Bezeichnet eine althergebrachte Sitte in Wales, bei der eine zumeist arme oder ausgegrenzte Person dafür bezahlt wurde, die Sünden eines soeben Verstorbenen auf sich zu nehmen, damit dessen Seele den Körper verlassen konnte, anstatt erdgebunden zu bleiben und zum Geist zu werden. Der S. platzierte dabei kleine Schüsseln mit Salz und Brot auf der Brust der Leiche, wobei der Inhalt dann rituell verzehrt wurde. In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass man Salz lange für ein Abwehrmittel gegen böse Geister hielt.
Das uralte keltische Konzept des Sündenessens kennt man nur aus Überlieferungen in den walisischen Grenzgebieten. Es geht angeblich auf eine unglückliche, vom Pech verfolgte Familie zurück, die am Rand der Gesellschaft lebte. Die Rolle wurde in der betreffenden Familie weitervererbt. Der S. war für alle Zeit geächtet und seine Last blieb bis in alle Ewigkeit bestehen.
Lit.: Matthews, Caitlin und John: Das Große Handbuch der Keltischen Weisheit. München: Hayne, 2002.