(Lat. columba), gehört zur Ordnung der Taubenvögel (Columbiformes). Die antike Naturwissenschaft ging von der Annahme aus, dass die T. keine Gallenblase habe und daher frei von jeder Bosheit sei, was sie zu einem Symbol des Friedens, der Unschuld, Liebe, Treue und Mutterschaft werden ließ. Schon im Altertum wurde sie als Attribut der orientalischen Fruchtbarkeitsgöttin Ischtar gesehen und daran anknüpfend als Attribut der Aphrodite (römische Venus), deren Nekropolen als columbariae (Taubenschläge) bezeichnet wurden.
Im alten Iran ‒ so berichtet der antike Geschichtsschreiber Herodot ‒ wurden weiße Tauben aus dem Land vertrieben, weil man glaubte, sie hätten gegen die Sonne gefehlt. Daher wurden sie mit dem finsteren Urgrund der Welt in Verbindung gebracht. Und da sich die Vögel mitunter auch recht aggressiv gebärdeten, wurden sie als Tiere des dunklen Gottes Ahriman in seiner Eigenschaft als Kriegsherr gesehen.
In Hellas galten Wildtauben und Ringeltaube als Attribute der Unterwelt- und Todesgöttin Persephone.
Nach altmediterranem Glauben flog nach dem Tod eines Menschen die Seele als Vogel auf. So nahm man an, dass T.n die Verstorbenen abholten und deren Seelen durch die Ebenen der Transzendenz geleiteten.
Da sie in ihrer Heroldfunktion zwischen Göttern, Menschen und Toten offenbar gute Arbeit leisteten, vertraute man ihnen im alten China auch die irdische Post an. Seitdem symbolisiert die Brieftaube Kommunikation und Nachricht.
Die T. mit Olivenzweig als Friedenssymbol wurzelt im biblischen Sintflutbericht. Ein weiterer Bereich im Christentum, den sie für sich in Anspruch genommen hat, ist die Symbolik des Hl. Geistes. So heißt es im Bericht von der Taufe Jesu: „Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine T. und auf ihm blieb“ (Joh 1,32). Weiters ist die T. bis heute das Symbol des Pfingstfestes schlechthin und hielt auch Einzug in die Ikonographie. Nach dem Konzil zu Konstantinopel 536 verdeutlichten Künstler den Hl. Geist nur noch unter dem Symbol der Taube. Symbolisch dargestellt wird sie auch gern am Rand eines Gefäßes mit Lebenswasser sitzend. Und als Symbol der Klugheit und Sanftmut gehört sie zu den Attributen der Mäßigkeit (temperantia). Ein weißes Taubenpaar ist bis heute ein populäres Liebessymbol.
Mancherorts galten T.n als heilige Tiere, so dass sie in vielen Tempeln ungestört nisten durften. Im Islam haben sie bis heute ihre Freistätten an den Moscheen und an der Kaaba.
Lit.: Zerling, Clemens: Lexikon der Tiersymbolik: Mythologie, Religion, Psychologie. Klein Jasedow: Drachen Verlag, 2012.