Andreas Resch: Aloysius Maria Monti

ALOYSIUS MARIA MONTI

(1825 – 1900)

ORDENSMANN UND GRÜNDER
DER SÖHNE DER UNBEFLECKTEN EMPFÄNGNIS

Selig: 9. November 2003
Fest: 1. Oktober

ALOYSIUS MARIA MONTI wurde am 24. Juli 1825 als achtes von elf Kindern der Eheleute Angelo Pancrazio und Maria Teresa Monti in Bovisio, Diözese Mailand, geboren und noch am gleichen Tag auf den Namen Aloysius Maria getauft. Schon als Jugendlicher bemühte er sich, in dem ihm von seinen Eltern vererbten Glauben zu wachsen, und lebte in seinem Umfeld die menschlichen Werte der Bescheidenheit, Großzügigkeit und Arbeitsamkeit.

Durch den Tod des Vaters 1837 mit 12 Jahren zum Waisen geworden, wurde er zur Arbeit bei einem Kunsttischler in Cesano Maderno geschickt, um seine Mutter und die jüngeren Geschwister zu unterstützen. Nach der Rückkehr im Februar 1842 von der Teilnahme an einer Volksmission im Nachbarort Varedo versprach er sich gänzlich dem Herrn. Beeindruckt von seinem Eifer, schlossen sich ihm zahlreiche Altersgenossen, Handwerker und Bauern, an, um ein Abendoratorium in die Wege zu leiten. Die Gruppe gab sich den Namen „Gemeinschaft des Heiligen Herzens Jesu“, die Einwohner von Bovisio aber nannten sie „die Gemeinschaft der Brüder“. Sie widmeten sich dem Gebet, der Lektüre spiritueller Texte und hörten die Unterweisungen Montis, der treibenden Kraft beim Gesang und bei Solidaritätskundgebungen für die Armen und die Geringsten im Dorf. Sie unterschieden sich durch ihr strenges Leben, durch die Hingabe im Dienst an den Armen und Kranken und durch ihren Eifer bei der Evangelisierung der Glaubensfernen.

Am 8. Dezember 1846, mit 21 Jahren, weihte sich Aloysius Maria Monti durch Ablegen der Gelübde der Keuschheit und des Gehorsams in die Hände seines Spirituals Don Luigi Dossi, für immer dem Herrn. Er war ein treuer geweihter Laie in der Kirche Gottes ohne Kloster und ohne Habit. Nicht alle jedoch vermochten die Gnadengaben, die der Heilige Geist in Aloysius Monti gelegt hatte, zu begreifen. In der Tat setzten einige Personen gemeinsam mit dem Pfarrer eine schleichende, aber offene Opposition ins Werk, die in einer verleumderischen Anzeige der politischen Verschwörung gegen die damals herrschende österreichische Autorität gipfelte. Monti wurde sogar mit fünfzehn seiner Kollegen zu Unrecht eingekerkert. Trotz des 1851 in der Region Lombardei-Venetien herrschenden argwöhnischen Klimas wurden er und seine Gefährten in der Voruntersuchung freigelassen, allerdings nach 72 Tagen Haft.

Monti begab sich daraufhin zu Don Luigi Dossi nach Quinto Romano, in ein Dorf vor den Toren Mailands, um sich in einer Art Gemeinschaftsleben nach dem benediktinischen Motto Bete und arbeite zu versuchen. Nach reiflicher Überlegung beschloss Dossi, in die „Kongregation der Söhne Mariens“ einzutreten, die fünf Jahre zuvor vom Seligen Ludwig Pavoni mit dem Zweck gegründet worden war, die arme Arbeiterjugend moralisch zu heben und ihr eine gute Erziehung angedeihen zu lassen. Monti, im Gehorsam an Dossi gebunden, folgte ihm mit einigen Gefährten nach Brescia, wo er sechs Jahre als Novize verweilte. Diese Zeit war für ihn eine Übergangszeit, in der er jedoch zunehmend Gefallen an den Konstitutionen Pavonis fand, Erfahrungen als Erzieher machte und die Theorie und Praxis des Krankenpflegeberufes erlernte, den er in den Dienst der Kommunität und der bei der Cholera-Epidemie von Brescia 1855 betroffenen Patienten stellte, indem er sich freiwillig in das lokale Lazarett einschloss. 

Allerdings war er mit 32 Jahren immer noch auf der Suche nach der konkreten Verwirklichung seiner Weihe. In einem Brief von 1896, vier Jahre vor seinem Tod, rief er wieder die Nacht des Geistes wach, die er in der langen Zeit seiner Entscheidung durchlebte:

„Stunden um Stunden verbrachte ich vor Jesus im Altarsakrament, doch waren dies Stunden ohne einen Tropfen himmlischen Taus; mein Herz blieb leer, kalt, gefühllos. Ich war nahe daran, alles aufzugeben, als ich – ich befand mich gerade in meinem Zimmer – eine innere Stimme vernahm, die klar und deutlich sagte: ‚Geh zur Chorkapelle, Aloysius, und leg deine Sorgen aufs Neue vor Jesus im Altarsakrament!‘ Ich horchte auf die Eingebung und beeilte mich ihr zu folgen. Ich sank in die Knie und schon bald – oh Wunder! – nahm ich zwei Personen in Menschengestalt wahr. Ich kannte sie. Es waren Jesus und seine Allerseligste Mutter, die sich vor mich hinstellten und mit lauter Stimme sagten: ‚Aloysius, du wirst noch vieles erleiden müssen; du wirst noch mehrere und verschiedene große Kämpfe ausfechten müssen. Sei stark! Aus allem wirst du siegreich hervorgehen; an unserer mächtigen Hilfe wird es dir nie mangeln. Geh deinen Weg weiter, den du eingeschlagen hast.‘ Das waren ihre Worte, dann verschwanden sie.“

Von Brescia ging Aloysius nach Bussolengo, wo Pater Dossi eine neue Kommunität der Söhne Mariens errichtet hatte. Gemeinsam arbeiteten sie an der Gründung einer Spitalskongregation, die sich der Pflege widmen sollte – inspiriert vom Wort und Beispiel der hl. Maria Crucifixa di Rosa (1803 –1855), Gründerin der Mägde der Liebe von Brescia. Aloysius willigte ein und gründete am 8. September 1857 die Kongregation der Söhne der Unbefleckten Empfängnis. Die Idee wurde von verschiedenen seiner Freunde aus der Zeit der „Gemeinschaft“ und von einem jungen sehr erfahrenen und frommen Krankenpfleger namens Cipriano Pezzini gutgeheißen.
Dossi schlug Monti vor, seine Mission in Rom im Spital Santo Spirito zu verwirklichen. Im April 1858 begab er sich dorthin. Das Institut bewährte sich innerhalb kurzer Zeit dermaßen, dass es am 4. Oktober 1862 das Decretum laudis und am 10. Mai 1865 die endgültige Approbation erhielt.

Trotz allem degradierten Einmischungen der Kapuziner, die in dem römischen Spital als Kapläne fungierten, sowie andere Schwierigkeiten Pezzini und Monti zu einfachen Mitgliedern ihrer eigenen Institution. In der Tat fand Monti zu seiner Überraschung im Spital bereits eine Gemeinschaft von Kapuzinerterziaren am Werk, die von den Kapuzinerkaplänen gegründet worden war, weshalb er in aller Demut die Entscheidung traf, sich diesen unter dem Namen „ Frater Aloysius von Mailand“ anzuschließen, in der Hoffnung, die zuvor mit den Obrigkeiten des renommierten römischen Spitals vereinbarte Initiative, welche den gleichen Zweck hatte, nämlich: die Krankenpflege im Spital, wieder in die Hand zu nehmen. Es vergingen so zehn Jahre harter Pflegearbeit und schmerzhafter Prüfungen innerhalb der Kommunität, welche die Einmischungen der Spitalsobrigkeiten, des Laienpersonals und der Kapuziner zu erdulden hatte. Anfangs wurde Monti allen Diensten zugewiesen, die heute den Hilfskräften im Sanitätsbereich vorbehalten sind. Dann hatte er bestimmte Eingriffe durchzuführen, speziell im Bereich des Aderlasses, die in dem ihm von der Universität La Sapienza ausgehändigten Diplom beschrieben sind.

Pezzini wurde inzwischen aus dem Institut ausgeschlossen, während Monti 1868 vom Generalminister der Kapuziner als Prior für die Organisation und Leitung des Spitals von Orte (VT) entsandt wurde, das sich in einem völlig heruntergekommenen Zustand befand. Er gab dort ein ungewöhnliches Zeugnis christlicher Hingabe, wobei er in der ganzen Umgebung für die Bürger aller Schichten sowohl im Spital als auch zu Hause zum Bezugspunkt wurde. Gleichzeitig restaurierte er die Kirche und nahm sich mit Eifer der Stadtjugend an.

Im März 1877 erhielt das Institut von den Oberen der Kapuziner auf Wunsch von Pius IX. schließlich die Autonomie, und Monti konnte die Leitung des Werkes übernehmen, das übrigens ihm allein gehörte, wobei es ihm gleichzeitig gelang, eine von Don Bosco geplante Fusion mit den Salesianern zu vermeiden.

Als Erstes errichtete er 1877 in Rom in der Region von Boccea eine Ordenskommunität, wo sich heute das Dermopathische Institut „Immacolata“ (IDI) und die Kirche des hl. Leo des Großen befinden. Anschließend verfasste er die neuen Konstitutionen und übertrug seinen geistlichen Söhnen den großzügigen Geist der Nächstenliebe und die Verehrung der „Unbefleckten Mutter“. Als maßgeblichen und grundsätzlichen Punkt legte er die Parität der Pflichten und Rechte unter Laien und Priestern fest. Er bestätigte den ursprünglichen Namen der Kongregation: „Söhne der Unbefleckten Empfängnis“. Die Brüder erklärten sich ausnahmslos bereit, Patienten aller Art zu pflegen, wohin sie auch immer geschickt würden. Weitere kleine Kommunitäten gründete Monti im oberen Latium, wo er früher selbst als Krankenpfleger im Spital und als mobiler Krankenpfleger in den auf dem Land verstreuten Häusern von Orte gearbeitet hatte. Daher führte er in den Konstitutionen als Zweck der Kongregation neben der Krankenpflege auch noch die Betreuung von Waisenkindern und die Jugenderziehung an. In der Folge nahm er am 19. April 1882 im römischen Haus seiner Kongregation in Trastevere das erste Waisenkind auf, und vier Jahre später konnte er in Saronno (Varese) das erste Auffangheim eröffnen, das am 22. September 1886 eingeweiht wurde. Sein pädagogisches Grundprinzip fußte auf der Väterlichkeit des Erziehers. Das Waisenkind sollte in der Kommunität der Ordensleute die neue Familie finden, um „den Tag gemeinsam zu leben“ und um zusammen den Plan für die Eingliederung in die Gesellschaft auf der Basis einer menschlichen und christlichen Ausbildung zu entwickeln, welche die Grundlage für alle Berufungen sein sollte: für die Familie ebenso wie für eine spezielle Form der Weihe oder für das Priestertum.

Monti befand sich gerade in Saronno, wo er in den letzten Jahren die Sommermonate verbrachte, als ihn, ausgelaugt und nahezu blind, im Alter von 75 Jahren am 1. Oktober 1900 der Tod ereilte. Seine letzten Worte waren: „Ich lege euch meine Waisenkinder ans Herz.“ Zunächst auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt, wurde der Leichnam 1940 feierlich in das Institut der Unbefleckten Empfängnis von Saronno überführt, wo er in der Krypta der Kirche ruht, die jetzt seinen Namen trägt.

1904 erfolgte die endgültige Approbation der Konstitutionen durch den hl. Pius X. mit dem Zugeständnis des Priesteramtes. Gegenwärtig ist die Kongregation der Söhne der Unbefleckten Empfängnis auf der ganzen Welt verbreitet.

Am 9. November 2003 wurde Aloysius Maria Monti von Papst Johannes Paul II seliggesprochen.

Resch, Andreas: Die Seligen Johannes Pauls II. 2001 – 2004. Innsbruck: Resch, 2015 (Selige und Heilige Johannes Pauls II; 6). XIV, 482 S., 110 Farbtaf., ISBN 978-3-85382-099-5, Ln; EUR 48.60 [D], 49.90 [A]

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