Meint die Fehlbeurteilung eines Sachverhalts durch Wahrnehmungs- oder Gedächtnisfehler.
Eine T. besteht darin, die offenbare Erscheinung auf die falsche Weise zu sehen und zu interpretieren, hauptsächlich wegen falscher Wahrnehmungen oder Vorstellungen darüber.
In der Parapsychologie kommt es zur T. beim Beobachten angeblich paranormaler Manifestationen, hervorgerufen durch z.B. mangelhafte Schulung in der parapsychologischen Beobachtung oder geringe Kenntnis taschenspielerischer T.smöglichkeiten. Eine mit technischen Mitteln herbeigeführte Wahrnehmungstäuschung nennt man auch Illusion. Solche Täuschungen werden zu Unterhaltungszwecken auch in der Zauberkunst eingesetzt.
Die Spukforscherin Fanny Moser (1872-1953) spricht von allgemeinen und speziellen T.en.
Zu den allgemeinen T.en gehören: vorsätzlicher Betrug, Taschenspielerei, unbewusste T., verbunden mit Selbstt. beim Ausführenden, unbewusste T. in Trance (medialer Betrug), Suggestion, Hyperästhesie, Sinnest., mangelhafte Beobachtung, Gedächtnist., Fehldeutung, Unter- oder Überschätzung von Versuchsergebnissen, Zufall.
Zu den speziellen T.en zählen: Steigerung intellektueller Fähigkeiten, Persönlichkeitskonvergenzen, sachimmanente Gleichförmigkeit.
Die Wahrnehmungspsychologie kennt die sog. Prägnanztendenz, eine Tendenz in der Organisation der Wahrnehmung, ausgezeichnete Gestalten zu sehen, z.B. bei kurzfristiger Darbietung einen nicht völlig geschlossenen Kreis als Kreis und nicht als gekrümmte Linie wahrzunehmen. Die Prägnanztendenz ist die Ursache optischer Täuschungen, kann im konkreten Einzelfall aber, z.B. bei einem bestimmten Taschenspielertrick, auch als Mittel zur T. dienen.
Viele okkulte Berichte beruhen ungewollt auf T.en, die sich nur durch geübte Selbsterkenntnis und Selbstkritik schrittweise ausschalten lassen.
Lit.: Bonin, Werner: Lexikon der Parapsychologie. Bern/München: Scherz, 1976.