HELENA GUERRA
(1835-1914)
GRÜNDERIN
DER OBLATINNEN
DES HEILIGEN GEISTES
Heilig: 20. Oktober 2024
Fest: 11. April
Helena Guerra wurde am 23. Juni 1835 in Lucca, Italien, in einer Familie des lokalen Adels geboren und erhielt zusammen mit den beiden Brüdern von klein auf eine gute Erziehung.
Nachdem sie mit acht Jahren gefirmt worden war, spürte sie eine besondere Hinwendung zum Hl. Geist. „Von da an glaubte ich“, schrieb sie später, „wenn ich mich zur Pfingstnovene in der Kirche befand, im Paradies zu sein“.
Nach der ersten hl. Kommunion durfte sie, die sich immer mehr von der Liebe Christi angezogen fühlte, täglich die Eucharistie empfangen. Daheim bereitete sich der Bruder auf die Priesterweihe vor. Helena hätte selbst gerne an den Lektionen der Professoren teilgenommen, die der Vater zur Unterweisung des Sohnes in das Haus geheißen hatte. Die Mutter war jedoch dagegen, denn nach ihrem Dafürhalten sollte sich Helena der Musik, der Malerei und der Stickerei widmen. Diese aber besuchte heimlich den Unterricht des Bruders, sparte sich Stunden vom Schlaf ab und vervollständigte ihre Ausbildung, indem sie auch Latein lernte.
1856 gründete sie zwei Vereine junger Frauen, „Giardinetto di Maria“ und „Amicizie spirituali“, die sich gegenseitig spirituell austauschen wollten: Initiativen, die in prophetischer Weise die modernen Methoden der Katholischen Aktion vorwegnahmen. So mussten sich die Mitglieder verpflichten, ein durch und durch christliches Leben zu führen. Im Jahr darauf wurde Helena jedoch von einer schweren Krankheit heimgesucht, die sie für lange Zeit außer Gefecht setzte.
Nachdem sie sich wieder erholt hatte, bat sie um Aufnahme bei den Damen der Nächstenliebe, die Hausbesuche bei den Armen und Kranken machten. Und als in Lucca die Cholera wütete, suchte sie mit Erlaubnis der Familie die Kranken auf, um sie zu pflegen und ihnen durch Worte des Glaubens Trost zu spenden.
Auf ihrem Weg der spirituellen Reifung konzentrierte sich Helena vor allem auf asketische Themen und auf die Grundlagen ihrer Spiritualität: Heiliger Geist, Eucharistie und Pfingsten. Mit Bedauern stellte sie fest, dass der Großteil der Christen die Verehrung des Hl. Geistes vernachlässigte, weshalb sie 1865 eine Broschüre mit dem Titel „Pia Unione di preghiere allo Spirito Santo“ verfasste, um die Ungläubigen zur Umkehr zu bewegen. Außerdem führte sie die Praxis der sieben Wochen in Vorbereitung auf das Pfingstfest ein. 1889 ließ sie schließlich die Novene „Nuovo Cenacolo“ drucken, um eine generelle Rückkehr der Gläubigen zum Hl. Geist anzuregen.
Davon überzeugt, dass die Presse für die Kirche eine wichtige Rolle spielte, publizierte Helena Guerra zahlreiche Schriften über Probleme von Frauen – Ehefrauen, Bräute, Hausangestellte – und über die Schule, um Lehrkräfte und Schüler für eine christliche Kultur zu begeistern.
Sie leitete Hunderte von jungen Menschen zu einem christlichen Leben an, darunter auch die hl. Hemma Galgani, die um Aufnahme in die entstehende Gemeinschaft bat. Allerdings musste sie dann wegen einer schweren Krise darauf verzichten, die ihre Gesundheit wegen des Todes ihrer Mutter, ihres Bruders Gino, eines Seminaristen, dem sie sehr verbunden war, und ihres Vaters unterminiert hatte. Dazu kam eine schwere wirtschaftliche Krise, die über die Familie hereingebrochen war.
1870, nach Rückkehr von einer Wallfahrt mit ihrem Vater nach Rom, trug sich Helena mit dem Gedanken, einen Kreis von Anbeterinnen des Hlst. Altarsakraments ins Leben zu rufen. Ihr Seelenführer, der Jesuit Venanzi, riet ihr jedoch davon ab. Nachdem sie dann die Biografie der hl. Angela Merici gelesen hatte und etwas für die Bildung der Jugend tun wollte, erhielt sie die Erlaubnis, ein paar armen Mädchen im Haus einer Dame der Nächstenliebe ein wenig Unterricht zu erteilen. Mit Unterstützung des Dompfarrers von Lucca eröffnete sie 1872 eine Privatschule für die Mädchen aus dem Bürgertum und dem Adel von Lucca. Nach einigen Schwierigkeiten konsolidierte sich das Werk und so gründete sie das Institut der hl. Zita, bestehend aus Frauen, die anfangs nicht in Gemeinschaft lebten, sich aber der Unterweisung und Erziehung der Mädchen widmeten.
Etwa zehn Jahre lang hatte Helena mit dem Unverständnis der Bewohner von Lucca, des Klerus und selbst des Erzbischofs Arrigoni wie auch ihrer Familie zu kämpfen. 1882, nachdem sie von daheim ausgezogen war, begann sie in einem Haus, das sie mit Mitteln aus der Aufteilung des Familienvermögens erworben hatte, ein Gemeinschaftsleben mit den Schwestern des Heiligen Geistes. Anschließend schrieb sie über Vermittlung des Weihbischofs von Lucca, Msgr. Giovanni Volpi, an Papst Leo XIII., er möge die Bischöfe und durch dieselben die Pfarrer veranlassen, die Gläubigen mit einer zum Beispiel gepredigten Novene auf das Pfingstfest vorzubereiten. Der Papst erkannte die Bedeutung des Appells und forderte mit einem Breve vom 5. Mai 1895 alle Bischöfe der Welt auf, diese Novene für die Rückkehr aller Abtrünnigen zur wahren Kirche zu predigen. Schwester Helena gründete daraufhin die Gesellschaft des „Cenacolo Permanente“ und berichtete erneut dem Papst darüber, der mit der Enzyklika Divinum illud Munus vom 9. Mai 1897 den Gläubigen ausdrücklich die Verehrung des Hl. Geistes empfahl.
Fünf Monate später empfing er Helena in Privataudienz. Da diese ihrerseits festgestellt hatte, dass der Klerus bedauerlicherweise wenig interessiert schien, die Empfehlungen Leos XIII. umzusetzen, verfasste sie weitere Broschüren, um die Pfarrer und die Gläubigen zur Verehrung aufzurufen, und finanzierte zu diesem Zweck in verschiedenen Teilen Italiens Volksmissionen. Auch diesmal unterstützte der Papst die Initiative, indem er den Pfarrern mit Nachdruck die Feier der Pfingstnovene „tutti gli anni per il ritorno all’unità di tutti i credenti“ („alle Jahre für die Rückkehr der Gläubigen zur Einheit“) ans Herz legte.
Aber auch die dunklen Stunden im Leben der Helena Guerra blieben nicht aus. Zwischen 1905 und 1906 wurde sie von einigen Mitschwestern einer schlechten Verwaltung bezichtigt. Man beschuldigte Helena, das Vermögen des Instituts durch ihre Publikationen zu verschleudern. Die kirchlichen Behörden wiesen sie an, das Amt der Superiorin niederzulegen, und verboten ihr, weitere Schriften in Druck zu geben. Guerra trat in demütigem Gehorsam zurück und bot ihr Leben zum Wohl der Kirche.
Die letzten drei Jahre verbrachte Helena zwischen Krankheit und Schmerz, was schließlich am Karsamstag, den 11. April 1914, zum Tod führte. Nachdem sie sich ankleiden hatte lassen, stieg sie aus dem Bett, küsste den Boden und wiederholte mit lauter Stimme: „Ich glaube!“
Ihre sterblichen Überreste ruhen in Lucca in der Kapelle der Oblatinnen des Hl. Geistes, wohin sie 1928 gebracht worden waren.
Kontrolle bis hier!
Die Konsolidierung des Rufes der Heiligkeit führte 1930 zur Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens.
Nachdem der kanonische Weg im damals geltenden Selig- und Heiligsprechungs-Procedere positiv bewältigt worden war, wurde 1953 das Dekret über die Heroizität der Tugenden von Helena Guerra veröffentlicht. Im Hinblick auf ihre Seligsprechung wurden der Ritenkonkregation zwei angebliche Wunder zur Beurteilung unterbreitet, zu denen im Verlauf des in der Diözesankurie von Lucca stattfindenden Apostolischen Prozesses das Beweismaterial vorschriftsmäßig gesammelt worden war und am 16. Oktober 1953 für gültig erklärt wurde. Nach positivem Abschluss des Anerkennungsprozesses der beiden Wunder wurde Helena Guerra am 26. April 1959 von Papst Johannes XXIII. zur Ehre der Altäre erhoben. Es war dies die erste Seligsprechung seines Pontifikats.
Die Postulation der Causa unterbreitete der Heiligsprechungskongregation den Fall einer Frau aus Brasilien, die ein schweres Schädelhirntrauma mit systemischen Komplikationen wie Lungenentzündung und Hepatitis überlebt und, obwohl schon für hirntot erklärt, rasch, umfassend und dauerhaft geheilt worden war. Der Fall ereignete sich 2010.
Die juridische Gültigkeit der 2013 bei der Diözesankurie von Uberlandia in Brasilien durchgeführten Diözesanuntersuchung wurde mit dem Dekret der Heiligsprechungskongregation vom 9. Juli 2015 bestätigt.
Am 1. Juni 2023 erklärte die Consulta Medica den Fall für wissenschaftlich nicht erklärbar.
Am 9. Januar 2024 versammelte sich der Pekuliarkongress der Theologenkonsultoren, um die theologischen Aspekte des angenommenen Wunders zu erörtern. Die Zustimmung erfolgte einhellig, womit im vorliegenden Fall ein von Gott gewirktes Wunder auf Fürsprache der Seligen Helena Guerra bestätigt wurde.
Die Kardinäle und Bischöfe erkannten in der Ordentlichen Sitzung vom 9. April im vorliegenden Fall auf ein echtes Wunder durch Fürsprache der Seligen.
Schließlich ermächtigte Seine Heiligkeit, Papst Franziskus, die Heiligsprechungskongregation zur Proklamation des Decretum super miracolo am 13. April 2024.
Am 20. Oktober 2024 wurde Helena Guerra von Papst Franziskus heiliggesprochen.