Tarot

Satz von 78 Spielkarten, der zu psychologischen Zwecken oder zum Wahrsagen verwendet wird.
T. wird eingeteilt in die großen Arkana mit 22 Trümpfen, nummeriert von 0 bis 21, und die kleinen Arkana mit 56 Farbkarten: 10 Zahlen und 4 Bildkarten in jeweils 4 Farben (z.B. Stäbe, Münzen, Kelche, Schwerter). Arcanum (lat., Geheimnis) leitet sich von arca (Kiste) ab und besagt, was in einer Kiste liegt, ist von außen unsichtbar und somit geheim.
Die Tarotkarten gehören zur Familie der Tarock-Spielkarten mit identischer Geschichte bis Ende des 18. Jahrhunderts. Anschließend erhielten (Tarot-)Kartensätze, die explizit als Deutungswerkzeuge gedacht waren, zunehmend symbolische Inhalte.
Das Wort T. wird heute in mehreren Sprachen sowohl für die Wahrsage- als auch für die Tarockspielkarten benutzt. Es stammt aus dem Französischen und ist der Name eines Kartenspiels, das auch Tarocchi (italienisch), Tarock (deutsch) oder Troccas (rätoromanisch) genannt wird. Jedenfalls gibt es keine Beweise, dass T. wie mancherorts behauptet auf ägyptische oder hebräisch-kabbalistische Weisheitslehren zurückgehe.
In Europa sind Spielkarten seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bekannt. Unter einem „Satz“ oder „Deck“ versteht man eine zusammengehörige, vollständige Ausgabe der 78 Tarotkarten, die sich in die sog. großen und kleinen Arkana gliedern, gelegentlich auch „das große und kleine Arkanum“ genannt. Die drei bekanntesten und einflussreichsten Decks sind das Marseille-, das Rider-Waite– und das Crowley-Tarot.
Wie andere Wahrsage- und Beratungsmethoden wird auch das T. gelegentlich für Betrug missbraucht, etwa um es als „Schutzamulette“ gegen angebliche „Verhexungen“ zu verkaufen. Zudem wird das T. auch mit magischen Praktiken oder Satanismus in Zusammenhang gebracht, was nicht zuletzt Aleister Crowley geschuldet ist.
Warum das Ergebnis einer Tarot-Lesung für die Beantwortung einer Frage von Relevanz sein kann, lässt sich zum einen esoterisch-spirituell, zum andern psychologisch erklären.
Während sich die esoterisch-spirituelle oder auch magische Erklärung auf den von Carl Gustav Jung geprägten Begriff der Synchronizität stützt, sieht die psychologische Erklärung in einer Tarotlegung lediglich ein projektives bzw. assoziatives Verfahren, einen Spiegel innerer und äußerer Prozesse.
Die großen Arkana bestehen aus 22 Karten, deren Sinnbilder sich von den Bildern der Spielkarten grundlegend unterscheiden. Die 22 Karten wurden im 19. Jh. von dem Martinisten Oswald Wirth mit der Bedeutung als „Einweihungsstufen“ belegt und später von Elisabeth Haich in ihrem Tarotbuch als „22 universelle Stufen des Bewusstseins“ bezeichnet.
Die kleinen Arkana (auch: kleines Arkanum) bestehen aus vier mal vierzehn Karten in vier unterschiedlichen Farben oder Reihen, die jeweils aus zehn Zahlenkarten (1 (=Ass) bis 10) und vier meist Hofkarten genannten Karten bestehen. Einzelne Decks verändern diese Anzahl, wie das sog. UniversalTarot. Das Prinzip der Farben der Zahlenkarten ist aus normalen Kartenspielen bekannt.
Das T. ist ursprünglich ein genuines europäisches esoterisches System. Weitestgehend unumstritten sind die Verbindungen zu Alchemie, Kabbala und Astrologie.

Lit.: Alliette, Jean-Francois: Etteilla, ou Maniere de se Récréer avec le Jeu de Cartes Nommées Tarots. Amsterdam & Paris: Lesclapart, 1770; Gébelin, Antoine Court de: Le Monde primitif analysé et comparé avec le monde moderne. 1773/1784; Crowley, Aleister: The Book of Thoth. A Short Essay on the Tarot of the Egyptians, in: The Equinox III:5. Mit Frieda Harris. Nachdruck: Samuel Weiser, New York, 1969; Golowin, Sergius: Die Welt des Tarot: Geheimnis und Lehre der 78 Karten der Zigeuner. Mit 78 Abbildungen des Zigeuner-Tarots von Walter Wegmüller. Basel: Sphinx, 1975.
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