schulausbildung erhielt sie zu Hause durch zwei Lehrerinnen, die sich auch um ihre künstlerische und musikalische Bildung kümmerten und ihr zudem Französisch beibrachten. Diplome oder Studienabschlüsse hat sie nie erworben.
Mit 19 Jahren äußerte sie ihren Eltern gegenüber zum ersten Mal den Wunsch, ihr Leben Gott zu weihen. Der Vater hegte jedoch andere Hoffnungen. Obwohl er einerseits akzeptierte, dass seine Tochter besonders gläubig war, erlaubte er andererseits nicht, dass sie Nonne werde. In der Pfarrei Sant’Antonio Abate in Palermo war der Pfarrer gerade mit der Errichtung der Frommen Union der Töchter Mariens befasst. Als Karolina ihn bat, beitreten zu dürfen, wollte er sie, wegen ihres eifrigen apostolischen Geistes, als deren Leiterin. Sie folgte dem Auftrag etwa 15 Jahre lang.
In dieser Zeit besuchte sie regelmäßig das Haus ihrer Großeltern in Cinisi in der Erzdiözese Monreale, auch um ihrem kranken Großvater beizustehen, der nicht mehr lange zu leben hatte. Hier traf sie den Erzpriester Don Mauro Venuti, den sie als gebildeten Priester und Mann Gottes schätzte, und vertraute sich seiner geistlichen Führung an. Das Ideal des geweihten Lebens war für Karolina der Eintritt ins Kloster, wie sie es von Jugend an verfolgt hatte. Als sie jedoch sah, wieviel Hilfe und Anleitung die Menschen nötig hatten und ihr bewusst wurde, wieviel Gutes sie den Ärmsten, den Kranken und den Mädchen tun konnte, beschloss sie, ihr Leben Werken der Nächstenliebe zu widmen. In Cinisi begann sie damit, zwei Mädchen und einen behinderten jungen Mann im Katechismus zu unterrichten.
1884 zwangen sie starke Schmerzen in den Beinen, 16 Monate lang das Bett zu hüten. Es war dies der Beginn vieler körperlicher Gebrechen, die Karolina ihr ganzes Leben begleiteten sollten und die sie stes mit vorbildlichem Glauben und großer Geduld ertrug. Als sie wieder gesund war, wechselte sie auf Anraten von Don Mauro Venuti zu einer radikaleren franziskanischen Spiritualität. Drei Jahre später zog sie endgültig nach Cinisi. Sie verstand es, den jungen Frauen mit Aufmerksamkeit und mütterlichem Geist zu begegnen und gab dem pfarrlichen Leben einen starken Impuls. Die Frauen trafen sich vermehrt in Zusammenkünften und alle Kinder bekamen Katechismusunterricht. Am 13. Juni des Jahres erhielt sie in der kleinen Kirche des Collegio di Maria aus den Händen von Don Venuti den schwarzen Habit der Terziarinnen und nahm den Namen Schwester Maria von Jesus an. Die Einwohner von Cinisi nannten sie aufgrund ihrer adeligen Herkunft „die Dame“, doch wurde sie vor allem wegen ihrer Demut und dem Geist des Dienens bewundert und geschätzt, besonders wenn sie die Kranken in ihren Häusern aufsuchte.
Weitere junge Frauen schlossen sich ihr an. Am 11. Februar 1891 zog die Gemeinschaft in das Haus, das einst den Großeltern von Santocanale gehört hatte. Am 6. Januar 1892 legte sie ihre jährlichen einfachen Gelübde ab und ersuchte darum, im Haus ein Oratorium einrichten zu dürfen, wo man die Messe feiern und die Eucharistie aufbewahren konnte, was ihr auch gewährt wurde. Von diesem Augenblick an verbrachte sie jede freie Minute, teilweise auch nachts, vor dem Tabernakel. Zwischen März und Juni 1896 wurde ein Waisenhaus eröffnet und die Arbeit erlebte eine bemerkenswerte Entwicklung mit der Einrichtung einer Kinderkrippe, eines Internats und einer Nähstube. 1908 stellte Sr. Maria von Jesus in der Kapelle das Bild der Unbefleckten Jungfrau von Lourdes mit der heiligen Bernadette auf, der sie besonders verbunden war.
Sr. Maria träumte davon, dass ihre kleine Kommunität, deren Gemeinschaftsleben der Erzbischof nur brieflich genehmigt hatte, als echte Ordensfamilie anerkannt würde. Damals traf es sich, dass anlässlich eines Exerzitienkurses der Kapuziner Giovanni Maria Schiavo auf sie und ihre Schwestern aufmerksam wurde. Er nahm sich deren Anliegen zu Herzen und verfasste die Konstitutionen für die neue Kongregation, erwirkte ihre Angliederung an den Orden der Kapuziner Minderbrüder und setzte sich für ihre kanonische Errichtung als Institut Diözesanen Rechts ein. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, wurde Sr. Maria von Jesus 1910 zur Gründermutter der Kapuzinerinnen der Unbefleckten Empfängnis von Lourdes erklärt. Zusammen mit ihr erhielten elf weitere Nonnen einen braunen Habit, ähnlich dem der Kapuziner. Am 11. Februar 1911 legte die Gründerin die Ordensgelübde ab und am 29. November des Jahres nahm sie die Gelübde der elf Novizinnen entgegen. Obwohl die Mittel knapp waren, wuchs die Gemeinschaft weiter. Eine bemerkenswerte Entwicklung nahm sie in den Jahren des Ersten Weltkriegs. So entstanden auch an anderen Orten neue Ordenshäuser, wie z.B. in Belmonte Mezzagno, Termini Imerese und Carini. Die von Mutter Maria instruierten Nonnen gingen an ihre Grenzen, mit Eifer, Großmut und unermüdlicher Nächstenliebe. Unter den Kleinen, die sie betreuten, kam es später mehrfach zu Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben.
Die apostolische Arbeit der Schwestern trug nicht zuletzt Früchte durch die großen Leiden, die Sr. Maria von Jesus zu ertragen hatte. Sie war sich dessen vollkommen bewusst, sodass sie immer, wenn es zu neuen Bedrängnissen kam, dem Herrn dafür dankte. Sie hatte ein ernstes gesundheitliches Problem, weshalb sie sich einem chirurgischen Eingriff unterzog. Vor allem aber waren es die moralischen Prüfungen, in denen sie außerordentliche Stärke bewies. So unterwarf sie sich in vollem Gehorsam den Entscheidungen des neuen Erzbischofs von Monreale, Msgr. Antonio Augusto Intreccialagli, auch wenn es sehr schmerzlich war, diese zu akzeptieren. Voller Hoffnung im Herzen war sie überzeugt, dass Gottes Plan alles zum Guten führen würde. Und so geschah es, dass im Januar 1923 jedwedes Missverständnis ausgeräumt war.
Die beiden sorgenvollen und von Bitterkeit geprägten Jahre zuvor hatten jedoch auch die physische Gesundheit von Mutter Maria stark beeinträchtigt. Einige Angina-Pectoris-Schübe deuteten auf ein baldiges Ende hin. Sie starb am 27. Januar 1923, unter Anrufung des Herrn, der Madonna und des hl. Josef, den sie ihr „Alterchen“ nannte. Die Wertschätzung, die ihr die Einwohner von Cinisi zu Lebzeiten und bei ihrer Beerdigung entgegenbrachten, gipfelte genauer gesagt im Ruf der Heiligkeit. So meinte jemand: „Sie hatte das Zeug zu einer echten Heiligen, die man zum Modell nehmen könnte.“
Das für die Seligsprechung erforderliche Wunder wurde am 14. Dezember 2005 anerkannt.
Am 12. Juni 2016 wurde Maria von Jesus Santocanale in Monreale von Kardinal Angelo Amato im Auftrag von Papst Franziskus seliggesprochen.
Die Heiligsprechung erfolgte am 15. Mai 2022, zusammen mit neun weiteren Seligen, durch Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom.