Tanne

Gehört zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae), zählt zu den frühesten Baumarten, in denen man den Sitz der Großen Mutter als Erdgöttin wähnte. Bei den Völkern des Altai verband eine T. als Achse der Welt (Lebensbaum) das höchste Göttliche mit der Sphäre des Menschen. Schamanen begannen an diesem Baum ihre Seelenreise.
Die Römer sahen in den geschlossenen Zapfen ein Symbol für die Jungfräulichkeit der Göttin Diana, während die Märchen und Sagen unserer Breitengrade in T.n gütige Feen und schöne Jungfrauen wohnen lassen, die sich ihren Platz allerdings mit Unholden und Untieren (vitale Kräfte) teilen müssen. Entwurzelte T.n in den Händen Wilder Männer, Rübezahls und anderer panartiger Naturgeister auf Abbildungen stehen für den kollektiven Geist des Waldes.
T.n werden gern auf Friedhöfen gepflanzt, da sie als Schwellenbäume zwischen Leben und Tod gelten und Pietät vermitteln. Volkslieder bezeichnen die T. als Symbol der Beständigkeit. Als immergrüner Baum verkörpert sie auch den religiösen Glauben an das ewige Leben. Daher hat die T. nicht zuletzt ihren festen Platz im Liedgut gefunden (O Tannenbaum), wenngleich sie als Weihnachtsbaum vielfach von der Fichte abgelöst wurde. In rumänischen Klage- und Totengesängen hat sie nach wie vor einen hohen Stellenwert, weil ihr ein Höchstmaß an sakralem Charakter zugeschrieben wird. Das T.n-Motiv als Symbol der Auferstehung in Klage- und Totenliedern findet sich auf der Balkanhalbinsel ebenso wie in der deutschen Lyrik.

Lit.: Zerling, Clemens: Lexikon der Pflanzensymbolik. Baden/München: AT Verlag, 2007.
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