Taxil, Leo

Pseud. (* 21.03.1854 Marseille, † 31.03.1907 Sceaux), eigentl. Gabriel Antoine Jogand-Pagès, französischer Journalist, Schriftsteller, skrupelloser Schwindler. Obgleich bei den Jesuiten katholisch erzogen, geriet T. bald in ein antiklerikales freigeistiges Milieu, brach nach dem dt.-frz. Krieg 1870/71 jegliche Verbindung zu seiner Familie ab und wurde Mitglied der Freimaurerei, aus der er jedoch wegen unlauterer Geschäfte wieder ausgeschlossen wurde. 1885 öffentliche (Schein-)Konversion zur kath. Kirche. T. verfasste hinfort ‒ wohl um sich zu rächen ‒ unter seinem Pseudonym Bücher über den angeblichen Satanismus der Freimaurer; erhielt eine eigene Audienz bei Papst Leo XIII., der ihm seine Anerkennung für seine „Enthüllungsschriften“ aussprach. 1896 organisierte T. in Trient einen Anti-Freimaurer-Kongress, an dem viele katholische Bischöfe und Geistliche teilnahmen. 1897 gestand er jedoch ‒ in die Enge getrieben ‒ auf einer Pressekonferenz in Paris, dass er die Behauptungen betreffend den Satanskult nur spaßeshalber geschrieben habe. Auch die angebliche Existenz einer gewissen, aus einer Teufelsbuhlschaft hervorgegangenen Miss Diana Vaughan aus Amerika, um die auf dem genannten Kongress viel diskutiert worden war, war eine Erfindung T.s (denn er schrieb auch unter diesem Pseudonym).

Lit.: Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland, Bd. 118 (1896), 657-679, 719-733; Lennhoff, Eugen/ Posner, Oskar: Internationales Freimaurerlexikon (1932, Nachdr. 1973), S. 1558-1561.

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