Andreas Resch: Maria Romero Meneses

MARIA ROMERO MENESES

(1902 – 1977)

PROFESSSCHWESTER
DES INSTITUTS DER TÖCHTER MARIAE, HILFE DER CHRISTEN
(DON BOSCO-SCHWESTERN)

Seligsprechung: 14. April 2002
Fest: 7. Juli

MARIA ROMERO MENESES wurde am 13. Januar 1902 als drittletztes von 13 Kindern des Félix Romero Arana und der Ana Meneses Blandón in Granada, Nicaragua, geboren. Von den Kindern überlebten nur acht. Bei der Taufe am 20. des Monats bekam sie den Namen Maria. Wie es Brauch war, erhielt sie am gleichen Tag auch die Firmung. Die Familie von alter spanischer Herkunft war sehr begütert, aber gleichzeitig sensibel für die Bedürfnisse der Notleidenden, denen sie regelmäßig großzügige Unterstützung zukommen ließ. 1904 wurde Maria in die Obhut der Großmutter gegeben, weil die Mutter erneut Nachwuchs erwartete. Beim Tod der Großmutter kehrte sie in die Familie zurück.

Die ersten schulischen Kenntnisse bekam Maria von ihren Tanten vermittelt, die eine Privatschule unterhielten. Vor allem in künstlerischen Fächern wie Musik und Malerei zeigte Maria ein echtes Talent.

1913 kamen die Don Bosco-Schwestern nach Granada und eröffneten eine Mittelschule mit Internat. Maria besuchte ihre Schule von Anfang an und setzte nebenbei ihre Ausbildung in Violine und Klavier fort. 1914 zog sie sich ein schweres rheumatisches Fieber zu und man befürchtete, dass sie dieses nicht überstehen würde. Doch eines Tages sagte sie mit strahlendem Gesicht: „Ich weiß, dass mich die selige Jungfrau heilen wird.“ Und so geschah es auch bald. Am 8. Dezember 1915 wurde sie in die Gemeinschaft der Don Bosco-Schwestern aufgenommen und gab das Versprechen, die Tugenden der seligen Jungfrau nachzuahmen. In Gegenwart ihres Spirituals legte sie privat das Gelübde der Keuschheit ab. Später schrieb sie: „Ich war entschlossen, mich meinem Herrn und König nicht nur für ein Jahr zu weihen, sondern für immer!“ In der Zwischenzeit lernte sie Don Bosco kennen und seine Gestalt als großer Apostel der Jugend schien ihr sofort passend.

1920, mit 18 Jahren, eröffnete Maria ihren Eltern, dass sie eine Salesianerin Don Boscos werden wolle. 1921 verließ sie die Familie und ging als Postulantin und anschließend als Novizin nach San Salvador. Nach Beendigung des zweijährigen Noviziats legte sie am 6. Januar 1923 die Ordensgelübde ab. In ein Notizbuch schrieb sie: „O Jesus, lehre mich, nur in deiner Liebe und für deine Liebe zu sprechen, zu arbeiten und zu leben!“

1924 wurde sie als Lehrerin für Musik, Gesang und Malerei von San Salvador in ihr Kolleg nach Granada in Nicaragua versetzt. Ihre Schülerinnen schätzten sie sehr, doch vermochte sie nicht die erforderliche Disziplin zu halten. Am 6. Januar 1929 legte sie die ewige Profess ab. Dabei wünschte sie sich, dass die Lilien des Heiligenscheins um die Statue der Madonna am Morgen jenes 6. Januar blühen mögen. Nach Ende der Feier rannte sie in den Hof, um die Madonna zu grüßen, und siehe da: sämtliche Lilien standen in Blüte!
1931 wurde Maria nach San José in Costa Rica versetzt, mit Wohnung im Inspektoratshaus, von wo aus sie ab sofort ihre mutige Reise auf den Wegen des Herrn antreten sollte. Sie wurde als Assistentin der Novizen und als Lehrerin für Musik, Zeichnen und Maschinschreiben eingesetzt. Ihre Lieblingsbeschäftigung war jedoch der Katechismusunterricht. Man erinnert sich an ihre Aussage: „Die Religion ist die Wissenschaft der Wahrheit, die göttliche Wissenschaft, die uns lehrt, Gott zu erkennen und zu lieben, und das Licht des Glaubens am Leuchten hält.“ 1934 begann sie außerhalb des Kollegs Katechismusunterricht zu geben und streifte daher durch die umliegenden Straßen auf der Suche nach Mädchen und Jungen.

Mit Unterstützung einiger Studentinnen des vorangegangenen Kurses, alle aus besserem Hause, und von der Oberin des Inspektorats dazu ermächtigt sowie mit dem Segen des Bischofs begann sie 1937 ihr Werk für die Armen und verstärkte die Katechesen. Mit großer Sensibilität und inspiriert von den Evangelien gelang es ihr, die jungen Schülerinnen zu gewinnen, die in den Ortschaften um die Hauptstadt unter den zum Teil verlassenen Kindern und den vom Schicksal geschlagenen Familien missionarische Arbeit leisteten (Schwester Maria nannte sie misioneritas, „kleine Missionarinnen“). Doch der Einzug der Armen in das Kolleg der Reichen missfiel der Kommunität und es breitete sich Unzufriedenheit aus, bis 1940 die Inspektorin „Maria, die Schwester der Armen“ in ein kleines Haus in der Nähe des Kollegs versetzte. 1941 gründete Maria dann unter den Heimbewohnerinnen sowie im Kolleg und unter ihren misioneritas die Katholische Aktion. 

Nach entsprechender Vorbereitung begann 1944 die Inthronisation des Bildes des Heiligsten Herzens Jesu und von Maria, Hilfe der Christen in den Familien und den von ihr gegründeten 36 Heimen. Es waren die Jahre, in denen Schwester Maria ihre Netze bis in das Gebiet von Liberia auswarf.

Im Kolleg wurde ihr ein Raum für Lebensmittel und Kleidung für die Armen zur Verfügung gestellt. Die Mütter der misoneritas kamen, um Kleider für die armen Kinder zuzuschneiden und mit der Nähmaschine, die man Schwester Maria geschenkt hatte, zu nähen. Die Räumlichkeiten im Kolleg wurden zu eng und die Unzufriedenheit aufgrund des Lärms und des Wirrwarrs führte dazu, dass Maria 1959 neuerlich in das kleine Haus ziehen musste. Der Umzug erfolgte in Form einer Prozession. Voraus ging Schwester Maria mit einem Bild von Maria, Hilfe der Christen. Beim Überschreiten der Schwelle sagte sie: „Trete zuerst Du, meine Mutter, in dieses Haus ein, das dein ist… und von wo aus du Gnaden und Wunder ausstreuen wirst.“ 1961 begann Schwester Maria Schulungen und Berufsqualifikationskurse in dem kleinen Haus abzuhalten, das schon bald durch eine große Kapelle bereichert wurde, die sich schlagartig mit Jugendlichen und Erwachsenen gefüllt sah, darunter viele einflussreiche Personen, die Schwester Marias zunehmend kühnere und weitblickende Initiativen begrüßten.

1965 erlebte sie den Beginn der „Samstagsmessen“ mit Prozessionen des Allerheiligsten unter Zustimmung des Bischofs – turnusmäßig stattfindende geistliche Exerzitien für die verschiedensten Kategorien: Knaben und Jugendliche, die Unterstützer des Werkes, jene, die sie die „hilfreichen Frauen“ nannte, Mütter und andere wohltätige Frauen, die sich im Haus irgendwie nützlich machten. Als Maria die jungen Mütter und ihre oft kranken Kinder sah, die häufig keine Pflege bekamen, eröffnete sie 1966 eine unentgeltliche Beratungsstelle für die Armen, die keine öffentliche Unterstützung erhielten. Das Gebäude hatte drei Stockwerke mit nahezu allen Spezialisierungen. Was die medizinische Versorgung anbelangte, so boten Ärzte und Krankenschwestern ihre Hilfe freiwillig an, da sie in dieser Art des Einsatzes eine Gelegenheit sahen, der Ausübung ihres Berufes eine echte und aufwertende Bedeutung zu geben. Nebenbei besorgte sie die entsprechenden Einrichtungen für den Empfang der Patienten – manchmal ganze Familien – und kümmerte sich um Räumlichkeiten für die Katechese und die Reihung während der Wartezeiten. All das wurde Schwester Maria in Hinwendung an das vertrauensvolle Gebet zuteil, vor allem durch gewisse wundermächtige Ave Maria. Es geschah nach einem dieser Gebete, dass sie, im Einverständnis mit einem Industriellen, dessen Tochter, obwohl von der Medizin aufgegeben, 1967 wieder gesund geworden war, im Jahr darauf ein soziales Beratungszentrum mit Lehre für arme, arbeitslose Mädchen eröffnen konnte, wo sie Jugendliche aufnahm, die das Leben auf der Straße jeder Würde beraubte. Sie machte sich sogar selbst auf die Suche nach ihnen.

1969 verbrachte sie drei Monate in Italien, um die „salesianischen Stätten“ zu besuchen, und hatte dabei auch eine Begegnung mit Paul VI. Nach San José zurückgekehrt, ließ sie 1971 für die obdachlosen Familien, die unter den Brücken am Stadtrand häufig ein prekäres Leben führten, „richtige“ Häuser bauen, wo Licht und Eigentum zusammen mit den Farben eines kleinen Gartens die pädagogische Aufgabe übernahmen, verbitterte Seelen zurückzugewinnen, dem durch Vernachlässigung hässlich gewordenen Leben die Würde wiederzugeben und so die Herzen für Horizonte der Wahrheit und der Hoffnung zu öffnen und zur sozialen Eingliederung zu befähigen. Auf diese Weise entstanden die Ciudades de Maria Auxiliadora (Städte von Maria Hilf), ein Werk, das durch den Einsatz seiner Mitarbeiter über die Laienverbindung ASAYNE (Asociación Ayuda a los Necesitados, Hilfswerk für Notleidende) heute noch besteht.

Inmitten dieses Wechselspiels von organisatorischer Arbeit und spiritueller Beratung (täglich stundenlange aufreibende Privatgespräche, die sogenannten consultas) fand Maria noch Raum und Zeit für glühende Erhebungen des Geistes und ein intensives mystisches Leben, das sich als die Quelle jener inneren Kraft herausstellte, dem ihr Apostolat entsprang und seine außerordentlichen Früchte bezog.

Ihre tiefste Freude war es, die Kinder, Armen, Leidenden und Ausgegrenzten zur Wahrheit der Evangelien zu führen, und als größte Genugtuung für ihr Bemühen empfand sie das Wiederaufblühen von Frieden und Glauben in „verloren geglaubtem“ Leben. Das bemerkenswerteste Werk Schwester Marias, neben allen kulturellen und sozialen Tätigkeiten, war jedoch die Verbreitung der Liebe und der Verehrung des Eucharistischen Jesus und der Madonna, deren Fest unter der Bezeichnung „Maria, Hilfe der Christen“ oder „Schutzmantelfest“ am 24. Mai mit großer Feierlichkeit begangen wird. Ihr weihte sie eine Kirche, die sie im Zentrum von San José erbauen ließ. Der Erfolg ihrer Unternehmungen gründete auf einer außergewöhnlichen Verbindung mit Gott, wie aus ihren Spirituellen Schriften in aller Deutlichkeit hervorgeht.

Nachdem sie, selbstvergessen, „allen alles“ geworden war, um ihrem Herrn stets neue Freunde zu gewinnen, opferte sie sich bis zum letzten Tag ihres Lebens in San José auf. Sie starb an dem Tag, an dem sie sich erstmals etwas Ruhe gönnen wollte. Es erwartete sie nun die ewige Ruhe mit „ihrem König“ und „ihrer Königin“. Der Tod ereilte sie am 7. Juli 1977 während einer Rast auf der Rückkehr nach Nicaragua. Ein kleines Flugzeug brachte sie nach San José, wo sie unter Teilnahme der gesamten Stadt beerdigt wurde. Die Regierung von Costa Rica erklärte sie zur Ehrenbürgerin des Landes und die Gemeinde von San José benannte nach ihr die Straße, in der die Gebäude ihrer sozialen Werke von Maria Hilf lagen.

Ihr Grab befindet sich in der Casa Maria Auxiliadora, Obras Sociales, Apartado 933, 1007 Centro Colón, San José (Costa Rica – C.A.).

Am 14. April 2002 wurde Maria Romero Meneses von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Resch, Andreas: Die Seligen Johannes Pauls II. 2001 – 2004. Innsbruck: Resch, 2015 (Selige und Heilige Johannes Pauls II; 6). XIV, 482 S., 110 Farbtaf., ISBN 978-3-85382-099-5, Ln; EUR 48.60 [D], 49.90 [A]

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