Andreas Resch: Eusebia Palomino Yenes

EUSEBIA PALOMINO YENES

(1899 – 1935)

PROFESSSCHWESTER
DES INSTITUTS MARIA HILF
(DON BOSCO-SCHWESTERN)

Seligsprechung: 25. April 2004
Fest: 10. Februar

EUSEBIA PALOMINO YENES wurde am 15. Dezember 1899 in Cantalpino, einem kleinen Dorf der Provinz Salamanca in Spanien, in einer zwar armen, aber sehr gläubigen Familie geboren. Bei der Taufe erhielt sie den Namen Eusebia. Ihr Vater, Augustin Palomino, arbeitete als Saisontagelöhner im Dienst der Grundbesitzer der Umgebung, während die Mutter, Juana Yenes, mit den vier Kindern das Haus besorgte. Wenn im Winter die Felder ruhten und es an Arbeit fehlte, wurde auch das Brot immer weniger. Daher war der Vater gezwungen, an die Nächstenliebe anderer Armer in den Dörfern der Region zu appellieren. Manchmal begleitete ihn dabei die kleine Eusebia, noch keine sieben Jahre alt, völlig ahnungslos über den Preis gewisser Erniedrigungen. Sie erfreute sich an jenen Spaziergängen auf den Feldwegen und hüpfte ausgelassen neben ihrem Vater her. Wenn sie dann einen Weiler erreicht hatten, lächelte sie den barmherzigen Menschen entgegen, die sie aufnahmen, und bat „um ein Stück Brot aus Liebe zu Gott“.

Von klein auf hegte Eusebia eine große Liebe zur Jungfrau Maria, die sie in allen Nöten anrief. Die erste Begegnung mit Jesus in der Eucharistie im Alter von acht Jahren bewirkte bei dem Mädchen die überraschende Erkenntnis, von welcher Bedeutung es war, ihm zu gehören, sich dem Herrn ganz zum Geschenk hinzugeben: „Meine innere Freude war so groß, dass ich nur zu sterben wünschte, um endgültig in der Nähe Jesu, der Liebe meiner Liebesbezeugungen, zu sein.“ Die Überzeugung, „nicht für die Dinge dieser Welt geschaffen zu sein“, begleitete Eusebia in den Ereignissen jener Zeit gelebter Armut.

Die Schule musste sie schon ziemlich früh verlassen, um den Ihren unter die Arme zu greifen, und nachdem sie bei einigen Familien des Ortes den Beweis geliefert hatte, dass sie schon frühzeitig in der Lage war, Kinder zu betreuen, während deren Eltern in der Arbeit waren, ging sie schließlich mit 12 Jahren zusammen mit ihrer älteren Schwester nach Salamanca und verdingte sich dort bei der einen oder anderen Familie als Kindermädchen für alles.

An den Sonntagnachmittagen besuchte sie eine Zeit lang die Sonntagsschule bei den Jesusschwestern, bis sie die zufällige Begegnung mit einer Gleichaltrigen zum Institut „Maria Hilf“ führte, wo es ebenfalls eine Feiertagsschule gab. Bei ihren Besuchen liebte sie es, in der schönen Kapelle vor der Statue von Maria Hilf im Gebet zu verweilen. Hier sagte ihr eine innere Stimme gleich am ersten Tag: „Hier will ich dich haben. Du wirst meine Tochter sein.“ Inzwischen kannte sie die Schwestern, die beschlossen, sie um ihre Mitarbeit zu fragen; als die Leiterin Eusebia vorschlug, in das Kolleg zu übersiedeln, waren ihre einzigen Bedenken, damit der Familie gegenüber ungerecht zu handeln, die sie aufgenommen hatte. Als sie dann erfuhr, dass diese im Begriff war, in eine andere Stadt zu ziehen, nahm sie den Vorschlag liebend gerne an und machte sich sofort ans Werk: Sie half in der Küche, holte Holz, sorgte für Sauberkeit im Haus, hängte im großen Hof die Wäsche auf, begleitete die Gruppe der Studentinnen zur staatlichen Schule und machte allerlei Besorgungen in der Stadt. Beim Gespräch mit dieser bescheidenen Arbeiterin spürten die jungen Mädchen ihren eucharistischen Eifer, der sich in einer großzügigen Sorge um das geistige Wohl einer jeden von ihnen ausdrückte; sie suchten sie auf, um von ihr Worte zu hören, die sie als „einem heiligen, außergewöhnlichen Leben“ entsprungen empfanden.
Eusebias geheimer Wunsch, sich ganz dem Herrn zu weihen, entfachte und durchdrang mehr denn je jedes ihrer Gebete. Sie sagte: „Wenn ich fleißig meine Arbeite mache, bereite ich damit der Jungfrau Maria eine Freude und eines Tages werde ich eine von ihren Töchtern im Institut sein.“ Aufgrund ihrer Armut und ihrer mangelhaften Ausbildung wagte sie nicht danach zu fragen. Die Gemeindeoberin, der sie sich anvertraut hatte, nahm sie jedoch mit mütterlicher Güte auf und versicherte ihr: „Du brauchst dich um nichts zu sorgen.“ Und sie beschloss mit Freuden, sie im Namen der Generaloberin zuzulassen.

Am 31. Januar 1922 tat Eusebia den ersten Schritt im Institut als Postulantin; doch siehe da, noch eine Ausnahme für sie! Anstatt mit den Gefährtinnen in Barcelona die Studienzeit in Vorbereitung auf das Noviziat zu beginnen, wurde sie als Ersatz für die Küchenschwester in Salamanca zurückbehalten und stieß erst zur Einkleidung zur Gruppe und zum Beginn des Noviziats am 5. August 1922 in Vorbereitung auf die Profess. Eusebias Alltag, die am Gipfel ihrer Freude angelangt war, bestand aus Studium, Gebet und Arbeit. „Ich bin gekommen, um die Einheit mit Gott zu suchen und um mich zu heiligen“, eröffnete sie einer Gefährtin.
Als sich die Noviziatszeit dem Ende zuneigte, zog sie sich eine schwere Verletzung am Unterarm zu. Es kam ein starker Bluterguss hinzu, der sie so sehr schwächte, dass die Oberin beschloss, sie nicht zur Profess zuzulassen. Eusebia nahm die Entscheidung mit Gelassenheit zur Kenntnis, wobei sie schlicht und einfach erklärte, dass sie nicht davon Abstand nehmen werde, ihr Leben der Ausbreitung der Verehrung von Maria Hilf zu weihen. Angesichts dieses Zeugnisses erkannte die Oberin, „dass ihre Berufung ein Werk Gottes“ war und entschied letztlich, sie zuzulassen, womit sie nicht nur Eusebia selbst eine unbeschreibliche Freude bereitete, sondern auch allen übrigen Novizinnen.

Zwei Jahre später, am 5. August 1924, legte Eusebia die ewigen Gelübde ab und wurde dann dem Haus von Valverde del Camino zugeschrieben, einem Städtchen mit damals 9.000 Einwohnern in der Bergbauzone von Andalusien im äußersten Südwesten Spaniens, an der Grenze zu Portugal. Die Studentinnen der Schule und des Oratoriums konnten bei der ersten Begegnung eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen, zu unscheinbar war die Neue, klein und blass, nicht schön und mit großen Händen.

Am darauffolgenden Morgen war die kleine Schwester an ihrem Arbeitsplatz: eine vielfältige Arbeit, die sie in der Küche, an der Pforte, in der Garderobe, bei der Pflege des kleinen Gartens und bei der Kinderbetreuung im Festoratorium zu verrichten hatte. Sie freute sich darüber, „jeden Tag des Lebens im Hause des Herrn zu sein“.
Die Kleinen waren schon bald fasziniert von ihren Erzählungen über die Tätigkeiten der Missionare, das Leben der Heiligen, die Episoden der Marienverehrung oder die Anekdoten von Don Bosco, an die sie sich dank ihres guten Gedächtnisses erinnern konnte und kraft ihres überzeugten Empfindens und einfachen Glaubens eindrucksvoll auszuschmücken verstand.

Alles bei Schwester Eusebia spiegelte die Liebe Gottes und den starken Wunsch wider, die Liebe zu ihm zu wecken. In ihren Briefen machte sie sich zur Befürworterin der Verehrung der barmherzigen Liebe nach den Offenbarungen Jesu an die inzwischen heiliggesprochene polnische Ordensschwester Faustina Kowalska, welche in Spanien vom Dominikaner Juan Arintero verbreitet wurden. Den anderen „Pol“ gelebter Frömmigkeit und Katechese bei Schwester Eusebia bildete eine „echte marianische Frömmigkeit“, wie sie vom hl. Alois Maria Grignon de Montfort gelehrt wird.

Als Spanien Anfang der Dreißigerjahre wegen des Hasses der Gottlosen, die sich der Ausrottung der Religion verschrieben hatten, in die Wirren der Revolution abzugleiten begann, zögerte Eusebia nicht, jenes Prinzip der „Verfügbarkeit“ bis zur letzten Konsequenz zu treiben, indem sie buchstäblich bereit war, sich gänzlich zu entäußern. Sie bot sich Gott als Opferlamm für das Heil Spaniens und die Freiheit der Religion dar.

Im August 1932 wurde sie von einem plötzlichen Unwohlsein befallen. Dann begann sie das Asthma, das sie schon bei mehreren Gelegenheiten beeinträchtigt hatte, bis zur Unerträglichkeit zu quälen, verstärkt durch verschiedene Beschwerden, die auf heimtückische Art und Weise hinzukamen. Blutvisionen bereiteten Eusebia in dieser Zeit noch größere Schmerzen als die unerklärlichen körperlichen Drangsale. Als am 4. Oktober 1934 einige Mitschwestern gemeinsam mit ihr in ihrem Leidenszimmer beteten, unterbrach sie und wurde ganz blass: „Betet viel für Katalonien!“ Es war der Moment, in der sich die Arbeiterschaft in Asturien und in Barcelona in Katalonien erhob (4.–15. Oktober 1934), was als „Vorausoffenbarung“ bezeichnet wurde. Sie hatte auch eine Blutvision bezüglich ihrer geliebten Direktorin, Schwester Carmen Moreno Benítez, die mit einer Mitschwester am 6. September 1936 erschossen und am 11. März 2001 seliggesprochen wurde.

Inzwischen verschlimmerten sich die Beschwerden von Schwester Eusebia zusehends: Der behandelnde Arzt gestand, die Krankheit nicht definieren zu können, welche die von Asthma geplagte Schwester förmlich zu einem Knäuel zusammenrollte. Wer sie besuchte, spürte die moralische Kraft und das Licht der Heiligkeit, die von den armen schmerzenden Gliedern ausgingen, was aber der Klarheit der Gedanken, der Zartheit der Gefühle und der Vornehmheit des Ausdrucks keinerlei Abbruch tat. Den Schwestern, die sie pflegten, versprach sie: „Ich komme wieder, um meine Runden zu drehen.“

In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 1935 starb Schwester Eusebia in Frieden. Den ganzen Tag über wurde ihr fragiler Leichnam, umgeben von einem Blumenmeer, von der gesamten Bevölkerung von Valverde besucht. Und alle sagten erneut: „Eine Heilige ist gestorben.“ Zunächst bestattet auf dem Friedhof von Valverde, wurden die sterblichen Überreste am 14. April 1983 in das Colegio María Auxiliadora – Salesianas c /. María Auxiliadora, 8, Valverde del Camino, Huelva, Spanien, überführt.

Am 25. April wurde Eusebia Palomino Yenes von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Resch, Andreas: Die Seligen Johannes Pauls II. 2001 – 2004. Innsbruck: Resch, 2015 (Selige und Heilige Johannes Pauls II; 6). XIV, 482 S., 110 Farbtaf., ISBN 978-3-85382-099-5, Ln; EUR 48.60 [D], 49.90 [A]

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