Tegel, Spuk von

Poltergeist-Spuk aus dem Jahre 1797 in einem Berliner Vorort, der in die Literaturgeschichte einging. Laut Presseberichten kam es in einem Försterhaus in Tegel vornehmlich in Mondscheinnächten zu unerklärlichem Gepolter. Die Ereignisse wurden vom Oberförster der „Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin“ mitgeteilt, die sich daraufhin zu einer Geisterjagd entschloss. Am 13. September sowie am 2. Oktober 1797 wollte man der Ursache auf den Grund gehen. Beim ersten Besuch waren um Mitternacht aus dem Korridor Geräusche zu vernehmen, deren Herkunft sich jedoch nicht feststellen ließ, weil die Tür zu dem Zimmer, in dem sich die Gesellschaft aufhielt, nur mit Verzögerung geöffnet werden konnte. Beim zweiten Mal fand sich auf der Truhe im Korridor ein mit einer Gartenschnur umwickeltes Holzstück. Alle Geräusche ließen sich in der Folge mit Hilfe des Holzstückes und eines über das Holz einer Tür gleitenden nassen Daumens reproduzieren. Von den Herren der Gesellschaft wurde daraufhin ein Protokoll verfasst und der Spuk als aufgeklärt betrachtet.
Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass einer der Jägerburschen des Oberförsters den Spuk in Absprache mit der Tochter der zum Aberglauben neigenden Förstersgattin inszeniert hatte, um diese für das Liebespaar geneigter zu machen.
Durch die Verse aus Goethes Ballade Die erste Walpurgisnacht von 1799 ging der bekannte „Tegeler Spuk“ in die Unsterblichkeit ein: „das Teufelspack das fragt nach keiner Regel, wir sind so klug und dennoch spukts in Tegel“ (Buchner, S. 277).

Lit.: Hennig, Richard: Der moderne Spuk- und Geisterglaube: eine Kritik und Erklärung der spiritistischen Phänomene. Hamburg: Schultze, 1906; Buchner, Eberhard: Von den übersinnlichen Dingen: ein Führer durch das Reich der okkulten Forschung. Leipzig: Felix Meiner, 1924; Griepentrog, Gisela (Hrsg.): Berlin-Sagen. Berlin: vbb, 2010.
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