Andreas Resch: Ignatius (Nazju) Falzon

Ignatius Falzon

(1813 – 1865)

Kleriker

Seligsprechung: 9. Mai 2001
Fest: 1. Juli

Ignatius (Nazju) Falzon wurde am 1. Juli 1813 als Sohn des Advokaten Giuseppe Francesco Falzon und der Maria Teresa Debono, Tochter des Richters Calcedonio Debono, in La Valletta, Malta, geboren und am Tag darauf in der Pfarrkirche Santa Maria de Porto Salvo e San Domenico auf Ignatius Vinzenz Rosario und zusätzlich auf die Namen der Pestpatrone Rochus, Angelus und Sebastian getauft. Am 3. August 1822 erhielt er das Sakrament der Firmung.

Ignatius gehörte einer sehr bekannten und angesehenen Familie an. Der Vater war Mitglied der Kommission zur Abfassung des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches und wurde später zum Richter der S. M. Britannica ernannt. Zwei seiner Brüder, Calcedonio und Francesco, beide Doktoren der Rechte, traten in den Priesterstand.

Obwohl die Familie Falzon über einen gewissen Wohlstand verfügte, war das Leben auf Malta von großen Veränderungen und Schwierigkeiten geprägt. Innerhalb weniger Jahre wurde die Insel von drei Mächten dominiert: Ritterorden des hl. Johannes, Franzosen und Engländer. Am 4. Oktober 1813 kam der erste englische Gouverneur nach Malta. Unmittelbar nach seiner Ankunft wurde er mit dem Problem der Pest konfrontiert, die am 21. Mai desselben Jahres ausgebrochen war und bis zum September 1814 Tod und Verderben brachte. 4.572 Personen auf eine Gesamtbevölkerung von 100.000 Einwohnern fielen ihr zum Opfer.

Am 30. Mai 1814 wurde der Traktat von Paris unterzeichnet, in dem Malta zu einem Teil des Britischen Imperiums erklärt wurde. Die Insel wurde so zu einer Festung im Zentrum des Mittelmeers, weil Großbritannien und Frankreich um den Supremat im Mittelmeer kämpften. Um die napoleonischen Truppen zu vertreiben, hatten die Malteser ihr letztes Hemd gegeben. Die Pest und andere ansteckende Krankheiten verhinderten den wirtschaftlichen Aufschwung. Als es keine Arbeit mehr gab, konnte man die Armut förmlich greifen.

Die Grundausbildung an den staatlichen Schulen steckte noch in den Kinderschuhen. Zur Gründung der ersten Volksschulen kam es 1836 und bis 1898 gingen lediglich 12.000 von insgesamt 37.000 Kindern zur Schule. In dieser Situation war die Kirche in jeder Hinsicht die treibende Kraft im Volk und eroberte sich das Vertrauen der Massen. Es waren dies die Früchte der Unterstützung, die sie der Widerstandsbewegung der Malteser gegen die napoleonischen Truppen hatte zukommen lassen. Eine undefinierbare Zahl an Mitgliedern des Diözesan- und Ordensklerus leistete einen wertvollen Beitrag zum Gratisunterricht in den Kirchen, den Häusern der Priester selbst und in den Klöstern: Gesellschaften der gegenseitigen Hilfeleistung – so nannte man jene, die Kranken, Waisen und Witwen Hilfe gewährten. Derlei Initiativen entstanden auf Malta erstmals durch das Wirken der Kirche. Es war auch die Zeit, in der sich die nicht-katholischen britischen Machthaber auf dem Gebiet des Proselytismus betätigten, sich unter das Volk mischten und sogar Auszüge aus der Bibel in der Volkssprache darboten. Die große Zahl der Ausländer machte es notwendig, nicht-katholische Kultstätten zu errichten.
In dieser historischen Situation seines Volkes entschloss sich der junge Ignatius für eine religiöse Ausbildung im Umfeld der Kirche und trat, damaligem Brauch entsprechend, am 3. August 1822, im Alter von 15 Jahren, in den Stand der Klerik. Drei Jahre später empfing er die niederen Weihen und am 7. September 1833, mit 20 Jahren, machte er das Doktorat in Kirchenrecht und Zivilrecht am Athenäum von Malta. Er übte sein Richteramt jedoch nie aus und fühlte sich trotz der niederen Weihen und des Doktorats in Kanonischem Recht nicht würdig, die Priesterweihe zu empfangen. Stattdessen studierte er Englisch, was damals eine Seltenheit, aber doch wesentlich für die Kontaktaufnahme mit den Engländern war, die nach Malta kamen, um den Krimkrieg vorzubereiten. Zu jener Zeit belief sich die Zahl von auswärtigem Militär und Marine auf über 20.000 Personen, 10% der Inselbevölkerung. Gleichzeitig widmete sich Ignatius dem Gebet und dem Katechismusunterricht. Er war auch ein glühender Verehrer der Eucharistie. Anbetung und Meditation boten ihm geistige Nahrung, sodass er bei allen Gläubigen, welche die Pfarrkirche St. Paul’s Shipwreck und die Franziskanerkirche Santa Marija ta’ Gesù besuchten, Bewunderung hervorrief. Zudem pflegte er eine besondere Verehrung der Allerseligsten Jungfrau Maria und des hl. Joseph und betete täglich den Rosenkranz.

In steter Treue erfüllte er die mit dem Apostolat verbundenen erzieherischen Aufgaben. Er gab Katechismusunterricht in den Kirchen und unterrichtete englische Knaben auch bei sich zu Hause. Da die Unterweisung an der Oberschule sehr begrenzt war und die Vorbereitung für die Aufnahme in das Seminar oder an die Universität von Privatdozenten zu Hause durchgeführt wurde, animierte Ignatius berühmte Lehrer der damaligen Zeit auf Malta dazu, mit großem Einsatz und ohne jede Art von Vergütung denjenigen Privatunterricht zu erteilen, die dies nicht nur für den Zugang zum Priestertum benötigten, sondern auch zur Fortsetzung der höheren Studien.

Sein Engagement für den Nächsten lässt sich auch aus dem Faktum ersehen, dass er von sich aus die englische Sprache so perfekt erlernte, dass er sich mit den englischen Soldaten und Matrosen der großen britischen Garnison, die in Valletta stationiert war (wie erwähnt, ca. 20.000 Soldaten), mühelos unterhalten konnte. Im Namen der Jungfrau vom Rosenkranz begann er in der Kirche Il Gesù in Valletta für die katholischen Soldaten Gebete und Katechismusunterricht zu organisieren. Durch dieses Apostolat erreichte er auch deren Familien. Seine Arbeit fußte vor allem auf Wertschätzung und guten menschlichen Beziehungen, vor allem mit jenen, die in den Krieg zogen. Als er dann mit ihren protestantischen und nicht christlichen Kollegen Freundschaft schloss, gab er gute Ratschläge. Auf diese Weise führte er hunderte Menschen zum Glauben. Die in der Kirche der Jesuiten in Valletta aufbewahrten Dokumente berichten von mehr als 650 Personen, die von ihm auf die Taufe vorbereitet wurden.

Zu seinem Charisma, die Menschen für Gott zu gewinnen, gesellte sich die Gabe, auch jenen Vertrauen einzuflößen, die sich zwar nicht bekehrt hatten, ihm aber persönliche und wertvolle Gegenstände anvertrauten, damit er diese im Falle des Todes den Angehörigen übermittle. Er war in jeder Weise ein Mann des Vertrauens, vor allem weil er ein stilles und ehrbares Leben führte. Aus diesem Grund wird er als Pionier des ökumenischen Dialogs angesehen. Man spürte seine Heiligkeit, wenn man ihn vor dem Allerheiligsten beten sah; auch seine Verwandten wussten darum, und das wurde von allen bestätigt, mit denen er Kontakt hatte, vor allem von den Armen.

In seinem Apostolat wurde Falzon von anderen Laien unterstützt, wobei er sich als Pionier darin erwies, diese in seine Evangelisierungsarbeit einzubinden. Dies geschah 100 Jahre vor dem II. Vatikanischen Konzil. Man erinnert sich auch, dass der hl. Don Georg Preca Falzon als seinen Vorläufer betrachtete und ihn sehr verehrte. Vielleicht war es gerade Falzon, der Don Georg dazu inspirierte, sein Leben der Unterweisung der Laien im Katechismus zu widmen. In diesem Zusammenhang ist an den zeitgleichen Emanzipationsprozess der Katholiken in England und an die Gebete Falzons in dieser Hinsicht zu erinnern. Es war die Zeit des Oxford Movement und des Henry Newman.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Kirche Maltas den Schmerz vor Augen hatte, der den seligen Pius IX. in der Frage der Einheit Italiens traf. Verschiedene Italiener, darunter auch Politiker, hatten auf Malta Zuflucht gefunden. Die Engländer, die wussten, dass sie die Herren der Insel waren, rissen die Tore weit auf, um die geflüchteten Italiener aufzunehmen, und sie erlaubten ihnen, ihre Ideen in eigenen Zeitungen zu veröffentlichen.

Es war gerade diese Erfahrung der Probleme des eigenen Landes, der Militärs und der Flüchtlinge, die Ignatius zur völligen Hingabe an Gott und den Nächsten veranlassten. Die Liebe, die Ehrfurcht, die Anbetung Jesu im Altarsakrament wie auch seine Marienverehrung machten ihn zu einem Propheten, in dem alle, ohne Ausnahme, die Gegenwart Gottes gewahrten. Das, was ihm gehörte, betrachtete er nicht als das Seine. Die Armen und die Leidenden fanden bei ihm jede nur erdenkliche Hilfe, und stets ohne viel Aufhebens. Gott allein weiß von Falzons grenzenloser Nächstenliebe.

Seine Zeit war also eine Zeit großer Herausforderungen, in der man Armut und Krankheit mit Händen greifen konnte. Es war unschwer, die Situation zu erkennen. Ignatius war der gute Samariter, der die Fähigkeit besaß, sich von seiner hohen sozialen Stellung herabzulassen, um die Wunden zu heilen und sich derer anzunehmen, die seiner Hilfe bedurften.

Am 29. Juni 1865 erschien ihm beim Hymnus an den Heiligen Geist bei den Worten „Tu Septiformis Munere“ ein feuriger Globus mit sieben Zungen, Symbol der sieben Gaben des Heiligen Geistes. Er starb an seinem 52. Geburtstag, am 1. Juli 1865, wie er vorausgesagt hatte, mit dem Bildnis des hl. Josef in Händen. Sein Ruf der Heiligkeit verbreitete sich schon bald in Malta, aber auch in Großbritannien und in den Ländern maltesischer Einwanderung.

Sein Grab befindet sich in der Franziskanerkirche Santa Marija ta’ Gesù, Valletta, Malta.

Am 9. Mai 2001 wurde Ignatius Falzon von Papst Johannes Paul II. in Floriana, Malta, seliggesprochen.

RESCH, ANDREAS: Die Seligen Johannes Pauls II. 2001 – 2004. Innsbruck: Resch, 2015 (Selige und Heilige Johannes Pauls II; 6). XIV, 482 S., 110 Farbtaf., ISBN 978-3-85382-099-5, Ln; EUR 48.60 [D], 49.90 [A]

Bestellmöglichkeit: info@igw-resch-verlag.at