T. und ihr Bruder Schu wurden vom Urgott Atum aus sich selbst erschaffen. Damit tritt die Zweiheit in die Welt, womit der Kreislauf der Geschlechter beginnt. Die beiden bilden das Paar, das die Götter zeugt (Erdgott Geb und Himmelsgöttin Nut). Durch die Verschmelzung von Atum und Re werden T. und Schu zu Kindern des Sonnengottes, sie gelten als die Augen des Himmelsherrn. Zunächst wird T. dem Mondauge gleichgesetzt, kann aber durch verschiedene Querverbindungen auch zum Sonnenauge und über dieses zur Uräusschlange werden. In ihrem Hauptkultort Leontopolis (Löwenstadt) wurde sie mit Löwenkopf dargestellt, der eine von zwei Schlangen umringte Sonnenscheibe trägt, weshalb T. den Beinamen „Stirnschlange am Haupte aller Götter“ erhielt. In Buto wurden T. und Schu in den flamingogestaltigen „Kindern des unterägyptischen Königs“ verehrt, was ein mythisches Bild für Sonne und Mond abgibt.
Lit.: Assmann, Jan: Tod und Jenseits im alten Ägypten. München: Beck, 2001; Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Symbole der Alten Ägypter. Frankfurt/M.: Fischer, 2005.