Andreas Resch: Maria Euthymia Emma Üffing

Maria Euthymia Emma Üffing

(1914 – 1955)

Professschwester
der Kongregation der Barmherzigen Schwestern
(Clemensschwestern)

Selig: 7. Oktober 2001
Fest: 9. September

Maria Euthymia Emma Üffing wurde am 8. April 1914 in Halverde, Kreis Steinfurt in Deutschland, geboren und noch am gleichen Tag auf den Namen Emma getauft. Sie war das fünfte Kind von August Üffing und Maria Theresia Schnitt. Der Vater hatte ein zweites Mal geheiratet und brachte aus erster Ehe vier Kinder mit; der zweiten Ehe entsprangen weitere sieben Kinder. Die Familie besaß ein kleines Landgut, das eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit bot. Emma wuchs zusammen mit ihren zehn Geschwistern im typischen Umfeld eines kleinen Dorfes auf. Die tiefgläubigen Eltern erzogen die große Kinderschar zu einem einfachen und religiösen Leben. Eine Art Rachitis führte bei Emma zu einer Verlangsamung ihrer körperlichen Entwicklung, was ihre Gesundheit für den Rest des Lebens beeinträchtigte. Dennoch beklagte sie sich nie und empörte sich nicht über erlittenes Unrecht, und wo immer sie konnte, ersparte sie ihren Geschwistern unangenehme Arbeiten.
Emma besuchte die Volksschule des Dorfes. Mit Fleiß und Ausdauer kam sie in den Genuss eines guten Zeugnisses, wobei es ihr fast immer gelang, gleich hinter der Klassenbesten zu rangieren. Wegen Gedächtnisschwäche und ihrer körperlichen Fragilität wurde sie nicht für ein Weiterstudium ausgewählt. Am 27. April 1924 empfing sie die Erstkommunion und am 3. September desselben Jahres das Sakrament der Firmung. Jeden Tag wohnte sie der hl. Messe bei. Sie war ein frommes und stilles, aber fröhliches Kind, das durch seine Sammlung beim Gebet beeindruckte.

Nach Beendigung der Schule machte sich Emma in häuslichen Belangen nützlich, verspürte aber schon mit 14 Jahren die Berufung zum Ordensleben. Mit 15 Jahren, kurz nachdem eine ihrer Schwestern in eine Missionskongregation eingetreten war, äußerte sie ihrer Familie gegenüber den Wunsch, Ordensschwester zu werden.

Während sie ihrem Vorsatz treu blieb, begann sie am 1. November 1931 im nahegelegenen Sankt Anna-Spital in Hopsten, das von den Clemensschwestern geleitet wurde, ihre Ausbildung in Hauswirtschaftslehre. Hier zeichnete sie sich durch Ordnung und Pünktlichkeit im Dienst sowie durch Ausdauer in den religiösen Praktiken aus. Die Mutter Oberin des Hauses, Schwester Euthymia Linnenkämper, schätzte Emmas Dienstbeflissenheit und Hilfsbereitschaft. Man erlebte sie nie aufgebracht oder schlechter Laune.

Kurz bevor der Vater starb, kam sie zurück in das Elternhaus, um der Mutter bei der Pflege des schwer kranken Vaters zu helfen. Es war das erste Mal, dass Emma einen Kranken pflegte und bei einer Krankensalbung anwesend war, ein Dienst, den sie später noch oft am Bett sterbender Personen leisten sollte. Nach dem Tod des Vaters am 8. Dezember 1932 ging sie wieder in das Spital und kehrte dann nach Beendigung ihrer Ausbildung am 1. Mai 1933 erneut nach Hause zurück. In dieser Zeit reifte in ihr der Entschluss zum Eintritt in die Kongregation der Clemensschwestern, die sie von der Arbeit her kannte. Bei der im Volksmund „Clemensschwestern“ genannten Gemeinschaft handelte es sich um die Barmherzigen Schwestern, die 1808 vom Kapitelvikar der Diözese Münster, Klemens August Graf Droste von Vischering (1773 –1845), dem später berühmten Bischof von Köln, gegründet worden waren. Die Gründung, die sich an Vinzenz von Paul orientierte, ist gekennzeichnet durch einen herzlichen Umgang unter den Mitschwestern sowie tätige barmherzige Liebe bei der Pflege der Kranken.

Im März 1934 ersuchte sie, mit Zustimmung ihrer Mutter, in einem Brief an das Mutterhaus in Münster um Aufnahme in die Kongregation. Nach anfänglichem Zögern beschloss die Kongregationsleitung in Münster, ihr Gesuch anzunehmen. Am 23. Juli trat Emma Üffing als eine von 47 Postulantinnen in die Kongregation der Barmherzigen Schwestern in Münster ein. Sie erhielt den Namen Euthymia, den sie sich in Erinnerung an die kürzlich verstorbene Mutter Oberin von Hopsten, Euthymia Linnenkämper, sehnlichst gewünscht hatte.
Am 27. August 1934 begann die Zeit des Postulats und am 2l. Oktober 1934 wurde Euthymia zum Noviziat zugelassen. In diesen Jahren der Prüfung gereichte sie den Gefährtinnen aufgrund ihrer strengen Observanz und der Intensität ihres Gebetslebens zur großen Erbauung. Nachdem sie das Noviziat am 11. Oktober 1936 mit den zeitlichen Gelübden abgeschlossen hatte, schrieb sie der Mutter: „Ich habe ihn gefunden, den meine Seele liebt; ich will ihn festhalten und nicht mehr von ihm lassen.“

Am 30. Oktober 1936 wurde Schwester Maria Euthymia in das St. Vinzenz-Spital nach Dinslaken versetzt. Nach kurzer Tätigkeit auf der Frauenstation widmete sie sich der Betreuung der Kranken in der Isolierabteilung, die in einer Holzbaracke untergebracht und der hl. Barbara geweiht war. Mit der ihr eigenen Zähigkeit und Gründlichkeit bereitete sie sich auf die theoretischen und praktischen Prüfungen in Krankenpflege vor. Am 3. September 1939 erhielt sie das Schwesterndiplom mit Auszeichnung. Ein Jahr später, am 15. September 1940, legte sie im Mutterhaus von Münster die feierlichen Gelübde ab und kehrte dann wieder auf die Isolierstation Dinslaken zurück.

Der Zweite Weltkrieg brachte durch die herrschende Not auch Erschwernisse bei der pflegerischen Arbeit. 1941 wurde Schwester Euthymia die Betreuung der kranken Kriegsgefangenen und der Fremdarbeiter anvertraut, unter denen sich vor allem Engländer, Franzosen, Russen, Polen und Ukrainer befanden. Sie widmete sich ihrer Tätigkeit mit unermüdlichem Einsatz und ganzer Herzlichkeit. Der französische Priester Emile Eche, der mehrere Jahre als Kriegsgefangener im Spital von Dinslaken verbrachte, stellt ihr ein hervorragendes Zeugnis aus. Im Umgang mit den Kranken legte sie eine echte Nächstenliebe und Vornehmheit an den Tag, nichts war ihr zu viel. Sie wusste, dass die kranken Gefangenen nicht nur körperliche Schmerzen zu ertragen hatten. Durch ihre menschliche Zuneigung und Nähe vermittelte sie ihnen das Gefühl der Geborgenheit und eines Zuhause. Sie betete mit den Kranken und sorgte dafür, dass sie die heiligen Sakramente empfangen konnten. Schon bald wurde Schwester Euthymia der „Engel von St. Barbara“ genannt.

Viele aus ihrer Umgebung sahen in den kranken Kriegsgefangenen den Gegner und Feind; für Schwester Euthymia waren sie Menschen, die ihrer Hilfe bedurften. Als sie bemerkte, dass die Gefangenen, von Hunger getrieben, sogar in den Mülltonnen wühlten, bat sie eindringlich um Brot, bereitete Butterbrote und legte diese in die zuvor gesäuberten Tonnen, damit die Hungrigen sie finden konnten. Sie tat auch Gutes unter Androhung von Strafen. „Schwester Euthymias Leben war ein Hymnus der Hoffnung inmitten des Krieges“, sagt Emile Eche. Am 23. März 1945 zerstörte ein Luftangriff die Abteilung, in der Schwester Euthymia arbeitete.

Nach Ankunft der Alliierten und der Rückkehr der Gefangenen in ihre Ursprungsländer erkrankte sie an einer schweren Lungenentzündung. Nachdem sie sich im Sommer 1945 wieder erholt hatte – zur großen Überraschung all jener, die um das heroische Verhalten von Schwester Euthymia bei ihrem Einsatz wussten, weshalb sie sie fast wie „eine Heilige“ verehrten –, wurde sie für drei Jahre der Wäscherei zugeteilt, weil die Oberinnen sie für die Einzige hielten, die in der Lage war, sich eine so mühsame und undankbare Arbeit in den Kellern des Krankenhauses aufzubürden – in einer ungesunden Umgebung, nur notdürftig eingerichtet, beschwerlich und mit Dämpfen gesättigt. Obwohl ihr an der Pflege der Kranken überaus viel gelegen war, folgte sie dieser neuen Aufgabe ohne Probleme. „Es ist ja alles für den allmächtigen Gott“, war ihre Reaktion.

1948 wurde sie aufgrund ihrer großen Hingabe und der extremen Effizienz ihrer Arbeit in das Mutterhaus von Münster versetzt – mit der gleichen Aufgabenstellung, nur diesmal für etwa tausend Personen, Schwestern und Kranke. Trotz der Überfülle an Arbeit, die äußerst anstrengend war, blieb sie immer die freundliche und hilfsbereite Ordensschwester, die für alle ein freundliches Lächeln und ein gutes Wort hatte und die jedem zur Seite stand, der sie in irgendeiner Angelegenheit um Hilfe bat. Sie lebte das Alltägliche auf außerordentliche Weise. Ihre gesamte Freizeit, die normalerweise knapp bemessen war, verbrachte sie betend vor dem Tabernakel. Viele, die sie kannten, ersuchten sie schon damals um Fürbitte in ihren Gebeten.

Bei ihrer neuen Aufgabe stand Euthymia eine Gruppe Minderjähriger zur Seite, Freigängerinnen unter Aufsicht, „Töchter der hl. Angela“ genannt, denen sie mit merklichem Erfolg spirituelle Hilfen zuteil werden ließ.

Am 31. März 1954 klagte Schwester Euthymia über Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Eine medizinische Untersuchung stellte einen allgemeinen Verfall fest. Sie nahm für vier Wochen eine Auszeit und kehrte dann zur Arbeit zurück. Im April 1955 wurde eine schwere Form von Krebs diagnostiziert, der einen chirurgischen Eingriff erforderte, wenngleich mit sehr ungünstiger Prognose. Am folgenden 21. August empfing sie bei vollem Bewusstsein die Sterbesakramente. Scherzend sagte sie damals zur Generaloberin: „Ich wünschte, alle Schwestern würden erkranken, um dieses große Glück zu erfahren, vorausgesetzt natürlich, dass sie dann wieder gesund würden.“ Schwester Maria Euthymia starb am Morgen des 9. September 1955. Ihr Grab befindet sich auf dem Kommunalfriedhof von Münster in Deutschland.

Unverzüglich setzte ihre Verehrung ein; viele Menschen, auch außerhalb der Grenzen Deutschlands, erbaten ihre Fürsprache bei Gott und erfuhren Hilfe.

Am 7. Oktober 2001 wurde Maria Euthymia Emma Üffing von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

RESCH, ANDREAS: Die Seligen Johannes Pauls II. 2001 – 2004. Innsbruck: Resch, 2015 (Selige und Heilige Johannes Pauls II; 6). XIV, 482 S., 110 Farbtaf., ISBN 978-3-85382-099-5, Ln; EUR 48.60 [D], 49.90 [A]

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