(Griech. syn, mit, gemeinsam, und chronos, Zeit). Damit bezeichnete Carl Gustav Jung zeitlich korrelierende Ereignisse, die nicht über eine Kausalbeziehung verknüpft sind (die also akausal sind), jedoch als miteinander verbunden, aufeinander bezogen wahrgenommen und gedeutet werden. Das bekannteste Beispiel aus Jungs Praxis:
„Eine junge Patientin hatte in einem entscheidenden Moment ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus zum Geschenk erhielt. Ich saß, während sie mir den Traum erzählte, mit dem Rücken gegen das geschlossene Fenster. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Geräusch, wie wenn etwas leise an das Fenster klopfte. Ich drehte mich um und sah, dass ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster stieß. Ich öffnete das Fenster und fing das Tier im Fluge. Es war die nächste Analogie zu einem goldenen Skarabäus, welche unsere Breiten aufzubringen vermochten, nämlich ein Scarabaeide (Blatthornkäfer), Cetonia aurata, der gemeine Rosenkäfer, der sich offenbar veranlasst gefühlt hatte, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten in ein dunkles Zimmer gerade in diesem Moment einzudringen.“
Dazu sagt C.G. Jung mit Wolfgang Pauli: „Ich habe den Terminus ‚Synchronizität‘ gewählt, weil mir die Gleichzeitigkeit zweier sinngemäß, aber akausal verbundener Ereignisse als ein wesentliches Kriterium erschien. Ich gebrauche hier also den allgemeinen Begriff der Synchronizität in dem speziellen Sinne von zeitlicher Koinzidenz zweier oder mehrerer nicht kausal aufeinander bezogener Ereignisse, welche von gleichem oder ähnlichem Sinngehalt sind. Dies im Gegensatz zu Synchronismus, welcher die bloße Gleichzeitigkeit zweier Ereignisse darstellt“ (GW VIII, S. 500f.).
Lit.: Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge, erstmals veröffentlicht in: Jung, C.G./Pauli, Wolfgang: Naturerklärung und Psyche. Zürich: Rascher Verlag, 1952; Jung, C.G.: Synchronizität, Akausalität und Okkultismus. München: dtv, 2001; ders.: Gesammelte Werke, Bd. 8. Olten (CH): Walter, 1971, S. 475ff. (§ 816ff.); Butzer, Ralph J.: Wissenschaftliche Mythologie „Synchronizität“ und „narzisstisches Erleben“ bei C.G. Jung. Diss., Frankfurt, 1987.