Oder Stollenwurm, im Volksmund auch Bergstutze genannt; schlangenartiges Fabeltier, das als kleiner Verwandter von Drache und Lindwurm gilt und vor allem im Alpenraum und im Alpenvorland vorkommen soll, wo es in Höhlen oder dunklen Wäldern siedelt.
Einer alten Legende zufolge soll die Schlange vor ihrer Verfluchung im Paradies ursprünglich Füße gehabt haben. Die einen Quellen berichten von vier Füßen, die anderen lediglich von zwei Vorderbeinen. Der T. könne Sprünge bis zu 3 Metern vollführe, sei äußerst giftig und greife jeden an, der sich ihm nähert. Was das Aussehen betrifft, könne das Tier eine Länge weit über 50 cm erreichen und besitze einen reptilienartigen Körper mit stumpfnasigem Kopf. Die Körperfarbe sei auf der Oberseite etwas dunkler als am Bauch.
Sichtungen sollen auch in neuerer Zeit wiederholt vorgekommen sein. Interessierte Zoologen und Kryptozoologen verglichen die Beschreibungen daraufhin mit der in Nordamerika tatsächlich existierenden Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) und glaubten aufgrund mehrerer Ähnlichkeiten eine Verwandtschaft zu erkennen, was von Kollegen abgelehnt wurde, die Verwechslungen mit einer anderen Reptilienart, vielleicht einer invasiven Spezies, vermuteten. Weitere Thesen sprechen von möglichen Nachkommen des früher über den gesamten eurasischen Raum verbreiteten Riesensalamanders.
Lit.: Schöpf, Hans: Fabeltiere. Graz: Akadem. Druck- u. Verlagsanst., 1988; Magin, Ulrich: Der Tatzelwurm: Porträt eines Alpenphantoms. Bozen: Edition Raetia, 2020.