Taigi, Anna Maria

(* 29.05.1769 Siena; † 09.06.1837 Rom), selig: 30.05.1920 (Fest: 9. Juni), Hausfrau, Mystikerin, Seherin, Prophetin.
Anna Maria Giannetti, Tochter eines bankrotten Apothekers in Siena, kam 1774 mit ihrer Familie nach Rom. Sie besuchte zunächst eine Schule der von Rosa Venerini gegründeten Maestre Pie Venerini, die sie allerdings nach einer Pockenerkrankung verlassen musste. Nach dem Besuch einer Hauswirtschaftsschule arbeitete T. zunächst in einer Fabrik, dann als Dienstmagd im Palazzo Maccarani Stati. 1789 heiratete sie den ebenfalls dort tätigen Hausknecht Domenico Taigi, einen zornigen und eigensinnigen Mann, unter dem sie viel zu leiden hatte. Sie gebar ihm sieben Kinder, die sie unter ärmlichsten Bedingungen aufzog.
1790 wurde T. Terziarin des Trinitarierordens, bekam den Habit jedoch erst 1808. 25 Jahre lang wurden ihr nun Ekstasen, Visionen und mystische Erlebnisse zuteil. 47 Jahre lang sah sie vor sich und einen halben Meter über ihrem Haupt eine geheimnisvolle, von einer Dornenkrone umrankte Sonnenscheibe, auf der sie Gestalten und Ereignisse aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkannte. Arme und Fürsten, Bischöfe und Päpste suchten ihren Rat, darunter Maria Luisa von Bourbon-Spanien, die verwitwete Gemahlin des früheren Königs des französichen Vasallenstaates Etrurien, die seit 1811 im Kloster San Domenico e Sisto, heute die Kirche des Angelicums, interniert war und unter epileptischen Anfällen litt.
T. führte von 1790 an ein heroisches Buß- und Sühneleben. Ihr geistlicher Führer war der Passionist P. Vinzenz Maria Strambi (1745-1824).
Ihre sterblichen Überreste (Leib angeblich unverwest) befinden sich seit 1865 in der Basilika San Crisogono am Viale Trastevere in Rom. Am 30. Mai 1920 wurde T. von Papst Benedikt XV. seliggesprochen.

Lit.: Luthold-Minder, J.: Eine heilige Frau und Mutter: A.M. Taigi. Konstanz, 1976; Schamoni, Wilhelm: Wunder sind Tatsachen. Würzburg, 1976; Burkhardt, Barbara: Annetta: das Leben der A.M. Taigi. Leipzig, 1986; Schamoni, W./Besler, K.: Charismatische Heilige. Stein am Rhein: Christiana, 1989, S. 144-151; Bessières, Albert: A.M. Taigi: Seherin und Prophetin, Beraterin von Päpsten und Fürsten 1769-1837. Stein am Rhein: Christiana, 1992; Mahmoodzada, Angela: Das zweite Leben der Anna Maria Taigi. Jestetten: Miriam-Verlag, 2017.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.