Tammet, Daniel Paul

(* 1979), britischer Inselbegabter (Savant) mit der Gabe, mathematische Probleme und Rechnungen außerordentlich rasch zu lösen und die Ergebnisse auf bis zu hundert Nachkommastellen wiederzugeben.
Im Alter von vier Jahren erlitt T. einen schweren epileptischen Anfall, der ihn dauerhaft veränderte. Als er 1984 eingeschult wurde, sah für ihn der Inhalt von Rechenbüchern wie ein Sammelsurium von Druckfehlern aus, denn in seiner Vorstellung ist z.B. die Acht größer als die Sechs und die Neun blau. Er begann Mathematikbücher zu lesen und Pflanzenmuster zu studieren. Jede Zahl zwischen 1 und 10.000 löst bei T. eine visuelle Vorstellung aus, bei einigen Zahlen kommt es auch zu einer emotionalen Reaktion.
Abgesehen von seinen rechnerischen Fähigkeiten beherrscht T. auch mehrere Sprachen und entwarf zudem eine neue Sprache, Manti, deren Grammatik dem Estnischen und Finnischen ähnelt. T. lernt eine Sprache intuitiv, wobei er für jede ein Gefühl zu entwickeln und Muster zu erkennen sucht. Während die meisten Menschen isoliert dächten, sei bei ihm alles vernetzt. Wenn er über Worte nachdenke, benütze er Informationen aus allen Teilen seines Gehirns, wobei sich Gefühle, Farben und Formen mit Worten verbinden würden.
Kritiker werfen T. vor, dass er kein Inselbegabter sei, sondern Zahlen und Sprachen durch Übung und Fleiß erworben habe. Daher sei auch seine Aussage, dass er sich wegen Asperger-Autismus keine Namen merken könne, unhaltbar. Trotz allem ist an der außergewöhnlichenn Begabung für Zahlen und Sprachen bei T. nicht zu rütteln, sodass durchaus von Inselbegabung gesprochen werden kann.

Lit.: Resch, Andreas: Der Innenraum des Menschen (Reihe R; 10). Innsbruck: Resch, 2017, S. 283-286.
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