Symbol des Segens und des Lebens. Schon in der Bibel ist die Rede von der Huld des göttlichen Herrschers, der wie „T. auf dem Gras“ sei (Spr 19,12). Und in der Auslegung auf Christus hin ist eine Stelle bei Jes 45,8 bezeichnend, die in das deutsche Adventlied „Tauet Himmel, den Gerechten“ Eingang gefunden hat. In der Sprache der Bibel und der Kirche ist der T. allgemein ein Sinnbild für die Offenbarung bzw. Manna für die himmlische Erquickung.
Bei den Griechen galt der T. als Gabe des Mondes. In der Kabbala tropft er vom Weltenbaum oder vom Baum des Lebens und dient der Erneuerung desselben. Eine früher in China verbreitete Ansicht hielt den T. für die auf das Volk herabkommende Gnade des Kaisers, der mit dem „Himmelsherrn“ gleichgesetzt wurde. Die Kultstätten der aus dem japanischen Schintoismus hervorgegangenen Tenrikyō-Bewegung haben im Dach sogar eine Öffnung, um die Segnungen zu empfangen.
Und in der Bildwelt der Alchemie galt der vom Himmel regnende T. (ros coelestis) als Symbol für das Keimen zum Endziel hin, zur Erlangung des Steins der Weisen.
Lit.: Boedecker, Deborah Dickmann: Descent from Heaven: Images of Dew in Greek Poetry and Religion. Chico/Kalifornien: Scholars Press, 1984.