Ein vor allem bei den Algonkin verbreiteter Ritus, durch den Geister gerufen werden, um dem Medizinmann Auskunft zu geben über die Ursache einer Krankheit, ihren Verlauf, die Methode der Heilung, über Zukünftiges oder über den Verbleib eines verschwundenen Menschen oder Gegenstandes. Dabei wird für den Medizinmann ein kleines Zelt errichtet. Manchmal wird er in eine Decke gehüllt und verschnürt. Im Verlauf des Ritus befreit er sich von seinen Fesseln. Wenn dann die Geister kommen, fährt ein heftiger Wind durch das Zelt, und man hört ein Gewirr von Tierstimmen.
Als Erklärungsmöglichkeiten werden Suggestionen, unbewusstes Agieren des in Trance befindlichen Medizinmannes und Tricks von seiner Seite bzw. vonseiten vermuteter Helfer angeführt. Allerdings konnten derlei Manipulationen nie wirklich beobachtet werden.
Zum ersten Mal soll ein tanzendes Z. 1609 beobachtet worden sein. Der Bericht dazu stammt von dem französischen Forschungsreisenden Samuel de Champlain. Der Huronenmissionar und Jesuit Paul Le Jeune, der auch „dämonische“ Manipulationen für möglich hielt, drohte 1637, den Trick zu verraten, ohne in seinem Bericht näher darauf einzugehen.
Berichte von tanzenden Zelten im schamanischen Umfeld gibt es mehrere. Als Erklärung wurde dabei auch Psychokinese ins Spiel gebracht. Der schwedische Religionswissenschaftler Ake Hultkrantz (1920-2006), der die schamanischen Rituale und Praktiken verschiedener Völker erforschte, meint dazu: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass haptische Phänomene wie etwa der Windstoß und die von den Zuschauern beobachtete Bewegung des Zelts ‒ trotz stabiler Konstruktion ‒ zu einer Klasse bestimmter okkulter Phänomene gerechnet werden müssen, die einen Trancezustand begleiten können: die Phänomene der Poltergeister,…“ (Bonin, Naturvölker, 1986, S. 176).
Lit.: Bonin, Werner F.: Naturvölker und ihre übersinnlichen Fähigkeiten: von Schamanen, Medizinmännern, Hexen und Heilern. München: Goldmann, 1986.