(* 1963 in England), Autist mit sprachlicher Inselbegabung.
T. zeigte anfangs keinerlei Störungen, wenngleich er bei der Geburt fast erstickt wäre. Im Alter von sechs Monaten traten dann jedoch in Form und Ausmaß schwere motorische Funktionsstörungen auf, verursacht durch eine weitreichende Gehirnschädigung, die zu Seheinbußen und Bewegungseinschränkungen führten. Was seine Gesamtentwicklung anbelangt, so zeigten sich Beeinträchtigungen vor allem beim Gehen und Sprechen. Eine Magnetresonanzaufnahme ergab eine zerebrale Atrophie mit breiten Furchen über beiden Hemisphären.
Im Alter von drei Jahren bewies T. eine auffällige Lesebegabung (Hyperlexie), vor allem beim Französischbuch der Schwester. Die Eltern schenkten dem angesichts der Entwicklungsstörung ihres Sohnes keinerlei Beachtung, obwohl sich die Hyperlexie in einem raschen und korrekten Erfassen von lexikalischen Begriffen sowie geradezu in einer Besessenheit, aus den verschiedensten Wörterbüchern neue Begriffe zu erlernen, äußerte. Vielmehr wurden als Ursachen der Entwicklungsstörung T.s eine Gehirnschädigung und ein Wasserkopf verantwortlich gemacht. Seine Lesefähigkeit bezeichnete man schließlich als autistische Inselbegabung. Laut Fachexperten ist der Fall Christopher Taylor in der Geschichte der Literatur sogar weltweit einmalig, sodass man ihn ein Wundertalent nennt, da Inselbegabte selten sprachbegabt sind.
Aufgrund der besonderen Situation gab man T. zunächst in eine Schule für Lernbehinderte. Anschließend kam er in ein Heim für betreutes Wohnen, das er allerdings nur in Begleitung verlassen kann, weil er sonst die Orientierung verlieren würde.
Andererseits kann T. 25 Sprachen verstehen, schreiben, lesen und zehn davon mehr oder weniger fließend sprechen. Unklar bleibt nach Prof. Neil Smith, der sich eingehend mit T. befasst hat, warum dieser bei allgemeinen Intelligenztests schlecht abschneidet, bei Sprachtests jedoch Universitätsniveau erreicht. Es scheint, dass die autistische Motivation eine andere ist, d.h., dass T. Vokabeln und Sätze nur sammelt und Sprache als bloßes (erlernbares) System betrachtet, denn der Gebrauch der Sprache zur Kommunikation mit anderen Menschen hat für ihn keine Bedeutung. Hinzu kommt, dass T. nach allen Seiten hin lesen kann, so auch seitenverkehrt. Außerhalb des Sprachbereiches ist sein Denken und Fühlen kaum zu spüren.
Damit ist T. das beste Beispiel eines Nebeneinanders von außerordentlicher Fähigkeit und völliger Unfähigkeit in ein und derselben Person.
Lit.: Ammari, Elham H.: Prodigious Polyglot Savants: The Enigmatic Adjoining of Language Acquisition and Emaciated Potentials. International Journal of Business and Social Science, vol. 2, no. 7; Special issue (April 2011).