Taurobolium

Römisches Ritual der Bluttaufe, das zum Kybele- und Mithras-Kult gehörte.
In der Entwicklungsgeschichte des T.s ist von drei Phasen die Rede. In seiner ersten Phase (2. Jh. v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr.) war das zuerst in Kleinasien praktizierte Ritual mit keiner bestimmten Gottheit assoziiert, sondern es handelte sich dabei offenbar einerseits um Stierkämpfe, andererseits um die Darbringung von Opfern. Möglicherweise wurde das Ritual dann von Auswanderern nach Italien gebracht und dort in einer zweiten Phase (2. Jh. n. Chr. bis Ende 3. Jh. n. Chr.) in Rom in den Kult der Mater Magna inkorporiert. Der Initiant stand dabei in einer Grube, während sich über sein Haupt das Blut eines über ihm geopferten Stieres (tauros) ergoss. Das Blut als Symbol der Lebenskraft sollte dabei ursprünglich die Lebenskraft des Opfertiers übertragen. In einer dritten Phase (3. Jh. n. Chr. bis Ende 4. Jh. n. Chr.) adaptierte die nichtchristliche stadtrömische Aristokratie das T. insofern, als es ihm den Aspekt von persönlicher Erneuerung und Wiedergeburt verlieh. Für die christliche Literatur diente das Blut des barbarischen Opferrituals als Gegenbild zum Blut der christlichen Märtyrer und Jesu Christi sowie zum reinen Taufritual.

Lit.: Duthoy, Robert: The Taurobolium, its Evolution and Terminology. Études préliminaires aux religions orientales dans lʼEmpire romain, Bd. 10. Leiden: Brill, 1969; Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 12 1/2. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler, 2002.

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