(Griech. tēle, fern, weit, und páthos, Gemütsbewegung), eine von Frederic W.H. Myers (1843-1901) geprägte Bezeichnung für eine manchen Menschen zugeschriebene Fähigkeit, Gedanken, Antriebe, Empfindungen oder Gefühle in einer Art Fernwirkung von sich auf eine andere Person oder von einer anderen Person auf sich zu übertragen, mitunter als Gedankenlesen oder Gedankenübertragung bezeichnet. Die bis dahin gebräuchliche Bezeichnung thought transference (Gedankenübertragung) für das Phänomen wurde durch Myers’ Wortschöpfung, die er erstmals 1882 vor der Society for Psychical Research (SPR) in London präsentierte, abgelöst.
Heute wird T. als eine nicht durch die bekannten Sinne vermittelte Erfahrung eines fremdseelischen Vorgangs (Gefühle, Antriebe, Gedanken usw.) bzw. als Außersinnliche Wahrnehmung (ASW) bezeichnet. Dabei muss dem Perzipienten die Information keineswegs bewusst werden, sondern kann sich auch in Gestimmheiten ausdrücken, wie z.B. im unmotivierten Weinen (Todesahnung), das, wie sich später zeigt, mit einem bestimmten Todesfall koinzidiert.
Die wichtigsten Phänomene der T. sind: 1. Agent wirkt auf Perzipient (Mentalsuggestion); 2. Der Perzipient scheint zugleich Agent zu sein, sog. Abzapfen; 3. Die Kommunizierenden teilen nach der Parapschologie ein psychisches Feld.
Lit.: Wasielewski, Waldemar von: Telepathie und Hellsehen: Versuche und Betrachtungen über ungewöhnliche seelische Fähigkeiten. Halle/S.: Marhold, 1922; Bender, Hans: Telepathie, Hellsehen und Psychokinese. München: Piper, 1972.