Dem Apollon (Apollon Surios oder Sozon) geweihte antike Weissagungsstätte in Lykien in der heutigen Türkei, wo Ratsuchende an einer Süßwasserquelle am Meer den Gott befragten, indem sie Fische fütterten. Dem Verhalten der Tiere entsprechend wurde die Antwort ausgelegt.
Die Pilger kamen mit ihren Opfertieren, von denen vermutlich auch das Fleisch für das Orakel stammte. Zunächst wurde dem Gott der schönen Künste und eben auch der Weissagung geopfert. Anschließend ging es mit je zehn Stücken gebratenen Fleisches auf zwei Holzspießen zu einem Wasserbecken, in dem sich ein gewaltiger Strudel bildete und in den der Ratsuchende seine Gaben hineinwarf. Daraufhin zeigte sich eine nicht überblickbare Zahl großer und seltener Fische an der Oberfläche, die gezählt und nach Art und Größe bestimmt wurden. Schnappten sie gierig nach dem Fleisch, war dies ein gutes Omen. Schoben sie hingegen die Stücke mit ihren Flossen zur Seite, bedeutete dies nichts Gutes.
Das Gesehene wurde an den Orakelpriester weitergegeben, der meditierend im „Hain“, dem heiligen Bezirk des Apollon, saß und dem die Deutung des Fischorakels oblag.
Je nach Überlieferung variiert die Zeremonie in manchen Details, bleibt im Wesentlichen aber konstant und damit recht wahrscheinlich.
Der antike Autor Polycharm beschreibt das Fischorakel im 2. Buch seiner „Lykischen Geschichte“:
„… dort, wo nahe der Küste der Hain des Apollon ist, in dem sich am Sandstrand der Wasserwirbel befindet, so kommen die, die das Orakel befragen, mit zwei Holzspießen, an denen je zehn gebratene Fleischstücke befestigt sind. Und der Priester läßt sich schweigend beim Hain nieder, während der Orakelsuchende die Stäbchen in den Strudel wirft und beobachtet, was geschieht. Nach dem Einwurf der Stäbchen füllt sich der Strudel mit Meerwasser, und es stellen sich Fische von solcher Menge und Vielfalt ein, daß der niegeschaute Vorgang Schrecken hervorruft, und dabei sind Fische von solcher Größe, daß man sich in acht nehmen muß. Wenn der Prophet die Fischarten vermeldet hat, bekommt der Orakelsuchende vom Priester die entsprechende Auskunft in seinem Anliegen“ (hier wiedergegeben nach Athenaios (im „Gastmahl der Gelehrten“ (Deipnosophistai 8, 333)).
Lit.: Luck, Georg: Magie und andere Geheimlehren der Antike. Stuttgart: Kröner, 1990; Rosenberger, Veit: Griechische Orakel: eine Kulturgeschichte. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2001.