Tamburini, Juliette

Sachverhalt: Juliette Tamburini wurde am 4. Dezember 1936 in Marseille, Frankreich, geboren und am 17. Juli 1959 im Alter von 22 Jahren geheilt. Juliette erkrankte bereits im 3. Lebensjahr an einem Lungenbefall mit Brustfellentzündung. Mit 12 Jahren wurde sie wegen einer Hilus-Geschwulst behandelt, die auf den Beginn einer Osteomyelitis (Infizierung von Knochen im linken Oberschenkel) hindeutete und zu zahlreichen Krankenhausaufenthalten führte, so u.a. 1952, 1953 und 1956. Bis zum 23. Lebensjahr musste sie insgesamt 11 chirurgische Eingriffe über sich ergehen lassen, davon 4 Knochenausschabungen. Nach den Operationen kam es immer wieder zu Fistelbildungen. Die Untersuchungen des Eiters ergaben das Vorhandensein von Staphylokokken, die Ursache der akuten Osteomyelitis waren. Die therapeutischen Maßnahmen bestanden in Stilllegen, antiseptischen Spülungen und Gaben von Antibiotika. Zu den chronischen Infektionen gesellten sich Symptome einer allgemeinen Schwäche und ab 1951 wiederholtes Nasenbluten, jedes Mal 10 bis 15 Tage. Dabei führten blutstillende Tamponierungen zu einer Perforation der Nasenwand. Im September 1958 wurde eine Knochenausschabung und im Dezember eine Knochentrepanation mit einem Bohrer durchgeführt. All diese Behandlungen brachten jedoch keine dauerhafte Besserung. Daher verließ Juliette 1959, völlig zermürbt von der jahrelangen Behandlung, das Spital trotz Nasenblutens und weiterhin starker Eiterabsonderung, die einen zweimaligen Verbandswechsel pro Tag erforderte. Sie widersetzte sich fortan jedweder Therapie.
In ihrem erbärmlichen Zustand entschloss sie sich, mit dem diözesanen Pilgerzug nach Lourdes zu fahren. Dies war nur liegend und in ständiger Betreuung durch den Pilgerarzt möglich. Am Morgen des 13. Juli 1959 kam sie in Lourdes an. An den ersten beiden Tagen nahm sie an allen Feiern teil. Ein Bad war wegen der Kälte des Wassers zunächst nicht möglich. Es wurde daher lediglich der Verband über der eiternden Fistel mit Lourdeswasser benetzt. Am 15. Juli injizierte die Krankenschwester mit Juliettes Zustimmung Lourdeswasser in die Fistelgegend. Am nächsten Tag, Donnerstag, den 16. Juli 1959, zeigten sich nur noch kleine Eiterspuren im Verband. Am Abend desselben Tages und am folgenden Freitag ließ sich die Patientin dann in das kalte Wasser eintauchen. Am Abend dieses Freitags, 17. Juli, stellte man beim Erneuern des Verbandes fest, dass die Wunde und sämtliche eiternden Fisteln vollkommen geschlossen waren. Da sich alle früheren Besserungen immer nur als kurzfristig erwiesen hatten, sprach Juliette zunächst mit niemandem über diese „Heilung“. Ein Jahr später, 1960, wurde das Ärztebüro davon unterrichtet, das sich dann 1960, 1961 und 1963 jeweils am 11. Juli damit befasste. Am 21 . Mai 1961 hatte bereits Dr. Luccioni, der Chirurg aus Marseille, der bei Juliette 1958 Knochenausschabung und Knochentrepanation vorgenommen hatte, die Heilung als definitiv bezeichnet. Das Ärztebüro befand die Heilung bei der Sitzung 1963 für außergewöhnlich und empfahl die Weiterleitung des Dossiers an das Internationale Medizinische Komitee. Dieses befasste sich mit dem Fall bei der Sitzung vom 2. Mai 1964 gemeinsam mit Prof. M. Salmon als beauftragtem Berichterstatter, der schon früher eine Operation an Juliette vorgenommen hatte. Er sprach von einer sofortigen Heilung ohne längere Rekonvaleszenz, welche in die Reihe der außerordentlichen, medizinisch nicht erklärbaren Heilungen einzureihen sei.
Medizinisches Gutachten:
Diagnose: Osteoperiostitis des Oberschenkels mit Fisteln; Epistaxis (Nasenbluten) für 10 Jahre.
Prognose: Keine Aussicht auf Heilung und Lebensgefahr (infaust quoad valetudinem et vitam).
Therapie: Unwirksam.
Art der Heilung: Plötzlich, vollständig und dauerhaft, medizinisch nicht erklärbar.
Kirchliche Approbation:
Am 11. Mai 1965 wurde die Heilung von J. Tamburini nach positiver Beurteilung durch die kanonische Kommission von Erzbischof Marc Lallier von Marseille als Wunder anerkannt.

Lit.: Resch, Andreas: Die Wunder von Lourdes (Reihe R; 5). Resch: Innsbruck, 22015.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.