Andreas Resch: Maria Pilar Izquierdo Albero

Maria Pilar Izquierdo Albero

(1906 – 1945)

Gründerin
des Missionswerkes von
Jesus und Maria

Selig: 4. November 2001
Fest: 27. August

Maria Pilar Izquierdo Albero wurde am 27. Juli 1906 als drittes von fünf Kindern des Crescencio Mariano Izquierdo und der Alejandra Pabla Albero in Saragossa, Spanien, geboren. Bei der Taufe am darauffolgenden 5. August erhielt sie den Namen Maria Pilar. Die Eltern waren arm, aber reich an Tugenden und erzogen ihre Kinder zu einem soliden christlichen Leben. Da Maria keine Möglichkeit hatte, eine Schule zu besuchen, konnte sie nicht schreiben und nur mit knapper Not lesen, weshalb sie sich für ein „Dummerchen“ hielt, das nichts anderes kannte als „leiden und lieben, lieben und leiden“. Mit acht Jahren empfing sie in der Kirche St. Paul die Erste hl. Kommunion und legte ihre erste Beichte ab. Von da an zeigte sie einen großen Geist der Frömmigkeit und eine beachtliche Sensibilität für die Bedürftigen, indem sie den Kindern half, die noch ärmer waren als sie. Zwei Jahre später wurde Maria gefirmt. Da ein Schulbesuch, wie erwähnt, nicht möglich war, erlernte sie schon bald Leder zu bearbeiten und Schuhe herzustellen.

Mit 12 Jahren wurde Maria Pilar Opfer einer mysteriösen Krankheit mit Anfällen, die keiner der Ärzte diagnostizieren konnte. Da sie kränklich war und ihr der Arzt eine Luftveränderung verordnet hatte, übersiedelte sie 1919 im Alter von ca. 14 Jahren mit ihren Eltern nach Alfamén. 1925 kehrte die Familie nach Saragossa zurück, wo Maria Pilar Arbeit in einer Schuhfabrik fand. Aufgrund ihrer Einfachheit, ihrer sympathischen Natürlichkeit, ihrer Güte und Arbeitsamkeit wurde sie von allen geliebt. Der Herr aber hatte andere Pläne mit ihr und führte sie immer tiefer in das Geheimnis des Kreuzes ein. Maria Pilar liebte das Leiden so sehr, dass sie wiederholt sagte: „Ich finde im diesem Leiden eine so große Liebe zu unserem Jesus, dass ich sterbe und nicht sterbe…, denn es ist diese Liebe, die mich leben lässt.“

1926, auf dem Heimweg von der Arbeit, fiel Maria von der Straßenbahn und erlitt dabei einen Beckenbruch. Nach einem wahren Kreuzweg von Spital zu Spital wurde sie am 15. August 1928 plötzlich geheilt, nachdem sie sich in einer Novene der hl. Vicenta Vicuña anempfohlen hatte. Als sie wieder auf den Beinen war, begann sie in einer anderen Fabrik zu arbeiten. Sie lebte in einer kleinen und ungemütlichen Mansardenwohnung und durchlebte aufgrund ihrer Erkrankung ein schleichendes Martyrium, bis sie am 1. Juni 1929, kurz vor Vollendung des 20. Lebensjahres, schwer erkrankte und dabei sogar ins Koma fiel. Sie wurde von den Ärzten der „Beneficenza“ behandelt, die mit ihrem unmittelbar bevorstehenden Tod rechneten. Doch wieder hatte der Herr andere Pläne mit ihr und so erwachte sie nach sechs Monaten aus dem Koma, blieb jedoch fast blind und gelähmt, mit Zysten, die sich über den ganzen Körper verteilten – möglicherweise Metastasen, die wegen einer schweren Krebserkrankung vor allem Kopf, Lunge und Bauch befallen hatten. Für Maria Pilar begann nunmehr ein Leidensweg zwischen den Spitälern von Saragossa und ihrer kargen Dachwohnung in der Cerdan-Straße 24, heute César Augusto 70, wohin die Familie Ende 1928 übersiedelt war.

1931 wurde Maria Pilar operiert, doch ihr Zustand verschlechterte sich zusehends, bis sie vollkommen blind, nahezu taub und doppelseitig gelähmt blieb. Sie suchte daraufhin Zuflucht im Gebet und gab ein Beispiel christlichen Duldens. Schon bald wurde ihr bescheidenes Zuhause trotz allem zu einer Schule der Spiritualität und einer Oase des Lichts, des Friedens und der Freude für alle, die sie aufsuchten, vor allem während der drei Jahre des Spanischen Bürgerkriegs. Dort betete man und pflegte die Freundschaft im Sinne des Evangeliums.
In selbstloser Weise begann Maria Pilar mit einem intensiven Apostolat. Den Ärmsten half sie mit Almosen, die für sie selbst bestimmt waren, und tröstete und formte so unzählige Seelen im spirituellen Leben, die sie aufsuchten oder ihr schrieben. Sie kasteite sich durch Schlafentzug und verbrachte die Nächte im Gebet, wobei sie alle, die mit ihr geistig verbunden waren, einschloss und ihre Leiden für die Heilung der Seelen aufopferte, vor allem für jene der Priester und Seminaristen. Unter den Besuchern fanden sich auch viele Jugendliche und Maria Pilar ging daran, sie auf die Berufung vorzubereiten, die der Herr für sie vorgesehen hatte, sei es nun für die Ehe, das Priestertum oder für das Ordensleben.

1936 begann Maria Pilar vom Werk Jesu zu sprechen, das in der Kirche entstehen sollte und das den Zweck haben sollte, „das aktive Leben Jesu auf Erden durch Werke der Barmherzigkeit nachzuahmen“. Im März 1939 lernte sie P. Liborio Portolés, einen Piaristen, kennen und gründete mit ihm und anderen Priestern das Werk der Missionarinnen von Jesus und Maria, wofür sie am 14. November die Approbation des Bischofsvikars von Saragossa erhielt. Im November 1939 hatte sie eine Vision, in der ihr Jesus kundtat, dass sie am 8. Dezember vollkommen geheilt werde, und er gab ihr die Erlaubnis, mit dem Beichtvater über diese Vision zu sprechen. Maria Pilar ersuchte Jesus, ihr zumindest die Bauchzysten zu lassen, damit sie weiterhin leiden könne.

Am 8. Dezember 1939, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis, die sie sehr verehrte, befahl ihr P. Portolés nach der Kommunion in Gegenwart von mehr als 80 Anwesenden aufzustehen. Maria Pilar erhob sich und war von diesem Augenblick an von der Lähmung, der Blindheit und Schwerhörigkeit vollkommen geheilt. Nach mehr als zehn Jahren konnte sie wieder gehen. Am 15. Dezember 1939 schloss sie sich mit einigen jungen Frauen zum gemeinsamen Marsch nach Madrid zusammen, wo die Gründung unter der Bezeichnung „Missionarinnen von Jesus und Maria“ approbiert worden war, und wollte ihr Werk in Angriff nehmen. Doch als die Leiden verschwunden schienen, begann ein neuer Kreuzweg. P. Portolés wollte, dass das Kirchliche Tribunal von Saragossa ein Verfahren zur Prüfung der Übernatürlichkeit der Heilung einleite. Maria Pilar hingegen wollte mittels Rechtshilfeersuchen vom Tribunal in Madrid befragt werden, wohin sie sich begeben hatte.

In der Zwischenzeit litt vor allem das Werk. Am 25. Dezember 1939 musste sie die Gründungserlaubnis an den Bischof zurückgeben mit der Bemerkung, dass sie das missionarische Apostolat bis auf Weiteres nicht beginnen könne. Viele Eltern holten daraufhin ihre Töchter, die Maria Pilar nach Madrid gefolgt waren, nach Hause zurück. Sie selbst versenkte sich ins Gebet. Bei der Befragung am 8. März 1940 beantwortete sie demütig alle Fragen. Am 5. Mai desselben Jahres erließ die Kurie von Saragossa ein negatives Urteil hinsichtlich der angeblich wunderbaren Heilung, woraufhin die damals wichtigsten Zeitungen sie beschuldigten, eine Betrügerin, Hysterikerin und Phantastin zu sein.

Am 10. November 1941 schließlich approbierte der Bischof von Madrid nach positiven Empfehlungen seitens des Erzbistums Saragossa das Werk als Fromme Vereinigung der Missionarinnen von Jesus Maria und Joseph. Am 10. Dezember erhielten Maria Pilar und einige Gefährtinnen aus der Hand von P. Daniel Díez O.S.A., der zum Spiritual ernannt worden war, das Kleid und das Abzeichen des Instituts und am 2. Februar 1942 approbierte der Bischof die Statuten.

Nach zwei Jahren fruchtbaren Apostolats unter den Armen, Kindern und Kranken der Vororte von Madrid traten bei ihr erneut Bauchzysten auf; dazu gesellten sich noch seelische Leiden. Verleumdungen, Intrigen und Unverständnis diskreditierten das Werk und so distanzierten sich mehrere junge Frauen, die ihr bislang stets treu gewesen waren. Die Situation spitzte sich dermaßen zu, dass sich Maria Pilar auf Anraten ihres Beichtvaters im November 1944 von ihrem Werk zurückziehen musste. Mit ihr gingen neun Mitschwestern. Am 9. Dezember desselben Jahres machte sie sich auf den Weg nach San Sebastian, dem letzten Abschnitt bei ihrem Aufstieg zum Kalvarienberg. Während der Reise brach sie sich in einer eisigen Nacht bei einem Autounfall auf einer schneebedeckten Straße ein Bein. Als sie zu vorgerückter Stunde San Sebastian erreichte, wurde sie von einer Bekannten aufgenommen. Im Januar 1945 bezog sie eine Wohnung und im darauffolgenden Mai übersiedelte sie in die „Villa Puyú“, wo sie aufgrund eines malignen Tumors und unter unsäglichen physischen und seelischen Schmerzen auf das Krankenlager gezwungen wurde. Ihren treuen Töchtern gegenüber sagte sie: „Ich bedaure zutiefst, Euch verlassen zu müssen, denn ich liebe euch sehr, doch werde ich euch vom Himmel aus begleiten. Ich werde bei euch sein, um immer denen nahe zu sein, die leiden, den Armen und Kranken. Je einsamer ihr sein werdet, um so näher werde ich euch sein.“
Im Alter von 39 Jahren starb Maria Pilar am 27. August 1945 in Anwesenheit von P. Daniel García und ihren treuen Töchtern in San Sebastian. Ihr Leichnam wurde nach Madrid gebracht und dort am 30. des Monats auf dem Friedhof San Lorenzo y San José beigesetzt.

Ihre Töchter, die auf die Worte der Mutter vertrauten, blieben unter der Leitung von Pater Daniel Díez García vereint. 1947 kamen sie nach Logroño und am 30. Mai 1948 approbierte der Bischof von Calahorra das Werk als Fromme Vereinigung kanonisch unter der Bezeichnung Missionswerk von Jesus und Maria (Abb.). 1961 wurde das Werk als Kongregation diözesanen Rechts approbiert und 1981 zur Kongregation päpstlichen Rechts erklärt. Sechs Jahre später wurden die sterblichen Überreste von Maria Pilar in die Krypta der Kapelle des Mutterhauses der „Misioneras de Jesús y María“, Avenida de la Paz, 100, Logroño (La Rioja), Spanien, überführt.
Das Institut zählt derzeit 220 Schwestern, die, auf 22 Häuser verteilt, an verschiedenen Orten in Spanien, Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Italien und Mozambique tätig sind.

Am 4. November 2001 wurde Maria Pilar Izquierdo Albero von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Resch, Andreas: Die Seligen Johannes Pauls II. 2001 – 2004. Innsbruck: Resch, 2015 (Selige und Heilige Johannes Pauls II; 6). XIV, 482 S., 110 Farbtaf., ISBN 978-3-85382-099-5, Ln; EUR 48.60 [D], 49.90 [A]

Bestellmöglichkeit: info@igw-resch-verlag.at