Als der englische Anthropologe Edward Evan Evans-Pritchard (1902-1973) um 1930 im Norden von Zentralafrika die Vorstellungen der Azande über Hexerei, Magie und Orakel untersuchte, stieß er auf vier Orakelpraktiken, die aufschlussreiche Parallelen zu den Gepflogenheiten der griechischen Welt aufwiesen. Neben Stöckchenorakel, Reibbrettorakel und Giftorakel war auch das sog. T. Gegenstand der Untersuchungen. Dabei werden zwei Zweige von verschiedenen Bäumen in einen Termitenhügel gesteckt und Fragen nach folgendem Prinzip gestellt: „Oh, Termiten, ich werde dieses Jahr sterben, fresst den einen Zweig. Ich werde nicht sterben, fresst den anderen Zweig.“ Am Tag darauf wird nachgesehen, welcher Zweig ihrem Appetit zum Opfer gefallen ist. Fressen die Termiten keinen der Zweige, probiert man es mit einem anderen Hügel. Fressen sie beide Zweige, gilt die gestellte Frage als nur teilweise beantwortet. Widersprüche werden in Kauf genommen.
Lit.: Rosenberger, Veit: Griechische Orakel: eine Kulturgeschichte. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2001.