Auch Sunnata, Begriff der Leerheit, die sich unmittelbar aus der buddhistischen Lehre vom Nicht-Selbst ableitet und auf die Substanzlosigkeit aller Phänomene aufgrund ihrer Abhängigkeit von ihrem bedingten Entstehen verweist. „Leerheit“ besagt Fehlen eines konstanten Seins, einer Eigennatur und eines beständigen Ichs im steten Wandel der Existenz. Die Erscheinungen sind nur nominalistische Begriffe einer nicht wesenhaften Welt. Die Welt ist keine Welt des Seins, sondern des ständigen Werdens ohne feste Substanzen und unumstößliche Realität.
Der Begriff Leerheit ist an mehreren Stellen des Pali-Kanons überliefert. Ein Zitat aus dem Samyutta-Nikaya (Dialog zwischen dem historischen Buddha und seinem Cousin und Schüler Ananda) unterstreicht dies:
„Leer, ist die Welt, leer ist die Welt, o Herr, sagt man. Inwiefern aber wird gesagt, die Welt sei leer?“ – „Was da, Anando, leer von Ich und zum Ich Gehörigen ist, zu dem, Anando, wird gesagt: ‚Leer ist die Welt.‘ Was aber ist leer von Ich oder zum Ich Gehörigen? Die sechs Innen- und Außengebiete, die sechs Arten des Bewusstseins, die sechs Berührungen, die achtzehn Gefühle. Das ist leer von Ich und zum Ich Gehörigen.“
Lit.: Weber-Brosamer, Bernhard/Back, Dieter M.: Die Philosophie der Leere. Nāgārjunas Mulamadhyamaka-Karikas. Wiesbaden: Harrassowitz, 2005.