Waffensalbe

Auch Sympathetische Salbe, altes magisches Heilmittel für durch Waffen verursachte Wunden.
Die W. sollte alle durch scharfe Waffen verursachten Wunden heilen, soweit diese nicht Herz, Gehirn oder Arterien verletzt hatten. Gelegentlich findet sich auch die Vorstellung, dass allein die Behandlung der Waffe (Schwert, Dolch usw.) bzw. ihres Metalls genügen würde, um die durch sie geschlagenen Wunden zu beeinflussen.
Von Paracelsus ist ebenfalls ein Rezept für eine „Waffensalbe“ überliefert. Sie hieß so, weil man sie auf die verletzende Waffe strich, nicht auf die Wunde. Zutaten für die Salbe bildeten Moos, das auf einem Schädel wächst, der „am Wetter gelegen ist“, gemahlene Mumie, Menschenblut und Menschenschmalz, Leinöl, Rosenöl und boli armeni (armenischer Rothstein). Abgesehen von der Mumie, stammten die menschlichen Bestandteile für derlei Rezepte offiziell von Verbrechern, die nicht auf dem Friedhof bestattet, sondern deren Körper nach dem Tod für ebensolche Heilmethoden verkauft wurden. Inoffiziell mussten jedoch auch immer wieder Tote auf Schlachtfeldern und sogar Gebeine aus geweihten Ossarien für medizinische Zwecke herhalten, Letztere nicht zuletzt deshalb, weil sie angeblich ‒ zwar nicht offiziell, aber in der Praxis ‒ mit einer heiligen Aura versehen sein sollten: So sollte ein aus einem Beinhausschädel gebrochener Zahn beispielsweise gegen Zahnschmerzen helfen.
Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Konzept von dem deutschen Gelehrten Rudolf Goclenius dem Jüngeren und dem flämischen Arzt Johan Baptista van Helmont verbreitet. Es findet sich in vielen medizinischen Abhandlungen, insbesondere solche für den Laien, wie Carl von Goglers Hauß- und Feld-Apotheck.
Im Flugblatt Curious Enquiries von 1687 wurde die W. zur Lösung des Längenproblems, der Bestimmung des Längengrads auf See, vorgeschlagen. Ein Hund sollte mit einem Messer verwundet und dann die W. im Heimathafen jeden Tag genau zur Mittagszeit auf das Messer aufgebracht werden. Der Hund an Bord des Schiffes sollte in diesem Moment vor Schmerz aufheulen und so dem Schiffskapitän die Uhrzeit im Heimathafen anzeigen.
Auch der Arzt Oswald Croll berichtete 1609 in seiner „Basilica Chymica“ über die Anwendung von W. bei offenen Wunden. Die Therapie hatte viele Gegner. Sie vermuteten dahinter die Wirkung von Dämonen, was zu einem Streit zwischen Goclenius, dem Jesuiten Jean Roberti (1569-1644) und van Helmont führte. Mit der Aufklärung verlor dieses typisch magische Arzneimittel seine Bedeutung.

Lit.: Croll, Oswald/Hartmann, Johann/Michaelis, Johann: Oswaldi Crollii Basilica Chymica. Pluribus selectis et secretissimis propria manuali experientia approbatis descriptionibus et vsu remediorum chymicorum selectissimorum aucta Basilica chymica. Coloniae Allobrogum: Chouët, 1635; Gogler, Carl von: Erneuerte Hauß- und Feld-Apotheck oder Stadt- und Land Artzney-Buch darinnen zu finden wie sich d. Mensch beydes vor allerhand Zufällen, als auch in denenselben verhalten solle … Franckfurt am Mäyn [u.a.]: Hallervord, 1686; Höpflinger, Anna-Katharina/Müller, Yves: Zwischen den Welten: Beinhäuser in Mitteleuropa. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 66 (2017) 3, 195-217.

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