Auch Tempelritter. Die Armen Ritter Christi und des Tempels von Salomon wurden 1118 von dem Adeligen Hugo de Payns (ca. 1070-1136) gegründet, um die Pilger im Heiligen Land auch bewaffnet zu beschützen. Sie hatten ihr Hauptquartier in der Nähe der Stelle des Tempels von Salomon in Jerusalem. 1129 erhielten die T. eine Regel, die vom Konzil von Troyes beschlossen wurde. Die von Innozenz II. verliehenen Privilegien schufen die Voraussetzung für die organisatorische Gestaltung des Ordens und für seine Ausbreitung auch diesseits des Mittelmeeres. Ihre Besitztümer, vor allem in Form von Festungen, und ihr Reichtum verzeichneten einen raschen Zuwachs.
An der Spitze des Ordens, dem neben Rittern auch Kapläne, dienende Brüder, Schwestern und Semireligiose angehörten, stand der Großmeister, der bis 1187 im Tempelbezirk bei der als Templum Salomonis bezeichneten Al-Aqṣā Moschee seinen Sitz hatte. Die einem Komtur unterstellten Ordenshäuser dienten in erster Linie dazu, Beiträge für die Zwecke des Heiligen Landes zu sammeln und für die Rekrutierung und Ausbildung geeigneten Nachwuchses zu sorgen. Dennoch konnten sie weder die Eroberung Jerusalems (1187) noch den Fall von Akko (1291) verhindern. In der Folge zogen sich die T. auf die Insel Aruad und dann auf Zypern zurück. Es gelang ihnen nicht, wie den Johannitern, eine eigene Territorialherschaft zu errichten.
Auf dem Konzil von Vienne (1311-1312) verfügte Papst Clemens V., den Templerorden am 22. März 1312 aufzulösen, um die offizielle kirchliche Verurteilung der T. zu vermeiden, die König Philipp IV. von Frankreich seit der am 13. Oktober 1307 erfolgten Gefangennahme der Pariser T. durch einen aus politischen Gründen geführten Prozess, dem u.a. der Großmeister Jacques de Molay zum Opfer fiel, zu erreichen versucht hatte. Während der Großteil der Besitzungen nach dem Konzilsbeschluss von 1312 an die Johanniter fiel, dienten sie auf der Iberischen Halbinsel der Ausstattung des Ordens von Montesa und der Militia Christi.
Fünf Jahre kämpfte Papst Clemens V. mit dem französischen König und ließ auf dem Konzil von Vienne (1312) endgültig festhalten, dass die T. keine Häretiker und Gottesfrevler seien, wie von König Philipp IV. behauptet.
2007 legte der Präfekt des Vatikanischen Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano, die neue Zusammenstellung der Dokumentensammlung „Processus Contra Templarios“ vor, in dem u.a. das sog. Chinon Pergament enthalten ist, mit dem die Templer vom Vorwurf der Häresie freigesprochen worden waren und das in den vatikanischen Registern seit dem Jahr 1912 verzeichnet ist.
Lit.: Prutz, Hans: Entwicklung und Untergang des Tempelherrenordens. Mit Benutzung bisher ungedruckter Materialien. Berlin: Grote, 1888; Frale, Barbara: Il Papato e il processo ai Templari. L’inedita assoluzione di Chinon alla luce della diplomatica pontificia. Rom, 2003; Wolf, Dieter H. (Hrsg.): Internationales Templerlexikon. Innsbruck: Studien-Verlag, 2003; Sarnowsky, Jürgen: Die Templer. München: C.H. Beck, 2009.