(Lat. epilepsia saltatoria), Ausdruck für eine vor allem im 14./15. Jh. aufgetretene epidemische Erscheinung, die als psychogenes und massenhysterisches Phänomen beschrieben wurde. Große Gruppen von Menschen (dansatores) tanzten anscheinend willenlos, bis sie erschöpft oder verwundet zusammenbrachen.
Ursprünglich sprach man vom Veitstanz, mit dem heute die Symptome der Erbkrankheit Chorea Huntington bezeichnet werden und der sich auf den hl. Veit, einen der 14 Nothelfer, bezieht. Er gilt als Schutzpatron der Tänzer und wird z.B. bei Krämpfen und Epilepsie angerufen.
Die aufsehenerregendsten T.ausbrüche fanden in den Jahren 1374, 1463 und 1518 statt und waren lokal beschränkt. Die Menschen tanzten sich in Ekstase, sodass ihr Müdigkeitsempfinden ausgeschaltet wurde und sie so lange fortfahren konnten, bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen oder sogar starben.
Die noch nicht endgültig geklärten Ursachen für T. reichen von religiöser Ekstase über die halluzinogene Wirkung pflanzlicher Drogen bis hin zu durch Mutterkorn oder Spinnenbiss ausgelösten Vergiftungserscheinungen. Mit einer neuen Erklärung wartete 2012 der Frankfurter Historiker Gregor Rohmann auf, derzufolge es sich bei T. um ein auf religiösen Vorstellungen beruhendes Krankheitskonzept handeln soll. Unfreiwillige Tanzbewegungen seien demnach ein Zeichen von Gottverlassenheit. Im Spätmittelalter hielten sich dann medizinische und religiöse Deutungen die Waage.
Lit.: Rohmann, Gregor: Tanzwut. Kosmos, Kirche und Mensch in der Bedeutungsgeschichte eines mittelalterlichen Krankheitskonzepts. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2013.