(Griech. sympátheia; lat. sympathia, dt. Mitgefühl), die sich spontan ergebende gefühlsmäßige Zuneigung als unbestimmtes Gefühl der inneren Verbundenheit mit jemandem. Ihr Gegenteil ist die Antipathie (Abneigung).
Das Konzept der S. ist grundlegend für das magische Denken, da es auf der Vorstellung basiert, dass zwischen allen Dingen und Wesen des Kosmos eine wechselseitige Verbundenheit bestehe. Bei positiver Verbundenheit im Sinne einer Wesensverwandtschaft spricht man von S. Grundlegend ist die S. für die Magie deshalb, weil damit ein rational nicht nachvollziehbares Geflecht gegenseitiger Bezüglichkeiten entsteht, das magische Handlungen erst möglich macht.
In der Alchemie spielt die S. insofern eine Rolle, als auf ihr nach Ansicht der Alchemisten die Wechselwirkung zwischen den Planeten und Metallen beruht. Sie definiert die Reaktionsweisen chemischer Verbindungen und bestimmt den günstigsten Zeitpunkt zu deren Durchführung. Unter den Autoren der frühen Neuzeit erscheint die S. u.a. bei Agrippa von Nettesheim sowie in der Signaturenlehre des Paracelsus.
Das Denken in den Kategorien von S. und Antipathie war ebenso Bestandteil der Volksmagie. „Sympathische“ Beziehungen zwischen Menschen oder Menschen und Tieren ließen sich vielfach dadurch herstellen, dass man versuchte, ein Körperpartikel (Haare, Fingernägel, Blutstropfen) oder ein Stück der Kleidung der zu bezaubernden Person oder eines Haustieres (dabei ging es vor allem um Stalltiere) zu erlangen. Dadurch wurde eine S.-Beziehung hergestellt, die für diverse magische Beeinflussungen (Liebeszauber, Schadenzauber) genutzt werden konnte.
Ein weiteres Beispiel für eine S.-Beziehung war die Waffensalbe. Dabei wurde die Waffe, mit der jemand verletzt worden war und die noch die Spuren der verletzten Person tragen musste, mit einer nach genauen Regeln zubereiteten Salbe bestrichen. Wegen der S. zwischen Waffe und Opfer sollte die Salbe für Letzteren heilend wirken.
Derlei Praktiken verschwanden im 19. Jh. zunehmend, sind jedoch in außereuropäischen Kulturkreisen nach wie vor in Gebrauch.
Lit.: Scheler, Max/Frings, Manfred S.: Wesen und Formen der Sympathie. Sammlung mit einem Anhang. Die deutsche Philosophie der Gegenwart. Bern/München: Francke, 1973; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hrsg.): Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Bd. 8. Berlin u.a.: Walter de Gruyter, 1987, Sp. 619-628; Priesner, Klaus/Figala, Karin: Alchemie (Hrsg.): Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. München: Beck, 1998.