Andreas Resch: Katharina Cittadini

Katharina Cittadini

(1801 – 1857)

Gründerin
der Ursulinen des
hl. Hieronymus von Somasca

Seligsprechung: 29. April 2001
Fest: 5. Mai

Katharina Cittadini wurde am 28. September 1801 als Tochter von Giovanni Battista und Margarita Lanzini in Bergamo geboren. Bei der Taufe am 30. September erhielt sie den Namen Katharina. Nach dem Tod der Mutter 1808 und dem Weggang des Vaters blieb Katharina mit ihrer 1803 geborenen Schwester Judith allein zurück. Die beiden Kinder kamen in das Waisenhaus des kleinen Konvents von Bergamo, das von Don Giuseppe Brena geleitet wurde, der später bei Katharinas Entscheidung zum Ordensleben eine wichtige Rolle spielen sollte. Hier führte sie ein intensives christliches Leben, das zu einem festen Glauben, einem tiefen Vertrauen in Christus, aktiv gelebter Nächstenliebe, einer tiefen Verehrung für Maria sowie einem ausgeprägten Verantwortungssinn und Fleiß in der Erfüllung ihrer Pflichten beitrug. Nach Erhalt des Diploms für Grundschullehrer 1823 verließ sie den Konvent, um sich gemeinsam mit ihrer Schwester zu den Priester-Cousins Giovanni und Antonio Cittadini nach Calolzio in der Diözese Bergamo zu begeben. Dort verweilten die beiden Schwestern ungefähr zwei Jahre unter der sorgsam geistlichen Führung ihrer Cousins und in einer seelsorglich sehr aktiven Umgebung. Katharina wurde zunächst als provisorische Lehrkraft und 1824 dann als fix angestellte Lehrerin in der Gemeindeschule für Mädchen in Somasca aufgenommen, einer Fraktion der nahe gelegenen Gemeinde Vercurago, die wegen des Heiligtums von Hieronymus Emiliani bekannt ist.

Sowohl bei Katharina als auch bei ihrer Schwester Judith reifte der Wunsch, in eine Ordenskongregation einzutreten. Sie fragten daher Don Giuseppe Brena, ihren Spiritual vom Konvent in Bergamo, um Rat. Er bekundete ihnen, dass es der Wille Gottes sei, dass sie in Somasca blieben, da sie selbst zu Grundsteinen einer neuen religiösen Familie in dem kleinen Ort würden, der schon einen Heiligen wie Hieronymus Emiliani hervorgebracht hatte.

1826 übersiedelte Katharina mit Judith endgültig in ein gemietetes Haus in Somasca. Im Oktober des Jahres erwarb sie ein Gebäude, das, nach zusätzlichen Erweiterungen, zum Sitz eines Schülerheims wurde und schließlich das religiöse Institut der Ursulinen beheimatete.

In Somasca fand Katharina in den vom hl. Hieronymus Emiliani gegründeten Regular-Klerikern eine wertvolle geistliche Führung. Emiliani, dessen Beispiel an Nächstenliebe und Armut sie bewunderte, hatte sie von Kindheit an wie einen „Vater“ empfunden. Durch ihre Tätigkeit als Lehrerin wurde sie in das Leben des Dörfchens Somasca integriert, wo sie aktiv an der Pfarrseelsorge teilnahm: sie hielt Katechesen, schrieb sich in diverse Bruderschaften ein, nahm mit ihren Gefährtinnen und den Schülerinnen an den religiösen Feiern teil und öffnete ihr Haus der weiblichen Jugend, um diese im Stil der Oratorianer zu ermuntern und zu stärken.
Katharina ging ihrer Aufgabe mit solchem Eifer und Einsatz nach, dass sie größtes Lob seitens der Behörden und einhellige Zustimmung bei der Bevölkerung erntete. Die Sorge für die Bedürftigsten und Ärmsten führte, nicht selten unter allerlei Entbehrungen, dazu, dass sie ihre wohltätige Arbeit auch auf Waisen oder Mädchen ausdehnte, die keine Möglichkeit hatten, die Gemeindeschule zu besuchen, oder die aus entfernten Dörfern kamen.

Das öffentliche Schulwesen folgte zur damaligen Zeit einer diskriminierenden Logik. Die Schule stand nicht allen offen, sondern nur denjenigen, die nicht gegen die Regierenden waren. Vom Unterricht ausgeschlossen blieben daher die Kinder von Eltern, die nicht Untertanen der österreichischen Regierung waren oder dieser ablehnend gegenüberstanden. Und so brachte Katharina gemeinsam mit ihrer Schwester Judith ihren ganzen christlichen Enthusiasmus ein und eröffnete 1832 die Privatschule „Cittadini“ – offen für alle, insbesondere aber für arme Mädchen und jene, denen der Zutritt zur öffentlichen Schule verwehrt blieb. Es war eine leidenschaftliche Herausforderung und Katharina ließ sich in keiner Weise einschüchtern. Neben der Schule errichtete sie 1836 ein Mädchenkonvikt, deren Leitung anfangs ihrer Schwester Judith anvertraut wurde. Dem folgte ein Waisenhaus für die verlassenen Mädchen, ein Aufnahmezentrum, mit dem Katharina – der Zeit vorauseilend – das Konzept eines Heims mit Religionsunterricht, spiritueller Ausbildung und entspannter, fröhlicher Atmosphäre umsetzte.

Auch die Privatschule und das Bildungshaus wurden zunehmend positiv bewertet. In der Tat verhalf die an christlichen Werten inspirierte Bildung den Zöglingen zu klugen Lebensentscheidungen, getragen von christlicher Konsequenz. Die Dynamik der begonnenen Werke ließ bereits die Frage über deren künftige Leitung aufkommen. So begannen Katharina und Judith die ersten Schritte hin zur Gründung einer weiblichen Gemeinschaft zu überlegen, um so auch den Erwartungen der Gefährtinnen der ersten Stunde zu entsprechen, die den Hügel von Somasca erklommen, angezogen von einer Lehrmeisterin, die in den Herzen der Jugendlichen zu lesen vermochte und diese zum Guten anleitete. Bevor es jedoch zu dieser Gründung kam, musste sie noch einiges erdulden. Am 24. Juli 1840 starb ganz unvermittelt Judith im Alter von erst 37 Jahren, mit der sie alles geteilt hatte: familiäre Probleme, Ausbildung, Ideale, Projekte, Aktivitäten. Mit dem Tod von Don Giuseppe Brena 1841 und ihres Cousins Don Antonio Cittadini verlor sie zwei weitere wertvolle Stützen. 1842 wurde Katharina selbst von einer schweren Krankheit getroffen, von der sie auf wundersame Weise geheilt wurde.

1844 schuf sie, um ihr Werk zumindest staatlich zu festigen, zusammen mit drei Gefährtinnen in Somasca di Vercurago eine „Gemeinschafts- oder Schicksalsvorsorge, auch der gegenseitigen Unterstützung bzw. Rente“, die bereits viele Merkmale eines religiösen Instituts enthielt. Dieses Ereignis wurde als Gründungsdatum der Kongregation der Ursulinen des hl. Hieronymus von Somasca (Abb.) angesehen. 1845 gab Katharina das Unterrichten in der Gemeindeschule auf, um sich ganz dem Schülerheim, der Pflege der Waisenkinder und der Führung der Gefährtinnen zu widmen, die sich ihr in der Absicht angeschlossen hatten, nicht nur ihre erzieherische Arbeit zu teilen, sondern sich auch im Ordensleben voll und ganz dem Herrn zu weihen. Die Ziele der neuen Kongregation waren nunmehr klar: Erziehung und Ausbildung der weiblichen Jugend, vor allem durch Schule und Katechismusunterricht. Die Realisierung des Projekts stieß jedoch auf eine Reihe von Schwierigkeiten.

1850 erhielt Katharina von Pius IX. das Dekret zur Errichtung des privaten Oratoriums, wo die heilige Eucharistie aufbewahrt werden sollte. In den Jahren 1850/51 richtete sie an den Bischof von Bergamo, Msgr. Carlo Gritti Morlacchi, mehrere Gesuche im Hinblick auf die Approbation ihrer „kleinen religiösen Familie“ und unterbreitete ihm eine Regel, doch war die Zeit dafür noch nicht reif. 1854 hatte sie eine Begegnung mit dem neuen Bischof, Msgr. Pietro Luigi Speranza, der sie ermunterte, die Regel selbst zu schreiben, wobei er ihr seine Unterstützung zusagte. Katharina orientierte sich am Modell der Konstitutionen der Ursulinen von Mailand; als sie die Regel aber dem Bischof vorlegte, wurde diese nicht angenommen.

Ohne sich geschlagen zu geben, erarbeitete sie einen neuen Text, den sie dem Bischof am 17. September 1855 präsentierte, versehen mit der Bitte um Approbation des Instituts unter dem Titel Ursulinen vom hl. Hieronymus. Msgr. Speranza approbierte die Regel ad experimentum und versprach gleichzeitig die endgültige Anerkennung des Instituts. In den handgeschriebenen Regeln von 1855 wird die Aufgabe des neuen Instituts folgenderweise charakterisiert: „Sie [die Ursulinen] werden sich darum bemühen, in die zarten Seelen der Mädchen den Samen der wichtigsten und grundlegendsten Tugenden einzupflanzen. Dabei werden sie nichts unterlassen, was zu ihrem geistigen und zeitlichen Vorteil sein könnte… Die Schwestern sollen niemals vergessen, dass das besondere Anliegen des Instituts die Sorge für die Jugend ist.“

Voller Bangen und Vertrauen wartete Katharina auf den ersehnten Tag der Approbation der Regel, doch die Anstrengungen, Sorgen und Probleme hatten sich mittlerweile ernsthaft auf ihre Gesundheit niedergeschlagen; ein allgemeiner organischer Verfall brachte sie ihrem Ende langsam näher. Stets hellwach, voller Zuversicht und unter ständigem Gebet ermunterte sie ihre Gefährtinnen, den Willen des Herrn gelassen anzunehmen, denn alles werde weitergehen. Am 5. Mai 1857, nach eintägiger Agonie, starb Katharina in Frieden, umgeben vom Ruf der Heiligkeit und tief betrauert von ihren Töchtern, den Schülerinnen und der Bevölkerung, denen sie ein leuchtendes Beispiel einer tiefen geistigen Reife hinterließ. Zunächst auf dem Friedhof von Vercurago begraben, ruhen ihre sterblichen Überreste nun in der Kapelle des Mutterhauses der Ursulinen in Somasca, Vercurago (Lecce).

Bald nach ihrem Tod, genau am 14. Dezember 1857, traf das Dekret der kanonischen Errichtung des Instituts seitens des Bischofs von Bergamo ein. Die päpstliche Anerkennung erfolgte am 8. Juli 1927. Heute erfüllen die Ursulinen von Somasca ihre erzieherische Mission auch unter den italienischen Emigranten in der Schweiz und in Belgien sowie unter den Armen Lateinamerikas (Bolivien, Brasilien) und Asiens (Indien, Philippinen).

Am 29. April 2001 wurde Katharina Cittadini von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

RESCH, ANDREAS: Die Seligen Johannes Pauls II. 2001 – 2004. Innsbruck: Resch, 2015 (Selige und Heilige Johannes Pauls II; 6). XIV, 482 S., 110 Farbtaf., ISBN 978-3-85382-099-5, Ln; EUR 48.60 [D], 49.90 [A]

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