Tanz

Der T. als religiöses Phänomen findet sich bei allen Völkern und Kulturen und gilt neben dem Opfer als wichtigste Kulthandlung. Ihm wohnen auch zauberische Elemente inne, die verschiedentlich zum Ausdruck kommen. So gibt es Abwehrtänze gegen Krankheit, Tod, Hungersnot und Naturkatastrophen. Selbst der Hochzeits-T. war ursprünglich ein Abwehrtanz, der das Brautpaar vor Dämonen schützen sollte. Auch der Analogiezauber hat seinen Platz. So wird in bestimmten T.-Bewegungen ein gewünschtes Ziel angesprochen (Regen, Ernte, Jagdbeute, Sieg) und durch Masken untermauert. Mancherorts wird ein Zauberkreis in T.-Bewegungen umschrieben, z.B. um einen Altar, ein Götterbild oder einen Verstorbenen.
Daneben gibt es Tänze zu Ehren von Gottheiten als Teil des Opferkultes. Und nicht zuletzt hat der T. bisweilen eine mystisch-ekstatische Bedeutung, wenn der Tanzende versucht, mit Geistern und Gottheiten Kontakt aufzunehmen, wie etwa der Schamane. Solche Arten von T. sind in Mysterienkulten und bei den Derwischen verbreitet. Mystische Tendenzen zeigt auch der jüdische Chassidismus, wo der T. als Ausdruck der Freude gilt und auf eine Vereinigung mit Gott abzielt. In der christlichen Mystik des Mittelalters, z.B. bei Mechtild von Magdeburg, ist vom „T. der Seele“ die Rede, wo sich die Seele im Himmels-T. mit dem kosmischen T. der Gestirne verbindet. Selbst Götter werden manchmal tanzend dargstellt, z.B. Shiva.

Lit.: Waldenfels, Hans (Hrsg.): Lexikon der Religionen: Phänomene Geschichte Ideen. Freiburg i.Br./Basel/Wien: Herder, 1987.
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