Dienten zur Wiederherstellung eines Zustandes zwischen Göttern und Menschen, wie er vor einer menschlichen Verfehlung bestanden hat. Sie wurden als Strategien zur Bewältigung von Unheil verstanden und sollten innerhalb der Gruppe, in deren Namen sie durchgeführt wurden, Gemeinschaft stiften.
Für die Römer etwa war nur selten klar, welche Gottheit ein Sühneritual erhalten sollte. So berichtet Cato, dass beispielsweise vor dem Beschneiden von Bäumen der am jeweiligen Ort als anwesend gedachten Gottheit mit dem Ausspruch „seist du ein Gott oder eine Göttin“ ein Schwein zu opfern war. Das Sühneritual wurde hier also schon vor der als schuldbeladen angesehenen Handlung vollzogen. Auf staatlicher Ebene erfolgten S. am Beginn eines neuen Jahres zur Entsühnung der Prodigien des Vorjahres. Grundbestandteil aller S. für Prodigien waren Opfer und Prozession in den verschiedensten Formen. In besonderen Fällen griff man auch auf Menschenopfer zurück. Hatte z.B. eine Vestalin ihr Keuschheitsgelübde gebrochen, wurde sie lebendig begraben.
Lit.: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 11. Hrsg. v. Hubert Cancik u. Helmuth Schneider. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler, 2000, Sp. 1080.