Andreas Resch: Johannes Adalbert Balicki

JOHANNES ADALBERT BALICKI

(1869 – 1948)

DIÖZESANPRIESTER

Selig: 18. August 2002
Fest: 15. März

JOHANNES ADALBERT BALICKI wurde am 25. Januar 1869 als sechstes von sieben Kindern der Eheleute Nizetus Balicki und Katharina Seterlack in Staromieście, heute Rzeszów, Polen, geboren. Obwohl die Eltern dem griechisch-katholischen Ritus angehörten, wurde ihm das Taufsakrament am darauffolgenden Tag in der Pfarrkirche des lateinischen Ritus gespendet, wobei er den Namen Johannes Adalbert erhielt. Kindheit und Jugend verbrachte er im Schoß der Familie unter der Fürsorge seiner zwar materiell armen, aber ehrbaren und tiefgläubigen Eltern, die ihren Kindern durch ihr beispielhaftes Leben eine erste christliche Erziehung vermittelten.

Von 1876 bis 1888 besuchte Johannes mit Erfolg die Schulen in Rzeszów, wo er als ausgezeichneter Schüler hervortrat, von lebhaftem Naturell und sehr vornehmem Charakter. Im September 1888 trat er in das Seminar von Przemyśl ein. Dort fand er das geeignete Klima für die Vorbereitung zum Priester. Hervorragende Professoren und tüchtige Erzieher halfen ihm bei der Beurteilung und Verwirklichung seiner priesterlichen Berufung, die ihm nicht immer sicher schien, wie er selbst bekennt: „Wenngleich ich meiner Berufung sicher und ebenso überzeugt war, dass Priester zu werden etwas Erhabenes ist, fragte ich mich, ob ich denn tatsächlich ein heiliger Priester sein würde.“ Für den eifrigen Johannes sollte das Priestertum nämlich ausschließlich Dienst an den anderen sein.

Nach vierjährigem Studium und Vorbereitung am 20. Juli 1892 in der Kathedrale von Przemyśl zum Priester geweiht, wurde Balicki gleich anschließend zum Kaplan der Pfarrei Polna bestimmt, wo er seine ersten seelsorglichen Tätigkeiten ausübte und sich dabei durch Heiligkeit und Eifer auszeichnete. Er erwies sich als begnadeter Prediger, geduldiger Beichtvater und als ein Mann des Gebets. Nach kaum einem Jahr aber, im November 1893, beschloss der Bischof, ihn nach Rom zu schicken, damit er sich an der Gregoriana in den kirchlichen Studien weiterbilde.

Während des vierjährigen römischen Aufenthaltes (1893 –1897) wohnte er im Päpstlichen Polnischen Kolleg, machte 1894 das Bakkalaureat in Philosophie, dann jeweils am 18. Juli 1896 bzw. am 1. Juli 1897 das Lizenziat und das Doktorat in Theologie sowie das Bakkalaureat in Kirchenrecht 1896. All diese Studien dienten Balicki lediglich zur Vertiefung seines Glaubens: „Ich mache meine Studien nicht, um Grade zu erlangen oder mit Titeln zu glänzen, sondern um etwas über Gott zu erfahren, um ihn besser kennenzulernen und aufrichtiger zu lieben.“

Auf diesem Programm fußte auch seine besondere Studierweise. So hörte er an der Universität Vorlesungen, wobei er die wichtigen Punkte sorgfältig notierte. Wiederum zu Hause widmete er sich der Lektüre der betreffenden Bücher und studierte eingehend vor allem Thomas von Aquin. Dann ging er in die Kapelle, um über die zur Frage stehende These zu meditieren und vor dem Allerheiligsten zu beten.

Nach Beendigung der Studien in Rom kehrte Balicki im Sommer 1897 in die Diözese Przemyśl zurück, wo er in verschiedenen Aufgabenbereichen, die ihm die Oberen anvertraut hatten, für kurze Zeit als Priester tätig wurde. 1898 wurde er zum Professor für dogmatische Theologie am Diözesanseminar ernannt. Als solcher war er davon überzeugt, dass die Dogmatik nicht nur die Wissenschaft ist, die sich mit Gott befasst, sondern auch jene, welche die Wege zu ihm aufzeigt. Seine Vorlesungen waren daher gut vorbereitet, absolut verständlich, echte Meditationen über die Geheimnisse Gottes und hatten einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das moralische Verhalten der Studenten.

Neben seiner Professorentätigkeit wurde Balicki bis zum Sommer 1900 auch das Amt des Studentenpräfekten anvertraut. In der Durchführung dieser Aufgabe bewies er jedem Schüler gegenüber, der seiner Obhut übergeben wurde, große Feinfühligkeit. Beim Gespräch mit den Seminaristen hörte er aufmerksam zu und flocht nur da und dort eine Bemerkung ein.

Im Übrigen wollte er im Verborgenen arbeiten, vermied Ehrenplätze und offizielle Aufträge und war dennoch sehr zufrieden mit der Rolle des Theologieprofessors; er akzeptierte die ihm von seinen Oberen übertragenen Aufgaben und setzte sie gewissenhaft um.

1909 wurde ihm das Amt des Präfekten übertragen, bis 1927, wo er zum Vizeregens ernannt wurde. 1928 schließlich wurde Balicki Regens des Seminars, ein Amt, das er bis 1934 innehatte. Als solcher kümmerte er sich vor allem um die Ausbildung der künftigen Priester. Bevor er dem Diözesanbischof die Priesterkandidaten vorstellte, studierte er aufmerksam jeden Einzelnen von ihnen und betete viel, bis er eine Entscheidung traf. Er fühlte sich Gott und der Kirche gegenüber voll verantwortlich. Zum Priestertum sollten nur gut ausgebildete und vorbereitete Studenten gelangen.

Über seine Tätigkeit im Seminar hinaus war Balicki Synodalprüfer, Richter am kirchlichen Tribunal und Zensor der Bücher. Seine seelsorgliche Arbeit vernachlässigte er dennoch nicht. Als Beichtvater hatte er stets ein offenes Herz für jeden, der zu ihm kam. Er besaß die außerordentliche Gabe, in die Tiefen der Seele vorzudringen, die Probleme der Menschen zu erahnen und rechte Ratschläge zu erteilen. Diejenigen, die ihn zum Beichtvater gewählt hatten, aber nicht regelmäßig kommen konnten, wurden von ihm brieflich begleitet. Zudem war er ein eifriger Prediger, der häufig Volksmissionen, Exerzitienkurse und Katechesen hielt.

Zwölf Jahre lang war Balicki auch Kaplan des öffentlichen Krankenhauses von Przemyśl, wo er den Patienten sein priesterliches Wohlwollen zukommen ließ und sich besonders der auf Abwege geratenen Mädchen annahm, die dort häufig Aufnahme fanden. Unter großen finanziellen Opfern und inmitten unzähliger Schwierigkeiten und Verleumdungen baute er für sie in der Ortschaft Kruhel Wielki, unweit von Przemyśl, ein Haus, um ihnen beizustehen und Schutz zu bieten.

1928 wurde Balicki in Anerkennung seiner Verdienste von Papst Pius XI. mit der Würde des Päpstlichen Hausprälaten ausgezeichnet. Da sich bei ihm langsam aber sicher ein grauer Star entwickelte, musste er 1934 zunächst auf das Amt des Regens verzichten und dann auch seine Professur im Seminar aufgeben, wenngleich er weiterhin im Seminar blieb. Von den offiziellen Ämtern befreit, widmete er sich nun gänzlich seinen priesterlichen Aufgaben, insbesondere der Beichte und der geistlichen Führung. Zahlreiche Ordensleute und Laien kamen um Führung und Rat zu ihm. Die Beichten hörte er mit großer Geduld. Um den Seelen zu dienen, scheute er weder Zeit noch Mühen. Er verstand es, den von diversen Schwierigkeiten gepeinigten Seelen Frieden zu bringen, und setzte alles daran, um das spirituelle Wachstum seiner Beichtkinder zu fördern.

Im September 1939 begann für Polen das Drama des Zweiten Weltkriegs (1939 –1945). Die Stadt Przemyśl wurde in zwei Hälften geteilt: der alte Teil mit der Kathedrale, das Haus des Bischofs und das Seminar wurden von den sowjetischen Truppen besetzt, der Rest der Stadt jenseits des Flusses San befand sich unter deutscher Besatzung. Balicki blieb im Seminar, in der Hoffnung, seine Tätigkeit als Ausbilder wieder aufnehmen zu können. Als zum Schluss das Seminar von Soldaten und Flüchtlingen besetzt wurde, war auch er gezwungen, in das Haus zu übersiedeln, in dem vorübergehend der Bischof und die gesamte Kurie wohnten. Die gegebene Situation bot ihm die Möglichkeit, seine Nächstenliebe und seinen priesterlichen Eifer zugunsten der Vertriebenen und der politischen Flüchtlinge, wie auch der verfolgten Juden und selbst der bolschewikischen Soldaten voll zu entfalten.

Im Oktober 1941 hatten die kriegerischen Auseinandersetzungen in Przemyśl ein Ende und die Grenze, welche die Stadt trennte, wurde aufgehoben. Balicki kehrte nicht in das Seminar zurück, sondern blieb im Haus des Bischofs wohnen, um seine priesterliche Mission in der Verborgenheit seines Zimmers fortzusetzen. Er litt geistig mit dem gesamten polnischen Volk und betete unentwegt um das Ende des Krieges und um eine bessere Zukunft für die Heimat. In Anerkennung dieser seiner Verdienste wurde er zum Ehrenkanoniker des Kathedralkapitels von Przemyśl ernannt.

Gegen Mitte Februar 1948 erkrankte er schwer. Am 19. Februar wurde er wegen Lungentuberkulose in das öffentliche Spital eingeliefert. Wenige Wochen später, am 15. März 1948, überantwortete er, versehen mit den Tröstungen der Religion, seine Seele in die Hände Gottes, nachdem er gerade in das 80. Lebensjahr eingetreten war.

Eine große Menschenmenge aus Klerus und Volk begleitete seinen Leichnam zum Friedhof von Przemyśl. Der Ruf der Heiligkeit verbreitete sich rasch in ganz Polen und unter den polnischen Emigranten im Ausland. In der Tat hatte Balicki immer ein intensives spirituelles Leben geführt. Er hinterließ einige Schriften vornehmlich spirituellen Charakters, darunter Grundrisse der täglichen Meditation.

1955 wurden seine sterblichen Überreste in eine neue Grabstätte in der Kapelle desselben Friedhofs überführt. Nunmehr befindet sich sein Grab in der Kathedrale, Zankowa 3, in Przemyśl.

Am 18. August 2002 wurde Johannes Adalbert Balicki von Papst Johannes Paul II. in Krakau, Polen, seliggesprochen.

Resch, Andreas: Die Seligen Johannes Pauls II. 2001 – 2004. Innsbruck: Resch, 2015 (Selige und Heilige Johannes Pauls II; 6). XIV, 482 S., 110 Farbtaf., ISBN 978-3-85382-099-5, Ln; EUR 48.60 [D], 49.90 [A]

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