Illuminaten

(Lat. illuminati, die Erleuchteten, auch Illuminatenorden), kurzlebige Geheimgesellschaft (1776-1793) mit dem Ziel, durch Aufklärung und sittliche Verbesserung die Herrschaft von Menschen über Menschen überflüssig zu machen.
Der Orden wurde am 1. Mai 1776 von dem Philosophen und Kirchenrechtler an der Universität Ingolstadt, Adam Weishaupt (1748-1830), mit zwei seiner Studenten als Bund der Perfektibilisten (lat. perfectibilis, zur Vervollkommnung befähigt) in Ingolstadt gegründet und existierte bis zu seinem Verbot 1784/85 vornehmlich im Kurfürstentum Bayern. Als Symbol des Bundes wählte Weishaupt die Eule der Minerva, der römischen Göttin der Weisheit. Hintergrund war das intellektuelle Klima an der Universität, das fast vollständig von ehemaligen Jesuiten beherrscht wurde, deren Orden 1773 aufgehoben worden war.
Der erst achtundzwanzigjährige Weishaupt war der einzige Professor in Ingolstadt ohne jesuitische Vergangenheit und dementsprechend isoliert im Lehrkörper, was auch an seiner Begeisterung für die Ideen der Aufklärung und seinem zuweilen konfliktträchtigen Auftreten lag, um seinen Schülern Zugang zu zeitgenössischer kirchenkritischer Literatur und zu den antiken Mythen, namentlich aus dem Zusammenhang der Mysterien von Eleusis, zu gewähren.
Ferner sah Weishaupt im Orden der Gold- und Rosenkreuzer ein immer stärker werdendes Übel, das es zu bekämpfen galt. 1777 gelang ihm die Unterwanderung zweier Münchner Freimaurerlogen, in deren eine er sich aufnehmen ließ. Einen weiteren, wenngleich bescheidenen Aufschwung, nahm der Bund 1778, als er von Franz Xaver von Zwackh, einem ehemaligen Schüler Weishaupts und späteren Regierungspräsidenten der Pfalz, reorganisiert wurde. Weishaupt schlug als neuen Namen „Bienenorden“ vor, weil die Mitglieder unter der Leitung einer Bienenkönigin den Nektar der Weisheit sammeln sollten. Man entschied sich jedoch für „Bund der Illuminaten“ und schließlich für „Illuminatenorden“, der 1780 etwa 60 Mitglieder hatte.
Eine weitere Umorganisation erfolgte nach dem Beitritt des niedersächsischen Adeligen Adolph Freiherr von Knigge. Dieser war am 1. Juli 1780 in der Loge L’Union in Frankfurt am Main von dem bayrischen Hofkammerrat Constantin Costanzo für den Orden angeworben worden und entfaltete nach seinem Beitritt eine rege Tätigkeit. Er gab dem Orden 1782 eine den Freimaurerlogen ähnliche Struktur: Die Hochgrade, welche die Adepten nach Durchlaufen der traditionellen drei Gradstufen der Freimaurerei erreichen konnten, wurden nun vom Illuminatenorden gebildet. Mit dieser Strategie brachte Knigge die Illuminaten von Weishaupts ursprünglichem Plan der „geheimen Weisheitsschule“ ab. Nunmehr wurden nicht mehr Studenten, sondern gestandene Männer, die in Staat und Gesellschaft bereits Karriere gemacht hatten, angeworben.
Als sich 1776 nach dem Tod des Vertreters der Freimaurerei der strikten Observanz, Karl Gotthelf von Hund, kein Nachfolger fand, war die Ratlosigkeit in den Logen groß. Knigge erkannte darin eine Chance für den Illuminatenorden. Am 16. Dezember 1780 schrieb er an Weishaupt, dass eine Revolution der Maurerei bevorstehe und man das Ruder in die Hand nehmen müsse, damit nicht andere kluge Köpfe zuvorkämen.
Kurz darauf veröffentlichte er im Auftrag Weishaupts unter dem Titel Ueber Jesuiten, Freymaurer und deutsche Rosenkreuzer ein anonymes Verschwörungsszenario, in dem er behauptete, hinter der Strikten Observanz stecke in Wahrheit der Jesuitenorden, der damit die Aufklärung bekämpfen, Deutschland rekatholisieren und der Herrschaft des Papstes unterwerfen wolle. Daher sei eine Gegenverschwörung nötig, welche die Jesuiten spiegelbildlich mit deren eigenen Methoden, aber mit aufklärerischem Ziel bekämpfe:
„Wenn eine Gesellschaft der besten Menschen nach einem ebenso vorsichtigen Plane zusammenträte, ihre Zöglinge ebenso zur Tugend bildete, wie die Jesuiten die ihrigen zur Bosheit abrichteten, wenn sie dieselben statt des Fanatismus von ihrer ersten Jugend an mit Liebe zu dem Menschengeschlechte, mit Begierde edle große Grundsätze zu verbreiten und im Großen zum Wohle der Welt würksam zu seyn erfüllte – was würde diese Gesellschaft nicht leisten können?“
Diese „Gesellschaft der besten Menschen“ sollte der Illuminatenorden sein. Es kam anders. Am 22. Juni 1784 erließ Kurfürst Karl Theodor ein Dekret, das alle „Communitäten, Gesellschaften und Verbindungen“ verbot, die ohne seine „landesherrliche Bestätigung“ gegründet worden waren. Gemeint waren die Illuminaten, wenngleich sie im Text nicht explizit genannt waren.
Am 1. Juli 1784 verließ Knigge den Illuminatenorden und Weishaupt gab die Leitung des Ordens an Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla ab.
Da die Illuminaten weiterhin Geldbeiträge einsammelten und Logensitzungen abhielten, folgte am 2. März 1785 ein weiteres Edikt, das Illuminaten und Freimaurer diesmal beim Namen nannte und als landesverräterisch und religionsfeindlich verbot. Im gleichen Jahr erklärte auch Papst Pius VI. in zwei Briefen (vom 18. Juni und 12. November) an den Bischof von Freising die Mitgliedschaft im Orden als unvereinbar mit dem katholischen Glauben.
Johann Joachim Christoph Bode versuchte von Gotha aus, auch nach 1787 den Bund am Leben zu erhalten, und rief mit der Weimarer „Minervalkirche“, dem „Orden der unsichtbaren Freunde“ oder dem „Bund der deutschen Freimaurer“ Nachfolgeorganisationen ins Leben, musste diese Bemühungen jedoch in dem scharf anti-illuminatischen Klima der Revolutionsjahre 1790 einstellen. Sein Tod 1793 gilt als das Ende der Tätigkeit der I. Ein Organisationsversuch ehemaliger Illuminaten namens Der moralische Bund und die Einverstandenen zeitigte keinen Erfolg.
Heute erinnert an den Orden in Ingolstadt nur noch eine Gedenktafel an dem Gebäude, in dem sich der Versammlungssaal der Illuminaten befand.

Lit.: Van Dülmen, Richard: Der Geheimbund der Illuminaten. Stuttgart: Frommann-Holzboog, 1977; Agethen, Manfred: Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung. München: R. Oldenbourg Verlag, 1987; Weis, Eberhard: Der Illuminatenorden (1776-1786). Unter besonderer Berücksichtigung der Fragen seiner sozialen Zusammensetzung, seiner Ziele und seiner Fortexistenz nach 1786, in: Helmut Reinalter (Hrsg.): Aufklärung und Geheimgesellschaften. Zur politischen Funktion und Sozialstruktur der Freimaurerlogen im 18. Jahrhundert. Oldenbourg/München: Wissenschaftsverlag, 1989.
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