Suggestibilität

Auch passive Suggestion (lat. suggerere, eingeben, einflüstern), die Bereitschaft, suggestiv übermittelte Informationen über bestimmte Sachverhalte in das eigene Denken und Fühlen einzubauen. Die S. kann sowohl durch fremde Personen als auch durch die eigene Person (Autosuggestion) erfolgen. Bei Kindern ist sie noch sehr hoch, nimmt jedoch im Laufe der Zeit mit Zunahme der gedanklichen Reflexion immer mehr ab. Aufgrund erhöhter S. sind jüngere Menschen daher auch Ziel der Beeinflussung durch Propaganda oder Werbung. Bei Müdigkeit, körperlicher Schwäche und unter Hypnose ist die S. erhöht. Daher sind suggestible Menschen oft „naiv“ oder „leichtgläubig“.
Eine besondere Rolle spielt S. in der Placeboforschung, der Massenpsychologie, bei Persönlichkeitsstörungen, in der Sozialpsychologie, in Politik, Mode, Sport und Berufsleben. Maßgeblich sind außerdem situativ bedingte persönliche Variablen. Hier kommen Wissen, Motivation, Erwartung und Aufmerksamkeit zum Tragen.
Die wissenschaftliche Diskussion über S. hat sich in neuerer Zeit vornehmlich auf die Frage verdrängter Erinnerungen, traumatischer Kindheitserfahrungen sowie auf die Frage der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen konzentriert. In diesem Zusammenhang ist auch die sog. Aufdeckungsarbeit mit den verschiedensten suggestiven Absichten zu nennen.

Lit.: Bleuler, Eugen: Affektivität, Suggestibilität. Halle a. d. S.: Marhold, 1926; Greuel, Luise: Psychologie der Zeugenaussage. Ergebnisse der rechtspsychologischen Forschung.Weinheim: Psychologie-Verl.-Union, 1997; Regber, Anke: Glaubhaftigkeit und Suggestibilität kindlicher Zeugenaussagen unter Einbeziehung entwicklungspsychologischer Aspekte. Lorei: Verl. für Polizeiwiss., 2007.

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