(Samoanisch tatau, zeichnen), der Begriff wurde 1769 von Captain Cook in Europa eingeführt, umgangssprachlich als Tätowierung bezeichnet. Es meint das Anbringen auf oder Einritzen von Mustern bzw. Zeichnungen in die menschliche Haut, was teils mit schmerzhaften Prozeduren verbunden ist und nur selten als bloßer Schmuck verwendet wird. So versucht man durch T. beispielsweise auch Krankheiten abzuwenden (apotropäische T.).
Eine besonders ausgeprägte Tradition hat die T. in Südostasien und Polynesien. Bei polynesischen Männern bedeutet sie die Zurschaustellung von Clan- oder Rangabzeichen. Die T. von Mädchen im Rahmen von Pubertätsritualen bei den zentralafrikanischen Ndembu wiederum soll die volle Fruchtbarkeit der Frauen garantieren.
Das Anbringen von Zeichen auf der Haut war auch im alten Orient nicht unbekannt, wo ein Mensch dadurch als dem Schutz einer Gottheit unterstellt galt. Bei manchen südamerikanischen Völkern sind die Körper der Tätowierten geradezu wandelnde Kosmologien, womit einerseits soziale Statuspositionen, andererseits kosmische Korrelationen zwischen Körper und Welt angezeigt werden.
Bei europäischen Seeleuten des 17. und 18. Jahrhunderts kamen im Falle einer T. christliche Symbole zum Tragen, um z.B. bei einer Bergung nach Schiffbruch als Christ erkennbar zu sein.
Lit.: Cattani, Paul: Das Tatauieren ‒ eine monographische Darstellung. Basel. Schwabe, 1922; Engelhardt, Dietrich von: Das Bild auf der menschlichen Haut. München: Moos Verlag, 1972; Turner, V.: The Drums of Affliction: A Study of Religious Processes Among the Ndembu of Zambia. Oxford: Clarendon Press, 1981.