Philosophische und religiöse Bewegung, die im 4. Jh. einsetzte und seit dem 6. Jh. in Nordindien greifbar ist. Der T. entwickelte sich in Spannung und Abgrenzung zur orthodoxen vedischen Tradion. Ab dem 8. Jh. verbreitete sich die Vorstellung, mit tantrischen Praktiken könne die Buddhaschaft erreicht werden. Später rückte dann die Überzeugung von der Überwindung der Polarität durch die rituelle Vereinigung von männlicher und weiblicher Bipolarität in den Mittelpunkt.
Diese Denkformen vermischten sich im Westen mit esoterischem und okkultem Gedankengut, das bei Alchemisten, Kabbalisten, Freimaurern, Rosenkreuzern usw. salonfähig wurde. Die Theosophische Gesellschaft, der Okkultist Aleister Crowley (1875-1947) und vor allem die amerikanische Popkultur mit dem Aufkommen der sog. Jugendreligionen gehören zu den bedeutesten Vermittlern der Überwindung männlicher und weiblicher Bipolarität im 19. und 20. Jahrhundert.
Im Hinduismus wird der T. in einer Richtung, in der die magische Formel (Tantra) im Vordergrund steht, mit der Betonung von Lust und Körper, zur Alternative im Bestreben nach Einheit von Geist und Trieb. Hier spielt die praktizierte Sexualität eine große Rolle, bei der eine esoterische Verbindung von Mystik, Spiritualität und Sexualität mit den entsprechenden Praktiken zum Einsatz kommt, auch als Neo-Tantra bezeichnet.
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