Der Ausdruck stammt von Martin Luther und bezeichnet das dem Glauben an besondere Glücks- und Unglückszeiten entsprechende Tun und Lassen, der teilweise in der Voraussetzung eines magischen Zusammenhangs von Makrokosmos und Mikrokosmos wurzelt ‒ in den Alltag übersetzt: Was wachsen soll, muss bei zunehmendem Mond, was schwinden soll, bei abnehmendem Mond begonnen werden.
T. ist schon bei primitiven Völkern nachweisbar. Ägyptische Papyri zählten die Tage auf, an denen man sich nicht waschen, keine frohen Lieder anhören oder sein Haus nicht verlassen sollte. Die Babylonier richteten den Beginn bedeutsamer Unternehmungen danach aus. Die Griechen erhielten von Hesiod Anweisungen über gute und böse Tage. Bei den Römern galten u.a. die auf Kalenden, Nonen und Iden folgenden Tage als Unglückstage, an denen z.B. keine neuen Bauten begonnen werden durften. Außerdem beachteten sie die dies fasti (Gerichtstage) und nefasti. Auch bei Germanen und Slawen ist die T. anzutreffen. Im Mittelalter wurde der Glaube an bestimmte Glücks- und Unglückstage besonders durch den in Bedas (673-735) „Libellus de tonitruis“ enthaltenen Abschnitt „De septem feriis“ besonders gefördert. Man versteht darunter die sog. „verworfenen“ oder auch „ägyptischen“ Tage, weil an diesen Tagen die Ägypter von den Plagen heimgesucht worden seien. In der theologischen Literatur des Spätmittelalters wird die T. wiederholt angeprangert. Dass sie nicht zuletzt im Aberglauben bis heute nachwirkt, zeigt die Brandmarkung bestimmter Tage als Unglückstage. Eine besondere Rolle spielt hier der Freitag, noch dazu, wenn er mit dem 13. als Datum verbunden ist.
Lit.: Bertholet, Alfred: Wörterbuch der Religionen. Stuttgart: Kröner, 1985; Moser, Dietz-Rüdiger [Hrsg.]; Glaube im Abseits: Beiträge zur Erforschung des Aberglaubens. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1992; Leitz, Christian: Tagewählerei: das Buch h3t nhh ph wy dt und verwandte Texte (Ägyptologische Abhandlungen; 55). Wiesbaden: Harrassowitz, 1994; Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Hamburg: Nikol, 2005.