
MARGARETE VON
CITTÀ DI CASTELLO
(1287-1320)
SCHWESTER DES
DRITTEN ORDENS DES
HL. DOMINIKUS
Patronin der Blinden
Heilig: 24. April 2021
Fest: 13. April
MARGARETE VON CITTÀ DI CASTELLO wurde um 1287 in der Festung von Metola (Urbino, Italien) in einer Familie niederen Adels geboren. Da sie blind und missgestaltet war, sperrte sie ihr Vater in eine kleine Zelle an der Burgkapelle, damit sie den Blicken der Öffentlichkeit verborgen bleibe. Eines Tages brachten sie ihre Eltern in das nahe gelegene Città di Castello, um den dort 1292 im Ruf der Heiligkeit verstorbenen Fra Giacomo von Città di Castello anzurufen, damit er mit seiner Fürbitte die Heilung Margaretes erwirke. Als sie erkannten, dass ihre Bitten nicht erhört wurden, beließen sie die Fünfjährige in der Kirche und kehrten nach Hause zurück.
Margarete bettelte nun eine Zeit lang in den Straßen der Stadt, bevor sie von ein paar Nonnen der kleinen Kommunität von Santa Margherita aufgenommen wurde. Ihre zutiefst demütige Lebenshaltung und ihre Ermahnungen weckten die Missgunst der Schwestern, die sie bald wieder wegschickten. Das Mädchen wurde daraufhin von dem gläubigen Ehepaaar Venturino und Donna Grigia in Obhut genommen, die selbst zwei Kinder hatten. Sie gaben ihr ein kleines Zimmer im oberen Teil des Hauses, damit sie sich in Freiheit dem Gebet, der Betrachtung und den Bußübungen, wie Fasten, Geißelung und Selbstkasteiung, hingeben konnte. Margarete ihrerseits bedachte die Familie mit ihren geistigen und intellektuellen Fähigkeiten, indem sie den Kindern des Ehepaares eine christliche Erziehung vermittelte. Trotz ihrer Blindheit widmete sie sich zudem Werken der Nächstenliebe und besuchte Gefangene und Kranke. Man begann, ihr wunderbare Zeichen, Wunder, außergewöhnliche Heilungen und andere mystische Phänomene zuzuschreiben.
Margarete besuchte auch täglich die nahe gelegene Kirche der Nächstenliebe der Dominikaner und schloss sich den dominikanischen Mantelschwestern an, die später Säkulare Terziarinnen des hl. Dominikus genannt wurden. Sie betete viel, ging täglich zur Beichte, empfing häufig die hl. Kommunion, widmete sich dem Breviergebet zu Ehren der seligen Jungfrau Maria und dem Psalter sowie der ständigen Meditation des Geheimnisses der Menschwerdung.
Margarete starb am 13. April 1320 in Città di Castello.
Das tugendhafte Leben Margaretes zeichnet vor allem die vertrauensvolle Hingabe an die Vorsehung aus sowie die freudige Teilnahme am Geheimnis des Kreuzes, besonders in ihrer Situation als Behinderte, Abgewiesene und an den Rand Gedrängte. Diese liebevolle Verbundenheit mit Christus wurde von tiefen mystischen Erfahrungen begleitet. Die auf diese Weise ausgeprägte Herzensschau strahlte auf die anderen aus. Oft und beständig gab sie sich der Betrachtung des Lebens Christi hin. Es wurden ihr auch wunderbare Heilungen nachgesagt, was dazu führte, dass viele den Kontakt zu ihr suchten. Trotz Behinderung betätigte sie sich, von Nächstenliebe beseelt, bei einigen Schülerinnen als Lehrmeisterin und brachte ihnen das Marianische Brevier und den Psalter nahe; sie unterrichtete auch die Kinder des Paares, das sie in ihr Haus aufgenommen hatte. Sie war Patin einer Nichte ihrer Adoptiveltern und unterwies sie in der christlichen Lehre; sie begleitete die Berufung einer jungen Frau und lud sie und ihre Mutter zum Empfang des Ordenskleides ein. Zudem bemühte sie sich, die Schwestern eines Klosters durch sanfte Ermahnungen wieder zur Einhaltung der Observanz anzuleiten.
Wie andere Mystikerinnen des Mittelalters verband Margarete das beständige Gebet mit harten Bußübungen: Fasten, Wachen, Tragen des Bußgürtels, Geißelung – alles, um Christus nachzuahmen, der sich zur Rettung der Menschheit freiwillig dem Leiden hingegeben hatte.
Margarete ist das Beispiel einer bescheidenen Frau, welche die tiefe und leidenschaftliche Erfahrung eines Lebens in Einheit mit dem Herrn zur Entfaltung brachte. Ihre Krankheit hinderte sie nicht daran, eine außergewöhnliche und fruchtbare geistige Mutterschaft zu leben, die auch heute noch auf die Notwendigkeit verweist, für andere Sorge zu tragen. Darüber hinaus kann sie ein starkes Zeichen der Hoffnung in jeder Situation von Ausgrenzung und Leid sein.
Nach Prüfungen und Demütigungen empfing Margarete mit überaus großer Freude das Kleid des Dritten Ordens des hl. Dominikus und erreichte damit in ihrem kurzen Leben von 33 Jahren einen Grad höchster Vollkommenheit in völliger Übereinstimmung mit dem Ideal des Ordens.
Das mutig getragene Leiden verlieh ihrem Geist die Kraft, sich einem ständigem Gebet hinzugeben, das ihr die Schätze der himmlischen Weisheit eröffnete. Sie hatte den gesamten Psalter auswendig gelernt und erschloss daraus die verborgensten Inhalte.
Den Seelen erwies sie ohne viel Aufhebens einen großen Dienst, so dass alle ihre Nähe suchten. Besonders verehrte sie das Geheimnis der Menschwerdung. Nach ihrem Tod am 13. April 1320 fand man in ihrem Herzen drei Perlen, auf denen das Bild Christi, der Jungfrau Maria und des hl. Josef eingeprägt war.
Ihr unversehrter Leib befindet sich in der Kirche San Domenico von Città di Castello.
Papst Paul V. gewährte den Dominikanern der Stadt 1609 die hl. Messe in ihrem Namen mit eigenem Brevier. Am 6. April 1675 sollte Papst Clemens X. dieses Privileg dann auf den gesamten Orden ausweiten. Am 19. Oktober 1609 wurde Margarete von Papst Paul V. seliggesprochen.
1988 ernannte sie der Ortsbischof von Urbino und Città di Castello zur Diözesanpatronin der Blinden.
Angesichts ihres fortdauernden und jahrhundertelangen Rufes der Heiligkeit ergab sich die Möglichkeit, den Kult durch die äquipollente Heiligsprechung auf die Gesamtkirche auszudehnen. So autorisierte Papst Franziskus am 11. Dezember 2019 im Rahmen der dem Präfekten der Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Becciu, gewährten Audienz die Vorbereitung der „Positio super canonizzatione aequipollente“.
Auf die Sitzung der historischen Konsultoren am 29. September 2020 mit positivem Ausgang folgte der Sonderkongress der theologischen Konsultoren am 26. Januar 2021 mit positiven Ausgang. Die ordentliche Sitzung der Kardinäle und Bischöfe fand hingegen am 13. April 2021 statt, ebenfalls mit positivem Ausgang.
Am 24. April 2021 bestätigte Papst Franziskus beim Empfang von Kardinal Marcello Semerano, Präfekt der Heiligsprechungskongregation, die Beschlüsse der Ordentlichen Sitzung der Kardinäle und Bischöfe und beschloss, den Kult der seligen Margarete von Città di Castello auf die Universalkirche auszudehnen, indem er sie in den Katalog der Heiligen aufnahm.