Tanz der Derwische

Um 1250 durch den Dschelaleddin Rumi begründet, als dieser zum rhythmischen Hämmern eines Goldschmiedes plötzlich zu tanzen begann. Er breitete die Arme aus, begann sich immer schneller zu drehen und bezog sogar den Goldschmied selbst in den T. mit ein. Wenige Monate später war es für die Einwohner vor Ort schon ein vertrautes Bild, wenn sich vor der großen Moschee Männer zum Tanz versammelten, die hohe braune Filzmützen, weiße ärmellose Unterkleider, schwarze Gürtel, Jacken und Mäntel trugen. Dschelaleddin Rumi selbst hatte die Tracht seiner Derwische entworfen. Musikanten traten auf, die Musik steigerte sich, die Derwische begannen um die eigene Achse zu wirbeln, bis hin zur Ekstase. Dieses Tanzritual hat sich bis heute nahezu unverändert erhalten. Dschelaleddin wurde zu einem der überragendsten Mystiker und die bedeutendste Derwischpersönlichkeit überhaupt. Er verstand es schließlich, argwöhnische Kritiker vom tieferen Sinn seiner Tänze zu überzeugen, denen eine ausgeklügelte Metaphysik zugrunde lag. Am Anfang der Zeremonie streifen die Derwische ihre schwarzen Mäntel ab, die Symbole dunklen Erdenlebens. Sie tragen nur noch das weiße Untergewand ‒ weiß bedeutet die Farbe des Auferstehungsleibes. Während sich die Tänzer um die eigene Achse drehen, halten sie die eine Hand gegen den Himmel, um die Gnade zu empfangen, die sie mit der anderen Hand der Erde weitergeben. In diesen Wirbeltänzen sah Dschelaleddin Rumi die alte Weisheit der Derwischmystik am deutlichsten verwirklicht: Die göttliche Weltordnung kann letzten Endes nicht mit dem Verstand erkannt, sondern nur in der Ekstase erlebt werden.

Lit.: Bick, Claus H.: Der Einfluss von Trancezuständen auf menschliches Verhalten: Gruppentrance, Schamanenritual und kataleptische Zustände, in: Andreas Resch: Veränderte Bewusstseinszustände: Träume, Trance, Ekstase (Imago Mundi; 12). Innsbruck: Resch, 1990, S. 183.
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