Tempelschlaf

(Altgriech. enkoimesis, lat. incubatio, Inkubation), antike Heilpraxis, bei der sich ein Kranker im Heiligtum einer Gottheit bzw. in einem Tempel (häufig des Heilgottes Asklepios) einem „heilsamen“ Schlaf hingab, in der Hoffnung, in einer inneren Selbstschau einen Hinweis auf ein wirksames Mittel gegen seine Krankheit zu erhalten. Der Kranke sprach oft korrekt vom künftigen Verlauf seiner Krankheit, wobei sich diese Fähigkeit des Patienten nicht selten auf den Zustand anderer Kranker, mit denen er in Verbindung gesetzt wurde, erstreckte.
Der französische Magnetiseur Marquis de Puységur (1751-1825) wurde als „Wiederentdecker des Tempelschlafes“ gefeiert, als seine Versuchsperson Victor Rasse im „magnetischen Somnambulismus“ die Fähigkeit zeigte, bei anderen Patienten medizinische Diagnosen zu stellen und Therapien zu verordnen. > Heilschlaf, > Inkubation.

Lit.: Bonin, Werner F.: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Bern/München: Scherz, 1976; Siefert, Helmut: Tempelschlaf, in: Werner E. Gerabek/Bernhard D. Haage/Gundolf Keil/Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. Berlin/New York: de Gruyter, 2005; Pakraduny, T.: Die Welt der geheimen Mächte: Wiesbaden: R. Löwit, o.J.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.