Terminale Geistesklarheit

Auch terminale Luzidität (engl. terminal lucidity). Unter t. G. versteht man das vorübergehende Wiedererlangen geistiger Wachheit, Orientierung und Kommunikationsfähigkeit kurz vor dem Tod. Das Phänomen wurde bei verschiedenen Krankheiten, nicht nur Demenz, beobachtet.
Bekannt ist das Phänomen schon seit der Antike. Bereits Ärzte im alten Griechenland und Rom machten die Feststellung, dass Menschen, die Tage oder Jahre nicht ansprechbar waren, kurz vor ihrem Tod das normale Bewusstsein wiedererlangten und zum Teil ein Wissen an den Tag legten, als ob sie ein völlig normales Leben geführt hätten.

Ein prägnantes Beispiel der jüngeren Zeit ist der Fall „Käthe“ (Anna Katharina Ehmer), einer geistig Schwerstbehinderten, die nie sprach, sich kurz vor ihrem Tod (1922) aber völlig präsent und kommunikativ zeigte. Sie sang sich sogar selbst die Sterbelieder.
Am genannten Fall ist unschwer zu erkennen, dass die Hypothese, das Bewusstsein würde vom Gehirn hervorgebracht, keine Erklärung bietet. Alternativ dazu wird die noch wenig bekannte
Transmissionshypothese diskutiert, welche nahelegt, dass das Gehirn nicht das Bewusstsein erzeugt, sondern lediglich als Überträger wirkt ‒ was jedoch voraussetzt, dass eine über den physischen Körper hinausgehende Wesenheit angenommen werden muss, die als Seele bezeichnet werden kann.

Lit.: Nahm, Michael: Wenn die Dunkelheit ein Ende findet. Terminale Geistesklarheit und andere ungewöhnliche Phänomene in Todesnähe. Amerang: Crotona, 2012.

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